Bei Fortnite geht es darum, als Einziger zu überleben

Computerspiel Fortnite: Darum ist das Survival-Game ein weltweiter Hit

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Alles Gute kommt von oben: Bei Fortnite werden die Spieler über einer einsamen Insel abgeworfen. Dann beginnt der Kampf ums Überleben.

Der Erfolg des Computerspiels Fortnite ist beispiellos. Nicht nur Jugendliche sind süchtig nach dem Survival-Game. Auch Sport-Stars wie Fußballer Antoine Griezmann tanzen zu Fortnite.

Nach dem 2:0 im WM-Finale gegen Kroatien sorgte Antoine Griezmann dafür, dass die halbe Welt ein Computerspiel kennenlernt, nach dem die andere Hälfte längst süchtig ist. Der französische Fußballer feierte sein Tor mit einem Tänzchen aus "Fortnite" , dem weltweit angesagten Gaming-Hit.

Kurz vor dem WM-Triumph in Russland bekannte Griezmann: "Ich bin einfach wie sonst auch immer. Ich spiele den ganzen Tag Fortnite, genieße den Fußball und trinke Mate-Tee." Nicht nur Griezmann ist verrückt nach Fortnite. Die kostenlose Online-Version des Herstellers Epic Games nutzen mehr als 125 Millionen Menschen. Wir erklären das Phänomen.

Um was geht es bei Fortnite?

Ganz einfach ums Überleben oder um "Darwinismus zum Nachspielen" wie ein Kritiker schrieb. 100 Spieler werden über einer einsamen Insel abgeworfen, wo sie gegeneinander antreten. Mit Raketenwerfern und anderen Waffen werden die Avatare der Konkurrenten getötet. Am Ende bleibt nur ein Gewinner übrig ("Last Man Standing"). Das Genre nennt sich "Battle Royale" - Überleben ist quasi die Königsdisziplin der Gamer. Gewinnen kann man bei Fortnite auch, ohne die anderen zu erschießen. Man muss sich nur gut genug verstecken (zumindest so lange das immer kleiner werdende Spielfeld noch groß genug ist) und darauf hoffen, dass sich die Konkurrenten gegenseitig aus dem Weg räumen.

Während der kostenpflichtige Modus "Rette die Welt" ab 12 Jahren freigegeben ist, darf das kostenlose "Battle Royale" eigentlich erst ab 16 gespielt werden. Trotzdem sind schon manche Grundschüler süchtig nach Fortnite, das es unter anderem für PC, iOS, Playstation und Xbox gibt. Google-Nutzer warten noch auf eine Android-App.

Quelle: Pro Sieben/Glomex

Warum ist das Spiel so beliebt?

Weil es den Wettbewerb vor dem Computer auf eine neue Ebene hebt. "Bei Counterstrike und World of Warcraft ging es ums Spielen an sich", sagt der Medienpädagoge Stephan Schölzel, dessen Vater aus Kassel stammt und der bei der Stadt Neu-Isenburg arbeitet: "Es ist eine Riesenmotivation, besser als der andere zu sein." Der Wettbewerbscharakter passt perfekt in die Leistungsgesellschaft.

Stephan Schölzel

Darum ist das Game auch für Carmen Maria Plankmeister "genau zur richtigen Zeit" gekommen. Die 26 Jahre alte Sozialassistentin aus Kassel spielt Fortnite seit knapp einem Jahr - wie alle ihre Freunde. Sie mag den witzigen Comic-Stil und auch die vielen Tänze, mit denen die Figuren zum Beispiel feiern, noch am Leben zu sein. Das Wichtigste ist für sie aber: Das Spiel ist kostenlos. Trotzdem soll Hersteller Epic Games im Mai damit fast 300 Millionen Euro verdient haben, vor allem durch Werbung. 

Müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn ihre Kinder Töten spielen?

