So können Nutzer ihr Konto löschen

Datenskandal um Facebook: Privatnachrichten an Firmen gegeben?

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Wieder im Fokus: Facebook ist offenbar erneut in einen Datenskandal verstrickt.

Wieder flackert der Datenskandal rund um Facebook auf: Es geht erneut um Nutzerdaten, die offenbar achtlos zugänglich geworden sind. Darunter wohl auch Privatnachrichten.

Aktualisiert am 20. Dezember 2018 - Passiert sein soll die Panne, da es Schnittstellen zu anderen Anwendungen und Anbietern gibt. Wer beispielsweise ein Konto beim Musik-Streaming-Dienst Spoify hat, der kann dies mit seinem Facebook-Account verknüpfen. Und genau an solchen Schnittstellen kam es jüngst zu Problemen. 

Alle Hintergründe zu den neuesten Entwicklungen lesen Sie in diesem Artikel: Facebook verschafft Firmen Zugang zu Nutzerdaten

Facebook Skandal auch im März 2018

Justizministerin Katarina Barley empfing schon im März 2018 Facebook-Vertreter, um die Aufklärung des Datenskandals voranzutreiben. Etliche Nutzer hatten unter #deletefacebook bereits dazu aufgerufen, Konten zu löschen. 

Von einer "Bedrohung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" sprach Barley. Ihre Forderung: "Umfassende Aufklärung" darüber, ob auch Facebook-Nutzer aus Deutschland vom Datenskandal betroffen sind. Außerdem erhoffte sie sich laut der Nachrichtenagentur dpa Auskunft über Pläne des Unternehmens, mit denen ein solcher Vorfall zukünftig verhindert werden soll. 

In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sagte sie: "Grenzen gegenüber der Marktmacht von solchen Unternehmen dürfen wir nicht akzeptieren." Facebook soll demnach dazu gebracht werden, seine Rechenvorgänge offenzulegen. Barley fordert eine kleinteiligere Einverständniserklärung für die Nutzung von Daten. So soll den Nutzern mehr Kontrolle ermöglicht werden. 

In Großbritannien hat die Regierung laut der Londoner Times angekündigt, Facebook zu einfacheren Datenschutz-Regeln zu zwingen. Hier schaltete Facebook am Sonntag bereits ganzseitige Anzeigen in internationalen Tageszeitungen, um seine Nutzer zu beruhigen. 

Hamburgs Justizsenator will sein Profil löschen

Till Steffen, Hamburgs grüner Justizsenator, will sein Facebook-Profil löschen. "Ich kann Facebook nicht mehr das nötige Mindestmaß an Vertrauen entgegenbringen", postete er in dem sozialen Netzwerk. Außerdem kritisierte er einen "Echokammer-Effekt": Es würden zunehmend nur Inhalte gezeigt, deren Anbieter man zuvor mit "Gefällt mir" markiert habe. Von einer öffentlichen politischen Debatte sei Facebook dadurch weit entfernt.

So reagieren Facebook-Nutzer

Immer mehr Nutzer rufen unter dem Twitter-Hashtag #deletefacebook dazu auf, das soziale Netzwerk endgültig zu verlassen. Seit dem größten Datenleck in der Geschichte des Unternehmens sackt die Facebook-Aktie ab, Aktionäre verklagen das Soziale Netzwerk. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Skandal:

Worum geht es beim Datenskandal um Facebook?

Profile von mehr als 50 Millionen Nutzer sollen im Jahr 2014 von der Datenanalysefirma Cambridge Analytica angezapft worden sein – und das, ohne dass die Nutzer ihre Genehmigung erteilt haben. Das Ziel: Die Unterstützung des Wahlkampfs von US-Präsident Donald Trump. Bekannt wurde der Vorfall nun am vergangenen Wochenende. Laut der Tageszeitung New York Times und dem Londoner Observer wurden die Daten dazu verwendet, ein Programm für die Vorhersage und Beeinflussungen von Wahlentscheidungen zu erstellen. So konnte Nutzern personalisierte Wahlwerbung angezeigt werden.

Was sagt Facebook zu dem Vorfall?

Facebook selbst sieht sich als Opfer: „Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden“, teilte es mit. 

Cambridge Analytica habe Daten von Nutzern mithilfe einer Umfrage zu Persönlichkeitsmerkmalen gesammelt, die als wissenschaftliche Forschung angemeldet war. Die Daten gingen ohne Wissen der Nutzer an das Unternehmen und wurden laut Facebook entgegen früherer Zusicherungen nicht gelöscht, sondern weiterverwendet.

Warum verklagen Aktionäre nun Facebook?

