Als die Bilder laufen lernten

Witzige GIF-Animationen sind der Renner

Tierisch gut: Das Netzfeuilleton hat den Führungsstreit beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zusammengefasst.

Als im Frühjahr ganz Deutschland über Kassel und seinen neuen Flughafen lachte, hatte Max Eschenbach eine gute Idee. Der 22-Jährige, der an der Kasseler Kunsthochschule Produktdesign studiert, startete auf der Blogging-Plattform Tumblr seine Seite „Oh god, why Kassel?“

Dort geht es um nichts anderes als seine Wahlheimat und lustige Animationen.

Eschenbach lud eine GIF-Datei ins Netz, ein bewegtes Standbild mit einem lachenden Freak, darüber den Satz: „Wenn es heißt, dass Calden so erfolgreich wie Frankfurt wird.“ Und unter dem Titel „Wie es in Kassel-Calden wirklich zugeht“ postete er zwei Männer, die vor einem abstürzenden Modellflugzeug in Deckung gehen.

Mittlerweile hat er noch viel mehr Minianimationen auf seine Seite geladen. Es geht etwa um die documenta und die Afterhour im Szeneclub A.R.M. Mit seinen GIFs liegt Eschenbach im Trend. Das altertümliche Bildformat, das bereits Ende der 80er erfunden wurde, erlebt eine Renaissance.

Nicht nur bei Tumblr, auch im Netzwerk Facebook stößt man auf GIFs. Anders als bei anderen Formaten kann man Bilder mit dem „Graphics Interschange Format“ relativ einfach animieren. Früher wurden sie wegen der großen Speichermengen kaum verwendet, dank schneller Internetverbindungen sind sie heute ein Zeitvertreib für Jedermann.

In seinem Blog lachen nicht nur Kasseler über Kassel: In „Oh god, why Kassel?“ postet der Produktdesign-Student Max Eschenbach (rechts) witzige GIF-Wackelbilder und setzt sie in Beziehung zu seiner Wahlheimat.

Im Englischen wurde GIF als Verb („Ein GIF erstellen“) in das Wörterbuch aufgenommen. Und die „New York Times“ sagte in einem Artikel über die Renaissance des Bildformats gar den „Tod der klassischen Erzählung“ voraus. Fans fassen Spielfilme und Serien zusammen, in denen sie typische Szenen als bewegte GIFs ins Netz stellen. „Zu jeder Figur aus einem Quentin-Tarantino-Film findet man ein GIF“, sagt Eschenbach, der seine Animationen nicht selbst bastelt, sondern in Datenbanken oder mit speziellen Suchmaschinen wie Giphy findet.

Dort sind vor allem Katzenbilder beliebt, die auch der Mainzer Blogger Jannis Kucharz verwendet. In seinem Netzfeuilleton hat er etwa das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück festgehalten sowie den Krach beim „Spiegel“ um den umstrittenen neuen Ressortleiter Nikolaus Blome, der von der „Bild“ zum Nachrichtenmagazin wechseln soll.

Populäre GIF-Seiten kommen vom englischen „Guardian“, der Sportbilder animiert, und aus so ziemlich jeder großen Stadt. Seiten wie „When you live in Berlin“ und „Fuck Yeah Frankfurt“ funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die des Kasselers Eschenbach. Vielleicht gibt es GIFs auch bei der nächsten documenta. Künstler haben die Wackelbilder als „Cinemagraphs“ bereits in Galerien in New York und Berlin ausgestellt.

Von Matthias Lohr

Links zu den Blogs

Max Eschenbachs Kassel-Blog

Lustiges über Berlin gibt es hier

Für unsere südhessischen Freunde

Die coolen Sportfilmchen des Guardian

Das Netzfeuilleton macht sich sehr schön über den Streit beim "Spiegel" lustig: Hier

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