App zur Bildbearbeitung am Smartphone

Mit Snapseed werden aus schnellen Schnappschüssen tolle Fotos

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Mit zahlreichen Programmen kann man Bilder per Fingerzeig nachbearbeiten und verschicken.

Es gibt unzählige Anwendungen, mit denen man Bilder am Smartphone bearbeiten kann. Wir haben nach der Nadel im Heuhaufen gesucht -  und sie mit Snapseed gefunden.

Nie war es einfacher als heute, ohne spezielle Digitalkamera tolle Bilder zu machen - in modernen Smartphones ist bereits brillante Fototechnik verbaut. Ist das Bild nicht recht gelungen, muss man es nicht am Rechner bearbeiten: Mit der richtigen App kann das mühelos am Smartphone erledigt werden.

Das Gerät wird zur Kamera, zum Bildbearbeitungsprogramm und fungiert schließlich auch als Postbote: Aus den Anwendungen heraus können bearbeitete Bilder direkt per Mail verschickt oder in soziale Netzwerke hochgeladen werden.

Wir haben uns eine der beliebtesten Apps etwas genauer angesehen: Snapseed. Die Google-Software zur Bildbearbeitung ist kostenlos für Android und iOS erhältlich. Schon im September 2012 hatte sich der amerikanische Internetriese den Fotospezialisten Nik Software aus Hamburg einverleibt, der hinter der Anwendung steckt. Seitdem wird diese ständig weiterentwickelt.

Tipp: 2016 gab Google auch die beliebten und mächtigen Bildbearbeitungsfilter von Nik in einer kostenlosen Desktop-Anwendung frei.

Mit Snapseed arbeiten

Für diesen Artikel haben wir Bilder gewählt, die mit dem Smartphone, in diesem Fall einem iPhone 7 Plus, fotografiert wurden. Es handelt sich um ganz normale Bilder, wie sie heute täglich zu Millionen entstehen - nie wurde mehr fotografiert als heute.

Mit Snapseed können Fotografen zunächst einmal die Standard-Bearbeitungsschritte wie "Bild gerade ausrichten", "beschneiden", "Helligkeit", "Kontrast" und "Sättigung" durchführen. Doch auch komplexere Aktionen wie das Korrigieren der Perspektive stehen im Portfolio der Anwendung, ebenso wie Effektfilter.

Insbesondere bei der Nutzung dieser Filter sollten Anwender jedoch vorsichtig vorgehen: Im folgenden Bild erhält man zwar nach der Anwendung diverser Filter mehr Details, mehr Farbe, mehr Schärfe - jedoch wurde mit den Korrekturen etwas übertrieben: Rechts ist im blauen Himmel des Fotos ein deutliches Bildrauschen zu erkennen.

Daher sollte man bei jedem Bearbeitungsschritt das Bild per Spreizgeste der Finger auf dem Display vergrößern, um Details zu erkennen und gegebenenfalls den Effekt etwas vorsichtiger anzuwenden.

Tipp: Durch Tippen auf das Bild kann man zudem jederzeit den Unterschied zum vorherigen Arbeitsschritt als Vergleich heranziehen.

Vor der Bearbeitung: Den richtigen Ausschnitt wählen

Ein Foto im 4:3-Format, das auf das Format 16:9 beschnitten wird. 

Schon die vorinstallierten Kamera- und Galerie-Apps unter Android und iOS liefern einige grundlegende Funktionen. So kann man mit ihnen den Bildausschnitt ändern oder einen schiefen Horizont gerade ausrichten. Im Bild oben wurde noch in der Standard-App aus einem 4:3-Bild ein 16:9-Format, da der Himmel über der Brücke im Original zu viel Raum einnahm. Bereits die Wahl des richtigen Ausschnitts kann ein ansonsten eher durchschnittliches Bild sichtbar aufwerten. 