Die Facebook-Aktie sackte am Montag, nachdem der Skandal bekannt worden war, um sieben Prozent ab, 35 Milliarden Dollar Börsenwert wurden dadurch vernichtet. Am Dienstag gab sie noch einmal um 2,6 Prozent nach. Daher klagen nun Aktionäre: Laut Klageschrift habe Facebook sachlich falsche und irreführende Aussagen zur Firmenpolitik gemacht. Das Netzwerk hätte mitteilen müssen, dass Dritte Zugriff auf Millionen Daten erhalten haben. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC hat nun laut der Washington Post Ermittlungen eingeleitet: Geklärt werden soll, ob Facebook die Daten tatsächlich selbst an Cambridge Analytica herausgegeben hat.

Was steckt hinter dem Hashtag #deletefacebook?

Der WhatsApp-Mitbegründer Brian Acton schreibt auf Twitter: „It is time. #deletefacebook.“ Damit ruft er Facebook-Nutzer dazu auf, ihre Konten zu löschen – und etliche User pflichten ihm unter dem Hashtag #deletefacebook bei. 

Der Messenger-Dienst WhatsApp gehört seit 2014 selbst zu Facebook: Das Netzwerk verleibte ihn sich für 19 Milliarden Dollar ein. Acton arbeitete noch bis Herbst 2017 für das Unternehmen, mittlerweile ist er ausgeschieden und widmet sich verstärkt der Messenger-Alternative Signal. Ob sein Lösch-Aufruf auch WhatsApp-Konten mit einschließt, hat Acton bisher offen gelassen.

Facebook-Konto löschen: So geht's

Facebook-Konten können entweder deaktivert oder gelöscht werden. Wer sie deaktiviert, kann sie auch jederzeit wieder reaktivieren. Eine Löschung soll laut Facebook gewährleisten, dass die Daten dauerhaft aus dem sozialen Netzwerk verschwinden. Ob sie tatsächlich ganz gelöscht werden, ist allerdings unklar - diese Frage wird immer wieder diskutiert. 

Am einfachsten funktionieren Deaktivieren und Löschen im Browser am Computer. So geht's:

Konto deaktivieren

  • Im eingeloggten Profil oben rechts auf den kleinen Pfeil klicken und „Einstellungen“ auswählen. 
  • Unter „Konto verwalten“ auf „Bearbeiten“ klicken . 
  • Unten auf „Deaktiviere dein Konto“ klicken und den weiteren Anweisungen folgen. Facebook bezeichnet die Deaktivierung als „Pause“, die Daten verschwinden also nicht. Das Konto kann jederzeit vollständig wieder hergestellt werden, indem man sich erneut ins Facebookkonto einloggt. Konto löschen
  • Konto löschen 
  • Im eingeloggten Profil oben in der Leiste „Einstellungen“ auswählen. 
  • Links in der Leiste auf „Deine Facebook-Information“ klicken. 
  • Unter „Dein Konto und deine Informationen löschen“ auf „Ansehen“ klicken. 
  • Unter „Deine Informationen herunterladen“ kann man seine Daten sichern, bevor sie von Facebook gelöscht werden. 
  • Auf „Konto löschen“ klicken. 
  • Dann müssen Sie Ihr Passwort eingeben, um die Löschung zu bestätigen. Der Löschvorgang beginnt nicht sofort. Innerhalb von 30 Tagen kann er abgebrochen werden, indem Sie sich erneut bei Ihrem Facebook-Konto anmelden und auf „Löschen abbrechen“ klicken. Nicht gelöscht werden durch den Vorgang zudem alle Daten, Fotos und Videos, die von Freunden hochgeladen worden sind und sich nicht ausschließlich auf dem eigenen Profil befunden haben. Wer sein Konto löscht, muss sich unter Umständen bis zu 90 Tage lang gedulden, bis alle Daten von Fotos über Videos bis zu Statusmeldungen laut Facebook von den Facebook-Servern gelöscht worden sind.
  • ACHTUNG: Wer sein Konto löscht, muss sich unter Umständen bis zu 90 Tage lang gedulden: So lange kann es dauern, bis alle Daten von Fotos über Videos bis zu Statusmeldungen laut Facebook von den Facebook-Servern gelöscht worden sind. 

Der Löschvorgang beginnt zudem nicht sofort. Ein paar Tage lang bleibt das Konto noch bestehen. Es wird automatisch reaktiviert, sobald sich der Nutzer noch einmal anmeldet. Nicht gelöscht werden durch den Vorgang alle Daten, Fotos und Videos, die von Freunden hochgeladen worden sind und sich nicht ausschließlich auf dem eigenen Profil befunden haben.

(mit dpa)

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