Maschinen fertigen Fahrräder, Organe

3D-Drucker: Wie die Maschinen unser Leben verändern

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Schau mir in die Augen, Kleines: Schon jetzt kann man sein eigenes Gesicht einscannen und von einem 3D-Drucker als Modell erschaffen lassen. Das klingt nach Spielerei – aber 3D-Drucker werden in Zukunft etwa auch Maschinen und Zellen produzieren.

Kassel/Göttingen. Fantastisch und beunruhigend zugleich: Mit 3D-Druckern lassen sich bereits heute Ersatzteile, Fahrräder und Werkzeuge anfertigen. In Zukunft könnten Autos und sogar Körperzellen ausgedruckt werden. Damit wird die Technik zum wundersamen Schöpfer, die Leben erschaffen kann.

Sie wollen eine David-Skulptur wie die von Michelangelo in die Welt setzen? Dafür braucht es heutzutage weder Meißel noch vier Jahre Zeit. Kaufen Sie sich einen 3D-Drucker, laden Sie sich das dreidimensionale Modell als Datei herunter - und in zwei Stunden steht er leibhaftig vor Ihnen, der David. Zwar aus Plastik und nicht so groß wie das Original - aber er ist Realität geworden.

Hintergründe, Videos und Texte zum Thema finden Sie gesammelt hier.

Was wie Spielerei klingt, wird als Technologie unser Leben und die industrielle Fertigung umkrempeln. 3D-Drucker, die teilweise weniger als 1000 Euro kosten, werden Schraubenschlüssel, Implantate und Fahrräder fertigen. Firmen wie der US-Pionier Makerbot verkaufen dazu Geräte, die kompakt sind wie ein Farbdrucker - nur dass sie nicht mit Tintenpatronen beschickt werden, sondern mit Plastik, Beton, Lebensmitteln und anderen Stoffen. Diese werden teilweise beim Druck erhitzt.

Modelle wie von Geisterhand

Replicator 2 von Makerbot: Diese Wundermaschinen können vom Ersatzteil bis zur Lampe fast beliebige Gegenstände ausdrucken.

Schicht für Schicht entsteht dann ein beliebiges Objekt. Wie diese genau aussehen sollen, lässt sich in einem Computer-Programm gestalten - oder als Vorlage aus dem Internet herunterladen. Noch steckt das alles in einem „putzigen Stadium“, wie Fachjournalist Dietmar Dath vor Kurzem schrieb. Doch Experten glauben, dass der 3D-Druck eine steile Karriere vor sich hat - so wie sich der 9-Nadel-Drucker einst binnen eines Jahrzehnts zum preisgünstigen Hightech-Laserdrucker gemausert hat.

Wie dieser Fortschritt jeden zum Publizisten machte, könnten 3D-Drucker jeden zum Produzenten werden lassen. Eine individuelle Brille gefällig? Ein Ersatzteil für den Kühlschrank? Gar ein Organ (siehe Hintergrund)? Ein 3D-Drucker wird zum Schöpfer, sogar von Leben. Die erschaffenen Unikate und Kleinserien werden unser Leben bestimmen. Die Geräte dazu werden teilweise in Unternehmen oder Copy-Shops stehen - doch der 3D-Drucker wird zur Fabrik ohne Werkhalle überall dort, wo ein Produkt gebraucht wird. Um die Welt wandern dann nicht mehr Waren, sondern Designs.

Die Zukunft: Fabriken ohne Werkhalle

Kritiker erwarten hingegen, dass durch die neue Technik mehr gesundheitsschädliche Stoffe eingesetzt werden und dass ganze Branchen zusammenbrechen. Wiederum andere sehen nach dem papierlosen Büro den nächsten Hype. So oder so: Die Entwicklung wird nicht nur Gewinner kennen. Wenn Kunden zum Erschaffer ihrer Konsumgüter werden, könnten die Industrie-Goliaths mit ihrer Massenproduktion unter den Verlierern sein.

Noch sind die Pioniere des 3D-Drucks nur ein sprichwörtlicher David wie der vom Anfang des Textes. Aber dass vermeintlich Unterlegene gegen einen überstarken Gegner gewinnen können, hat ja die Bibel gezeigt.

Von Philipp David Pries

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