Benötigt man heute noch Zeitschriften?

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Angesichts der Digitalisierung des Journalismus und des Medienwesens stellt sich die Frage, ob (gedruckte) Zeitschriften heutzutage noch benötigt werden.

Dienen sie nach wie vor der Information und der Unterhaltung oder wurden sie längst durch modernere Medien ersetzt?

Die Entstehungsgeschichte der Zeitschriften

Die heutige Zeitschrift entwickelte sich aus früheren Formen wie den Flugschriften oder den Wochenschriften. Bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts soll die erste Zeitschrift erschienen sein. Die Magazine ermöglichten dem Menschen sehr vieles, besonders im Bereich der Beschaffung aktueller Informationen.

Heutzutage gilt die Rorschacher Monatsschrift als erste deutsche Zeitschrift überhaupt. Sie wurde im Jahr 1597 erstmals veröffentlicht und löste positive Reaktionen beim Publikum aus. Das lag vor allem daran, dass die Zeitschriften den Menschen viel ermöglichten, besonders im Bereich der Beschaffung neuer Informationen. Der heutige Begriff „Zeitschrift“ entstand allerdings erst gegen 1750. Bis dahin wurde das Wort „Journal“ benutzt, das aus dem französischsprachigen Raum stammte.

Einen großen Beitrag zum Erfolg der Zeitschriften, aber auch der Zeitungen, leistete die Renaissance. In ihrem Verlauf gewann das Thema Bildung immer mehr an Bedeutung und auch die unteren Schichten lernten zu lesen und zu schreiben. Hierdurch entwickelte sich gleichzeitig ein gewisser Durst nach Informationen und Wissen.

Diesen konnten die Tageszeitungen und Zeitschriften zu einem gewissen Grad stillen. Denjenigen, die meist trotz der Renaissance nicht lesen konnten (zum Beispiel Bauern), lasen Mitglieder der Bildungsschicht (zum Beispiel Priester) die Nachrichten vor, sodass auch sie auf dem neuesten Stand waren.

Die Entwicklung des Zeitschriftenwesens nimmt an Fahrt auf

Bereits kurze Zeit nach der Gründung der ersten Zeitschrift nahm das Zeitschriftenwesen an Fahrt auf. Die Zeitschriften setzten sich auf Anhieb durch, da sie eine Marktlücke schließen konnten. Im Laufe der Zeit entstanden immer mehr Arten von Zeitungen. Auf diese Weise entstand eine größere Meinungs- und Themenvielfalt. Die Menschen hatten somit die Möglichkeit, sich bei verschiedenen Quellen zu informieren und sich Geschichten auf ganz unterschiedliche Art erzählen zu lassen.

Die einzelnen Zeitschriften differenzierten sich immer weiter aus. Einige von ihnen berichteten monothematisch und wendeten sich entsprechend an eine bestimmte Zielgruppe. Das zeigt sich heutzutage daran, dass es einzelne Zeitschriften für bestimmte Zwecke gibt – wie eben Fernsehzeitschriften, welche das Programm anzeigen – aber auch solche, die sich fundiert spezifischen Themenbereichen widmen: Zeitschriften für Modebegeisterte, Handwerker, Eltern und religiöse Menschen gibt, die über Themen aus ihrem jeweiligen Sachgebiet berichten. Hierdurch haben sich die Zeitschriften klar von den Zeitungen abgegrenzt, deren Anspruch es ist, möglichst umfassend alle Bereiche des menschlichen Lebens abzudecken.

Die Digitalisierung schmälert die Bedeutung der Zeitschriften

Mit dem Aufkommen der Digitalisierung sind die Verkaufszahlen von gedruckten Zeitschriften spürbar zurückgegangen. Heutzutage, im Zeitalter der Digitalisierung, kann man viele Zeitschriften, Magazine oder einfach aktuelles per Abonnement, als App oder einfach über eine Google Suche erhalten. Hierdurch verändert sich der Rhythmus der Zeitschriften spürbar. Früher war es durchaus üblich, dass ein Magazin lediglich einmal im Monat erschien.