Die "Zuschneiden"-Funktion gibt es natürlich auch in Snapseed: Neben der freien Auswahl kann man so bequem die Formate 3:2, 4:3, 5:4, 7:5, 16:9, DIN und Quadrat wählen. Letzteres eignet sich insbesondere, wenn man ein Bild für das Fotonetzwerk Instagram bearbeitet.

Werkzeuge und Filter

Mit dem Starten der App und der Auswahl des zu bearbeitenden Bildes kann man zwischen derzeit elf Tools (Werkzeugen) und dreizehn Filtern wählen. 

Mit den Tools wird das Bild mit klassischen Werkzeugen wie Zuschneiden und Ausrichten bis hin zum Entfernen von Punkten und Kratzern bearbeitet.

Snapseed stellt elf Tools für die Bildbearbeitung bereit. 

Erst wenn die Bearbeitung in dem Bereich der Tools abgeschlossen ist, sollten Filter zum Hinzufügen von Stilen angewendet werden. Dabei ist die Reihenfolge wichtig, in der Tools und Filter angewendet werden. Wenn z. B. ein Rahmen vor dem Anwenden eines Fokuseffekts hinzugefügt wird, wird der Effekt auch auf den Rahmen angewendet. Wird der Rahmen erst nach dem Fokuseffekt hinzugefügt, bleibt der Rahmen scharf.

Neben den Tools liefern dreizehn Filter besondere Bearbeitungsmöglichkeiten.

Erste Arbeitsschritte

Los geht die Arbeit am Bild üblicherweise mit dem Tool "Feinabstimmung". Dort können Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Ambiance, Spitzlichter, Schatten und Wärme angepasst werden. Die Filter werden aufgerufen und ausgewählt durch ein Streichen auf dem Display von oben nach unten (oder umgekehrt). Hat man sich für einen entschieden, kann die Intensität der Veränderung durch Streichen nach rechts oder links variiert werden - so funktioniert übrigens die Arbeit mit fast allen Tools und Filtern.

Auswahlmöglichkeiten des Tools "Feinabstimmung". Sie werden aufgerufen durch ein Streichen auf dem Display von oben nach unten (oder umgekehrt).

Weitere Tools:

  • Details: Hier können dem Bild mehr Details hinzugefügt (Struktur) und die Schärfe der Bilddetails verstärkt werden.
  • Drehen: Bild drehen, um es zum Beispiel gerade auszurichten.
  • Transformieren: Kann Verzerrungen der Perspektive anpassen.
  • Weißabgleich: Farbbalance zwischen kühlen Blautönen und warmen Gelbtönen anpassen (Temperatur) und Verhältnis zwischen kühlen Grüntönen und warmen Magentatönen bestimmen (Färbung).
  • Pinsel: Mit einem in Größe und Deckkraft verstellbarem Pinsel Helligkeit, Belichtung, Temperatur und Sättigung in bestimmten Bereichen steuern.
  • Selektiv: Mit Kontrollpunkten gezielt bestimmte Bereiche in Helligkeit, Kontrast und Sättigung anpassen.
  • Reparieren: Elemente eines Bildes wegstempeln
  • Vignettierung: Äußere und innere Helligkeit eines Bildes anpassen (siehe Slider unterhalb des folgenden Bildes.
  • Text: Text mit/ohne Effekte einem Bild hinzufügen. Beispiel:
Mit dem Textwerkzeug lassen sich Bilder zum Beispiel mit Zitaten versehen.

Das bewirkt eine Vignettierung

Der folgende Slider demonstriert den Effekt einer Vignettierung, bei der die Bildränder abgedunkelt und die Bildmitte aufgehellt wurden. 

Die Auswirkungen von Filtern

Im nächsten Slider ist das Originalbild links dadurch etwas misslungen, dass gegen die Sonne fotografiert wurde - wodurch der Hund als eigentliches Motiv zu dunkel dargestellt wird. Nach einigen Bearbeitungsschritten, darunter einem Vintage-Filter, ist das Foto deutlich ansprechender. 

