Neuer Trend

Kaufraum in Berlin: Ebay geht in die Stadt

Christoph Burmann

Berlin. Versandhändler aus dem Internet eröffnen vermehrt Ladenlokale in der nicht-digitalen Welt. Das sagt der Handelsverband Deutschland (HDE). Aktuellstes Beispiel: Ebay.

Das Netzauktionshaus machte eine Filiale in Berlin-Mitte auf. Eine Marke sollte heute überall präsent sein – im Internet und im realen Raum, meinen Verkaufsexperten.

Einkaufswagen und Registrierkassen gibt es übrigens nicht im Kaufraum, wie Ebay seine Filiale in Berlin nennt. Der Kunde kann sich die ausgestellten Artikel anschauen und später nach Hause liefern lassen. Bezahlt wird übers Smartphone mit dem Bezahldienst Paypal, einer Tochterfirma von Ebay.

Auch gebrauchte Artikel wird man vergeblich suchen. Ebay will weg vom Flohmarktimage und sieht sich vermehrt als echter Versandhändler für Neuwaren, wie Amazon. Der Kaufraum ist ein Modellversuch. Bis zum 16. Dezember soll er geöffnet sein. Danach will Ebay dort eine Beratungsstelle für sein Onlineangebot einrichten.

Christoph Burmann

Mit seinem Schritt von der digitalen in die reale Welt ist das kalifornische Unternehmen nicht allein. Moderiese Zalando verkauft ausgewählte Artikel aus der Vorjahressaison in einem Berliner Geschäft. Der Technikhändler notebooks-billiger.de ist in München mit einem großen Markt vertreten. Das Eventportal von Jochen Schweizer, wo man vom professionellen Fotoshooting bis hin zum Fallschirmsprung allerhand Aktivitäten buchen kann, hat 36 eigene Shops in Österreich und Deutschland. Das Portal mymuesli.de, bei dem sich der wählerische Frühstücker sein persönliches Müsli zusammenstellen kann, ist in drei bayerischen Städten offline verfügbar. Eine davon ist Regensburg.

„Ein Verkäufer ist am besten aufgestellt, wenn er seine Kunden über viele Wege erreichen kann“, sagt Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverbands Deutschland. Die Annahme, Menschen würden heutzutage am liebsten nur noch online einkaufen, sei falsch.

Vielmehr müsse der Einkauf praktisch und unkompliziert sein. „Wenn man in der Stadt unterwegs ist und ein Buch sieht, das gefällt, dann kauft man es vor Ort“, erklärt Hertel. Lebensmittel seien bislang ein Sonderfall. Die würden sich im Internet hierzulande nicht gut verkaufen.

Chrisoph Burmann, Professor für Markenmanagement an der Universität Bremen, sagt, dass Onlineshops in erster Linie Präsenz zeigen wollen, wenn sie im realen Raum ein Geschäft eröffnen. „Mit solchen Filialen wollen die Händler nicht zwangsläufig mehr Geld über Verkäufe einnehmen, sondern ihre Marke repräsentieren.“ Werbeexperten nennen solche Shops deswegen Flaggschiff-Filialen.

Von Juri Auel

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