Entsprechend gut recherchiert und umfassend waren die darin enthaltenen Artikel und Beiträge. Heutzutage ist der Lebensrhythmus der Menschen rasanter. Sie wünschen sich, Informationen deutlich schneller und einfacher zu bekommen und nicht auf die Erscheinung der nächsten Ausgabe warten zu müssen.

Diese Entwicklung hat die Printhäuser dazu gezwungen, ihr Geschäftsmodell von Grund auf zu überdenken. Wegen der rückläufigen Verkaufszahlen ist es für Werbetreibende nicht mehr so attraktiv, in Zeitschriften Anzeigen zu schalten. Entsprechend gingen die Einnahmen der Magazine zurück. Stattdessen wurde versucht, das bisherige Konzept auf die Onlinewelt zu übertragen.

Auch hier gibt es jetzt Werbeanzeigen und spezielle Inhalte sind nur gegen eine Gebühr zu haben. Die gedruckten Hefte sind jetzt nur noch ein Kanal unter vielen, über den die Zeitschriftenmacherinnen und -macher ihre Zielgruppe zu erreichen versuchen.

Prozentual nahmen die Verkaufszahlen in den Vergangenen Jahren in der Regel zwar eher ab, dennoch besteht weiterhin großes Interesse daran, Zeitschriften vorerst auch weiter in Papierform zu kaufen. Die Menschen haben nicht etwa den Wunsch nach Informationen oder die Freude an guter Unterhaltung verloren. Sie sind nach wie vor an Promigeschichten, Modetipps, Backrezepten, wertvollen Erziehungstipps, Projektvorschlägen für Haus und Garten und vielem mehr interessiert. Lediglich das Medium, die Präsentationsform und die Art des Konsums haben sich geändert, nicht aber die Inhalte und deren Relevanz.

Das lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass die Menschen heutzutage deutlich weniger Zeit haben. Entsprechend beschäftigen sie sich nicht ausführlich mit Artikeln, sondern wollen vor allem kleine, kompakte News, die leicht konsumiert und verdaut werden können. Für die Zeitschriften ist es wichtig, diesen Trend nicht zu verschlafen. Die Präsentationsformen der Artikel müssen anders werden. Es geht darum, Inhalte möglichst einfach und verständlich zu präsentieren.

Ein Vorteil von Zeitschriften gegenüber digitalen Inhalten ist, dass die Menschen ihnen eine höhere Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit zusprechen. Während im Internet quasi jeder alles behaupten kann, müssen Zeitschriften sehr gut recherchieren und ihre Argumente begründen, wenn sie Abmahnungen und Richtigstellungen vermeiden wollen.

Gerade themenspezifischen Zeitschriften, die sich ausschließlich mit einem bestimmten Gebiet (Garten, Erziehung, Mode...) beschäftigen, wird eine hohe Professionalität und Sachkenntnis unterstellt. Wer sich ausschließlich mit einem Themengebiet befasst, muss sich schließlich damit auskennen. Dieses positive Expertenimage sollten Zeitschriften nutzen, wenn sie in der Zukunft noch relevant sein wollen.

Fazit: Zeitschriften haben bis heute eine hohe Relevanz, müssen sich aber anpassen

Die Bedeutung von Zeitschriften ist nach wie vor ungebrochen. Die Menschen haben ein tiefes Verlangen nach Information und Unterhaltung, dass ihnen die digitale Welt in dieser Form nicht bietet. Vor allem die hohe Seriosität und das Expertenwissen sind es, die Menschen immer noch zu Zeitschriften in gedruckter Form ziehen. Dennoch ist es wichtig, den digitalen Wandel nicht zu verschlafen. Die Zeitschriften müssen eine Digitalstrategie entwickeln und im Netz präsent sein. Das ist allerdings lediglich ein zusätzlicher Kanal, der in absehbarer Zukunft die gedruckten Formate lediglich ergänzen, nicht aber ersetzen wird.

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