Weitere Beispiele für Filter:

Mit dem Fokuseffekt kann die Aufmerksamkeit auf ein Motiv gelenkt werden, umliegende Bereiche werden unschärfer und etwas abgedunkelt, die Mitte etwas aufgehellt.
HDR-Scape: Dynamikumfang des Bildes mit einem Arbeitsschritt erhöhen.


Künstlerischer Drama-Effekt: Die voreingestellten Beispiele können manuell angepasst werden.

Weitere Filter:

  • Glamour Glow: Verträumter Effekt durch ein sanftes und glamouröses Leuchten.
  • Farbtonkontrast: Feine Kontraste in Schatten und Spitzlichtern herausarbeiten.
  • Grunge: Farbe und Textur der Bilder für einen "rauen" Touch anpassen.
  • Körniger Film: Film- und Körnungsstil für einen Effekt wie bei Aufnahmen mit Farbfilm.
  • Vintage: Verleiht Fotos einen Nostalgie-Look der 50er-, 60er- oder 70er-Jahre.
  • Retrolux: Retrolook mit Lichtlecks, Kratzern, Filmstilen und mehr.
  • Noir: Düstere, kinematografische Schwarz-Weiß-Bilder mit Tönungs- und Auswaschungseffekten wie aus der Dunkelkammer.
  • Schwarz-Weiß: Zeitlos. 
Im Filter Gesicht können Portraits verbessert werden mit Gesichtsaufhellung, Hautglättung und Augenglanz.

Ist die Arbeit beendet, kann das fertige Kunstwerk umrahmt werden, dazu stehen derzeit 23 verschiedene Ränder zur Verfügung: 

Fazit: Snapseed ist eine mächtige App mit allem, was man braucht, um mehr aus seinen Bildern zu machen. Es ist intuitiv zu bedienen, bietet ein Bearbeitungsprotokoll, um die einzelnen Arbeitsschritte zu prüfen bzw. rückgängig zu machen und speichert die bearbeiteten Bilder in der Originalauflösung. Snapseed wird ständig aktualisiert und um neue Filter und Tools erweitert. Nicht zu vergessen: Es kostet nichts - und man braucht auch kein Google-Konto, um mit dieser Google-App arbeiten zu können.  

Weitere Apps zur Bildbearbeitung

Lightroom Mobile: "Profi-Funktionen gratis liefert Lightroom mobile für iOS und Android", sagt Heico Neumeyer von der Fachzeitschrift "Color Foto". Als Photoshop-Variante für erfahrene Fotografen gibt es mehr als 40 Parameter, die sich beeinflussen lassen. Wer bereit ist, sich bei der Adobe Creative Cloud gegen Geld anzumelden, erhält mehr Funktionen, Synchronisation mit der Desktop-App und kann unter iOS auch RAW-Dateien bearbeiten (ab dem iPhone 6S).

Photo Editor von Aviary: Die App für Android und iOS bietet bereits in der kostenlosen Variante hilfreiche Funktionen und zwölf Effekte. Weitere gibt es gegen Geld. "Die App lässt sich intuitiv bedienen und bietet neben den Standardkorrekturen zahlreiche vorgefertigte Bildeffekte. Auch Liebhaber von Rahmen oder Bildstickern kommen hier voll auf ihre Kosten", sagt Fotograf Andreas Richter aus Wunstorf.

Handy Photo: "Wenn aufwändigere Retuschen gemacht werden sollen, empfiehlt sich die App Handy Photo", sagt der Kölner Fotograf Robert Kneschke. Die Android-App kostet rund 2,90 Euro (auch für iOS verfügbar) und erlaubt, Objekte innerhalb eines Bildes zu verschieben. Filter wie Polaroid, Sepia oder Schwarzweiß können auch in ausgewählten Bereichen angewendet werden.

Stackables: "Wer mehr manuelle Einstellungsmöglichkeiten sucht, wird mit Stackables glücklich", sagt Kneschke. Hier können verschiedene Bildebenen übereinander geschichtet und bearbeitet werden. Die iOS-App für rund drei Euro bietet auch viele Texturen, Effekte und Masken, die sich beliebig kombinieren lassen.

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