Nein, denn "wir töten nicht", sagt Experte Schölzel. Der 32-Jährige spielt selbst gern Fortnite. Jemand anderen umzunieten, bedeutet hier so viel wie: "Ich hab dich." Im Prinzip ist Fortnite eine moderne Version des Kriegenspielens vom Schulhof.

Auch für Plankmeister ist "Töten der falsche Begriff". Fortnite kommt ohne blutige Animationen aus. Wer aus dem Spiel ist, wird mit einem Ufo weg gebeamt: "Man wird aus dem Spiel thelepatiert und kann das nächste Spiel spielen."

Trotzdem sollten Eltern einige Dinge beachten, empfiehlt Medienpädagoge Schölzel: "Sie sollten sich von ihren Kindern zeigen lassen, was sie da machen." Manche Eltern klagen, dass ihr Nachwuchs nur noch Fortnite spielt. Die Kinder können nicht genug von dem ständigen Wettbewerb mit anderen bekommen. Andere Väter berichten, wie gewöhnungsbedürftig es ist, wenn ihr neunjähriger Sohn über Fortnite eine Frau kennenlernt, mit der er dann chattet.

Für Schölzel sind viele Fortnite-Phänomene nicht neu. Wenn etwa ein Teenager erst einmal etwas aggressiver ist, nachdem er als Vorletzter von 100 Konkurrenten ausgeschaltet wurde, muss das seiner Ansicht nach nicht daran liegen, dass Computerspiele böse sind, sondern an der Enttäuschung. Da unterscheidet er sich nicht von einem Nachwuchsfußballer, der kurz vor Schluss einer Partie den entscheidenden Elfmeter verschossen hat.

Was hat es mit den Tänzen aus Fortnite auf sich?

Sie sind eine Möglichkeit, Emotionen zu zeigen. Und sie zeigen, wie eng virtuelle und echte Realitäten beieinander liegen. Bei der WM in Russland jubelten Fußballer unter anderem mit der "Take the L"-Bewegung sowie dem "Ride the Pony"-Tanz. Am bekanntesten ist jedoch der "Floss", was Zahnseide bedeutet. Zum Internet-Hit hat ihn der 16-jährige Russell Horning alias „Backpack Kid“ gemacht. Die Programmierer haben seine Bewegungen, die tatsächlich an das Hin und Her von Zahnseide erinnern, in Fortnite aufgenommen. Auch Tänze aus Filmen wie "Saturday Night Fever" tauchen in dem Spiel auf.

Jugendliche auf der ganzen Welt ahmen die Tänze aus Fortnite auf dem Schulhof nach. Das klingt irre: Mediziner und Pädagogen warnen immer wieder vor Bewegungsmangel durch Computerspiele, und dann sorgt ein Game dafür, dass die Kids ihren Körper zu beherrschen lernen. Denn ganz einfach sind die Fortnite-Tänze nicht.

How yall like the emote?

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Wie lang wird der Hype um Fortnite noch andauern?

Noch eine ganze Weile - da sind sich der Experte Schölzel und der Fortnite-Fan Plankmeister einig. "League of Legends", einst ebenfalls ein globaler Spiele-Hit, hat sich fünf Jahre ganz oben gehalten. Unzählige Youtube-Videos, bei denen man Gamern beim Spielen zusehen kann, sowie die Marketingmaschine von Epic Games werden dafür sorgen, dass auch Fortnite eine ähnlich lange Halbwertzeit hat. Den Rest besorgen Stars wie Griezmann.

Der riesige Erfolg von Fortnite zeigt für Schölzel einmal mehr, dass "Computerspiele nicht mehr so tabuisiert werden wir früher und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind". Laut Studien spielt mehr als die Hälfte der Deutschen regelmäßig am Computer oder Smartphone. Da man bei Fortnite zwar getötet, aber nicht sterben kann, wird das wohl auch so bleiben. Die Computer-Welt verspricht nicht nur viel Spaß, sondern auch ewiges Leben.

Hier erklären Schüler der Ahnatal-Schule Vellmar, warum sie Fortnite spielen.

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