Warum der Facebook-Chef dringend neue Einnahmequellen braucht

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Mark Zuckerberg

Sie fällt und fällt: In den vergangenen Wochen lotete die Aktie von Facebook immer neue Tiefststände aus. Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar.

Im Gegenteil: Für die Aktionäre des weltweit größten sozialen Netzwerks könnte es in dieser Woche noch härter kommen.

Denn am Mittwoch endet die erste von einer Reihe von Haltefristen, nach deren Ablauf Facebook-Mitarbeiter und enge Geschäftsfreunde ihre Anteile verkaufen dürfen. Bis Jahresende können so 1,7 Milliarden zusätzliche Aktien auf den Markt kommen - eine Aktienschwemme. Aktuell stehen den Händlern 421 Millionen Stück an der Börse zur Verfügung. Trennen sich Mitarbeiter und Geschäftspartner von ihren Aktienpaketen wird diese Menge an Aktien den Kurs auf Monate belasten.

Mark Zuckerbergs Problem: Facebook braucht dringend neue Einnahmequellen. Nach einem Verlust von 157 Millionen Dollar im zweiten Quartal 2012 sorgen sich die Investoren vor allem über die wachsende Zahl von Facebook-Nutzern, die sich über Smartphones ins Netzwerk einwählen. Mit ihnen verdient Facebook-Chef Mark Zuckerberg (29) kaum Geld. Auf den kleinen Bildschirmen der Handys lässt sich Werbung schlechter unterbringen. Und: Sie wird auch schlechter bezahlt.

Zahl der Nutzer: 995 Millionen Menschen weltweit sind bei Facebook registriert. Ende Juli musste das Unternehmen aber einräumen, dass nicht jede registrierte Person auch real existiert. Hinter 90 Millionen möglichen Kunden verbargen sich Seiten, die jemand für den Räuber Hotzenplotz, dessen Kumpane oder Hunde eingerichtet hat. Doch mit fiktiven Personen ist kein Werbe-Umsatz zu machen.

Der wichtige Mittwoch: Sollten nun die Mitarbeiter und Geschäftsfreunde ihre Aktienpakete morgen zu Geld machen, dann kommt das einer Entscheidung über den Zukunftswert des Unternehmens und über die Person Mark Zuckerberg gleich. Denn nicht irgendwelche Aktionäre verkaufen ihre Papiere, sondern Firmen-Insider, die das Unternehmen kennen und wissen, was sie von den Visionen ihres Chefs zu halten haben. Trennen sie sich im großen Stil von den Papieren, darf man unterstellen, dass sie ihre Zweifel daran haben, ob der Kurs steigen wird. Bis Ende des Jahres stehen noch vier dieser Zittertermine an (14. Oktober, 12. und 13. November sowie der 13. Dezember 2012). Einzig der niedrige Aktienkurs könnte die Besitzer vom Verkauf ihrer Papiere abhalten. Er lag gestern bei 22,19 Dollar (17,97 Euro). Die Aktien wurden aber zu Preisen zwischen 24 und 30 Dollar zugeteilt. Gestartet war die Aktie beim Börsengang am 17. Mai mit 38 Dollar.

Mitarbeiter gehen: Im Juni reichte Technik-Chef Bret Taylor als erster die Kündigung ein. Es folgten: Top-Grafiker Carl Sjogreen, Marketing-Chefin Katie Mitic und Manager Jonathan Matus. Matus war zuständig für das Marketing auf mobilen Endgeräten. Sein Abgang trifft das Unternehmen besonders hart.

Geld verdienen, nur wie? Vor diesem Hintergrund sind Ideen gefragt, wie sich der wachsende Zuspruch zu Online-Spielen im sozialen Netzwerk zu Geld machen lässt. Aber auch dort läuft es für Zuckerberg nicht rund: Facebook-Partner Zynga, Erfinder von Spielen wie Farmville, enttäuscht. Zwar spielen über 300 Millionen Menschen weltweit mindestens einmal im Monat. Doch die Zahl stagniert. Der Umsatz pro Kopf sinkt, denn immer weniger Spieler sind noch bereit, echtes Geld für virtuelles Saatgut zu zahlen. Zudem wächst die Konkurrenz im Netz. Das entgeht den Investoren nicht, sie verkauften ihre Aktien. Doch auch Online-Spiele dürften für Facebook keine Lösung sein.

Von Martina Wewetzer

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