Eintauchen in die Eisenzeit

Keltenfest am Dörnberg lockte tausende Besucher an

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Entführte die Besucher an seiner Drehbank in die Welt des Drechslerhandwerks: Heiko Götten von der Keltengruppe Treveromagos.

Zierenberg. Ob sich die Kelten einst am Hohen Dörnberg wirklich wohl gefühlt haben, das vermag Hanno Rudolphy nicht einzuschätzen. „Es ist ganz schön kalt und stürmisch hier“, sagt der Saarländer.

Er kampiert seit Freitag mit den Treveromagos zu Füßen der Helfensteine. Er sagt es mit einem Augenzwinkern, wohl wissend, dass die Menschen der frühen Eisenzeit noch hartgesottener und ganz andere Lebensumstände gewohnt waren, als es heutzutage üblich ist.

Die widrigen Wetterverhältnisse nehme er deshalb auch gern in Kauf, schließlich gehe es ihm darum, den Besuchern des zweiten Keltenfestes von Landkreis und Zweckverband Naturpark Habichtswald das Leben der Kelten möglichst authentisch näher zu bringen.

Historische Genauigkeit sei ihm dabei wichtiger als irgendwelche esoterischen Vorstellungen, weshalb er auch keinen Druiden mitgebracht habe, der mit goldener Sichel Misteln schneidet oder pseudoreligiöse Handlungen vornimmt. „Wir rekonstruieren und erläutern das Keltenleben anhand belegter Funde“, sagt Rudolphy, der in die Rolle des Keltenschmiedes schlüpft, wenn er mit seiner Truppe unterwegs ist. Obwohl er im alltäglichen Leben als Koch arbeitet, überlässt er die „Speisekammer“ voller leckerer Kostproben und fachlicher Erläuterungen zur Ernährung in der keltischen Eisenzeit Kollegin Sabine Groß, die zum Fest am Dörnberg ihre berühmten Keltenkringel mitgebracht hat. „Die kann ich hier nicht frisch backen, da sie aufgrund ihres 50-prozentigen Honiganteils eine hohe Hitze aus dem Backofen benötigen“, sagt sie, während sie den kleinen, gusseisernen Ofen ihrer Open-Air-Küche anheizt, auf dem sie frische Fladenbrote zubereiten will. Die sollen später noch reißenden Absatz finden bei den mehreren tausend Besuchern, die mit den Treveromagos und weiteren Reenactment-Gruppen in die Zeit der Kelten reisen.

Ob beim Schmieden, Töpfern oder der Herstellung farbenfroher Bordüren beim Brettchenweben – die zeit- und kraftintensiven Arbeiten lassen da schnell den Alltag vergessen, was auch Yvonne Prekop freut, die im Auftrag der Veranstalter mit ihrer Agentur kreatyv den Dörnberg für zwei Tage in eine faszinierende Keltenwelt verwandelt hat. „Vielleicht nimmt der ein oder andere ein Stück Langsamkeit mit in den Alltag zurück“, sagt die Eventmacherin und spricht Treveromagos-Chef Hanno Rudolphy aus dem Herzen, der am Ende doch noch verrät, dass er sich trotz Sturm, Kälte und Regen auf dem Dörnberg pudelwohl gefühlt hat. Wie einst vielleicht auch die Kelten.

Zweites Keltenfest lockt tausende Besucher an den Dörnberg

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