Gaming-Branche boomt

Nostalgiewelle bei Videospielen: Neuauflagen von Klassikern überfluten Spielemarkt

Das Videospiel „The Legend of Zelda: Links Awakening“ im Vergleich: Zwei Versionen in 2D-Pixelgrafik und eine hochauflösende 3D-Version
+
Ein Klassiker unter den Videospielen: Die Abenteuer-Welt der Nintendo-Spieleserie „Zelda“ erhielt mehrere Neuauflagen. „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“ erschien zunächst 1993 auf dem Game Boy (oben links), dann 1998 auf dem Game Boy Color in Farbe (unten links) und 2019 schließlich auf der Konsole Nintendo Switch.

Mit „Diablo 2: Resurrected“ ist die Neuauflage eines Videospiel-Klassikers erschienen. Das Rollenspiel reiht sich in einen Trend: die Renaissance von erfolgreichen Spielen.

Alles wie damals, nur besser – so werden Neuauflagen häufig angepriesen. In der Filmbranche sind Neuverfilmungen schon seit Jahrzehnten ein probates Mittel, und Musikkünstler bringen von ihren alten, weniger gut produzierten Alben gerne eine überarbeitete Version heraus.

Auch die Videospiel-Szene ereilt diese Welle der Neuauflagen. 2D-Abenteuer von Nintendo wie „Zelda“, „Super Mario“ und „Pokémon“, Fantasy-Rollenspiele wie „Diablo 2“ und Horrorspiele mit viel Story wie „Resident Evil“ dürfen aus ihrer pixeligen Grafik der 1990er- und frühen 2000er-Jahre in ein frisches Gewand schlüpfen. Und die Gaming-Branche boomt: Mehr als 150 Milliarden Euro hat der Spielemarkt 2020 weltweit umgesetzt – und übertrifft damit andere Unterhaltungsbereiche wie Musik, Filme oder Sport.

Spiele-Klassiker: Neuauflagen haben gravierende Unterschiede

Medienpädagoge Thilo Eisermann weist darauf hin, bei den Neuauflagen der Spiele zwischen Remakes und Remasters zu unterscheiden. „Ein Remaster ist die 1-zu-1-Neuauflage eines bereits erschienenen Spiels mit minimalen Veränderungen“, erklärt Eisermann, der am Institut „Spawnpoint“ für Spiel- und Medienkultur in Erfurt zu Videospielen forscht. HD-Grafik und die Möglichkeit, das Spiel erstmals online mit Freunden zu spielen, stünden im Zentrum des Remasters.

Remakes seien hingegen umfangreicher: Veränderte Spielperspektiven, neue Steuerung und sogar Änderungen der Story nennt Eisermann als Beispiele. „Natürlich sind Remakes und Remasters eine gute Gelegenheit für Entwicklerstudios, mit relativ geringem Risiko Umsätze zu machen“, sagt Eisermann. Neue Spiele zu entwickeln, sei hingegen eine heikle Sache, der Aufwand dafür immens. Und: „Die Games Community scheint manchmal unberechenbar was Trends und Vorlieben angeht.“

Gaming-Branche: Neuauflagen sind eine sichere Umsatzquelle

Die Spieleentwickler gehen aber selbst bei den Klassikern auf Nummer sicher: „Nur die erfolgreichsten Spiele werden neu aufgelegt“, kritisiert Eisermann. Der Trend der Neuauflagen werde jedoch dankend von der Spielergemeinde aufgenommen. „Wie in vielen Populärkulturen spielt Nostalgie eine Rolle, aber auch Spielende wissen gerne, was sie bekommen.“

Links das Remaster, rechts das Original: Unter dem Namen „Diablo 2: Resurrected“ wurde erst vor Kurzem die Neuauflage eines Meilensteins im Genre der Rollenspiele veröffentlicht. Das Original eroberte im Jahr 2000 die Herzen der Spieler, besonders wegen der packenden Story und hohem Motivationspotenzial.

Lukas Schmid, Redakteur der Computerspiele-Zeitschrift „PC Games“ sieht das anders. Jedoch „nicht wegen der oft gescholtenen fehlenden Kreativität, die viele Spieler den Entwicklern angesichts dieses Schwalls an Neuauflagen vorwerfen“. Schmid findet das Prinzip des Herumdokterns an fertigen Spielen viel schlimmer. „Die Vision der einstigen Macher wird hier teilweise mit Füßen getreten“, schreibt er in einem Kommentar. Manche Spiele seien gerade deshalb Klassiker, weil sie unter den technischen Einschränkungen ihrer Zeit entstanden sind.

Spiele-Experte: Um Videospiele entstehen Pop-Kulturen

Auch Eisermann sagt: „Um Games herum entstehen komplexe Populärkulturen. Sie sind eigentlich nicht von der Kultur der Zeit, in denen sie entstehen zu trennen.“ Videospiele sind laut dem Medienpädagogen offiziell als Kulturgut anzusehen. Ihren Transfer ins Hier und Jetzt hält er dennoch für richtig. In der Spielkultur gehe es weniger um exaktes Wiedergeben von Erinnerungen, sondern um ein „Neuerleben“ – das erneute Spielen.

Doch was braucht eine gelungene Neuauflage für dieses Neuerleben des Spiels? Ein gutes Remaster soll laut Eisermann besonders die sogenannte „Quality of Life“ der Spieler verbessern. Damit sind Spiel erleichternde Einstellungen gemeint, wie ein übersichtliches Menü oder eine reibungslose Steuerung.

Bei Remakes solle eine Balance zwischen Altbekanntem und Neuem geschaffen werden. Eisermann beschreibt es als den „Geist des Spiels“ erhalten, es aber in die aktuelle Spielkultur einbringen. Als Beispiel nennt er den Wandel einer 2D-Pixelgrafik zu einem 3D-Abenteuer aus der Dritte-Person-Perspektive.

Auch Neuauflagen können Spieler enttäuschen

Dass die alten Spiele in unsere Zeit katapultiert werden, hat jedoch auch sehr pragmatische Gründe. Wer bei PCs, Konsolen und Fernsehern mit der Zeit geht, stößt bei Retro-Spielen schnell an seine Grenzen: „Kaum eine alte Konsole hat einen HDMI-Zugang“, sagt Eisermann. Auch Lukas Schmid räumt ein: „Mir ist bewusst, dass auch unter jüngeren Spielern teilweise noch großes Interesse an älteren Titeln besteht, die auf modernen PCs nicht laufen oder den Besitz einer uralten Konsole voraussetzen.“

So leicht machen es sich die Entwickler also nicht mit den Neuauflagen, denn ein Fehlgriff kann sich schnell rächen. Erfolgreiche Spieletitel schüren nämlich hohe Erwartungen, Flops wie beim Strategiespiel „Warcraft 3: Reforged“ sind mögliche Folgen. Dort, sagte Eisermann, habe die Spieler-Community ein umfangreiches Remake erwartet, aber nur ein leicht verändertes Remaster bekommen.

Das macht die Faszination von Videospielen aus

Viele Videospiele haben bestimmte Mechaniken, die die Spieler motivieren. Dazu zählen unter anderem:

Belohnungen: Erfolge im Spiel können zu dem Erhalt von Punkten, virtuellen Abzeichen oder Gegenständen führen.

Teamarbeit: Der Wettbewerb gegen andere Teams braucht ein gutes Zusammenspiel und motiviert alle Teammitglieder.

Ranglisten: Erbrachte Leistungen im Spiel können mit denen anderer Spieler verglichen werden.

(William Abu El-Qumssan)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.