Kritik an Datenschutz-Bestimmungen

Behörden ziehen sich aus Facebook zurück

Jever. Auf Facebook sind größere Städte, einzelne Regionen und viele Firmen längst vertreten. Doch nach der massiven Kritik von Datenschützern ziehen sich auch in Niedersachsen erste Behörden wieder aus dem sozialen Netzwerk zurück.

„Wir haben unsere Seite abgeschaltet“, sagte der Sprecher des Landkreises Friesland, Sönke Klug, am Dienstag. Mehrere Kommunen erwägen außerdem, den „Gefällt-mir“-Button von Facebook von ihren Internetseiten zu entfernen. Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert hatte am Freitag alle Webseiten-Anbieter aufgefordert, die Fan-Pages und die „Gefällt-mir“-Button zu löschen. In einer Analyse war er zu dem Ergebnis gekommen, dass diese die Informationen des Nutzers automatisch in die USA übermitteln, was gegen den Datenschutz verstößt.

Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz

Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
 © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Googeln Sie regelmäßig Ihren eigenen Namen - am Besten in Anführungszeichen: "Vorname Nachname". © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Füllen Sie im Netz keine Fragebögen aus. Geben Sie nie Ihre Handynummer, Anschrift oder Kontodaten an. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Achten Sie bei Diskussionen in Foren und Communities darauf, zu welchen Themen Sie sich äußern. Nutzen Siedabei möglichst nicht Ihren vollständigen Namen. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Legen Sie Konten für Foren und Netzwerke wie Facebook mit einer eigenen Mailadresse an, die keine Rückschlüsse auf Ihre wahre Identität zulässt. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Sollten Sie bei eigenen Kommentaren im Nachhinein unsicher sein: Auf vielen Plattformen lassen sich Beiträge nachträglich bearbeiten oder löschen. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Stellen Sie nie Fotos ins Netz, die im Zweifel für andere Zwecke missbraucht werden könnten, zum Beispiel extreme Partyfotos oder Urlaubsbilder im Bikini. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Sollte einer Ihrer Freunde ungefragt ein Foto von Ihnen bei Facebook veröffentlichen, bitten Sie ihn, das Bild zu löschen. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Umgekehrt bedeutet das: Veröffentlichen Sie keine Bilder von Verwandten, Freunden und Kollegen, ohne sie um Erlaubnis zu fragen. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Seien Sie bei Passwörtern fantasievoll: Ein gutes Passwort besteht aus mehreren Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Gehen Sie mit Ihrem virtuellen Gegenüber genauso um, als stünde er im wirklichen Leben vor Ihnen. Persönliche Angriffe sind auch in Chats tabu. © 
Privates bleibt privat: Gute Tipps zum Datenschutz im Netz
Überprüfen Sie bei Netzwerken wie Facebook die Einstellungen zum Datenschutz regelmäßig und sorgfältig - sonst werden neue Optionen vielleicht übersehen. © 

Bis Ende September müssen die Anbieter die Weitergabe der Daten stoppen, andernfalls droht ihnen ein Bußgeld. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte Joachim Wahlbrink unterstützt die Auffassung seines Kieler Kollegens. Einen Appell an Behörden und Firmen, ihre Facebook-Aktivitäten einzustellen, wird es aber nicht geben. Mit 25 Mitarbeitern habe der Datenschutzbeauftragte gar nicht die Kapazität, die rund 300 000 Firmen, mehr als 1000 Kommunen und zahlreichen Behörden zu überwachen, erläuterte sein Sprecher Michael Knaps.

Der Landkreis Friesland hat sich trotzdem entschieden, seine Fanpage in dem sozialen Netzwerk zu deaktivieren. „Das war eine schöne Seite, die gutlief. Aber als Behörde sehen wir uns in der Pflicht, den Datenschutz zu gewährleisten“, sagte Klug. Auch mehrere Kommunen sind skeptisch geworden. Nach Angaben des Zweckverbands Kommunale Datenverarbeitung gab es vor allem zum „Gefällt-mir“-Button zahlreiche Anfragen.

„Die Bereitschaft, das runterzunehmen, ist da“, sagte der Datenschutzexperte des Zweckverbands, Torsten Köller. Das Symbol mit dem gehobenen Daumen ist bereits vor einigen Monaten von Bremens Internetauftritt verschwunden, weil die Betreiber die Funktion kritisch sahen. „Dann werden immer, wenn man die Seite aufruft, egal ob man den Button anklickt oder nicht, die Daten in die USA übertragen“, sagte der Geschäftsführer der Bremen online services GmbH, Stephan Klein. Die Fanpage von Bremen soll aber nicht gelöscht werden.

Auch der Landkreis Osnabrück will auf diesen Kommunikationsweg mit den Bürgern nicht verzichten. „Wer Facebook nutzt, kennt die Stärken und Schwächen“, sagte der Sprecher der Kreisverwaltung, Burkhard Riepenhoff. Dass Datenschützer das weltgrößte soziale Netzwerk mit Sitz in den USA kritisch sehen würden, sei bekannt. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.