Bußgeld für Gesichtserkennungsdienst?

Die fremde Frau am Nebentisch? Kurz mal mit dem Fotohandy draufhalten und bei Facebook prüfen lassen, wie die wohl heißen. So oder so ähnlich sehen Horrorvisionen aus, die bisher noch vor allem Datenschützer plagen.

Was machen soziale Netzwerke eigentlich mit den ganzen persönlichen Daten, die wir ihnen freiwillig oder unabsichtlich geben? Heißt gelöscht wirklich gelöscht – oder nur irgendwo hingeschoben?

Selbst Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat kürzlich laut darüber nachgedacht, dass das höchste deutsche Gericht sich bald damit befassen könnte, „die Bedeutung und Reichweite der Grundrechte in einer Welt der digitalen Vernetzung neu zu bestimmen“.

Chancengleicher Zugang zu Informationen, ungeahnte Möglichkeiten sich mit der Welt zu vernetzen, sind das eine. Zugleich sieht Voßkuhle das Surfen auf Internetseiten sozialer Netzwerke angesichts der Datensammelwut von Firmen wie Facebook aber als „risikogeneigte Tätigkeit“: Hier wird nicht mit Geld bezahlt, sondern mit teilweise sehr persönlichen sensiblen Daten.

Im Sommer hat sich Hamburgs Datenschützer Johann Caspar mit Facebook angelegt. Der Grund: Auch in Deutschland hat das Unternehmen die automatische Gesichterkennung aktiviert, einen Dienst der Ende 2010 in den USA gestartet war. Caspars Vorwurf: Seine Nutzer habe das Netzwerk darüber weder informiert noch um Einverständnis zur Nutzung ihrer Daten gebeten. Und darum geht es: Wenn Facebook-Nutzer auf ihrer Seite ein Foto hochladen und mit einer Information versehen („Das ist Thomas aus der Frankfurter Straße“), kann Facebook mithilfe von biometrischen Bilderkennungsprogrammen Thomas auch auf anderen Fotos erkennen. Diese Verknüpfung von Daten aus einer immer größer werdenden Datenbank wird bislang nur Facebook-Freunden von Thomas angeboten. Das muss aber nicht so bleiben.

Auch deshalb fordert Caspar Facebook auf, sich an deutsches und EU-Datenschutzrecht zu halten. Nutzer sollen um ein aktives Ja zum Einsatz der Gesichtserkennungssoftware gefragt werden. Nicht nur die Neuen, sondern auch alle 20 Millionen alten deutschen Facebook-Nutzer. Monatelang hat Hamburgs Datenschützer mit den Managern des Netzwerks verhandelt. Ohne Ergebnis – jetzt droht Caspar mit Bußgeld und Unterlassungsverfügung.

Auch die EU will, dass soziale Netzwerke mit persönlichen Daten nicht mehr ganz so freizügig umgehen: Ganze Datensätze von Usern an die Werbewirtschaft zu geben – anonymisiert, wie Facebook beteuert – soll nach Plänen nur noch mit Einverständnis der Betroffenen zulässig sein.

Von Wolfgang Riek

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