NASA veröffentlicht Karte

Eisschmelze: Gefährlicher Atommüll bald freigelegt?

Camp Century - Ein verlassener unterirdischer US-Atomstützpunkt in Grönland könnte aufgrund der Eisschmelze bald freigelegt sein. Das zeigt eine Karte der Nasa, die jetzt veröffentlicht wurde.

In den 50er Jahren planten die USA in Grönland Militärbasen zu errichten, die Platz für bis zu 600 Atomraketen bieten sollten. Im Rahmen des „Project Iceworm“ wurde unter anderem 1959 das Camp Century im Westen Grönlands errichtet. Wie die American Geophysical Union berichtet, lag der unterirdische Militärstützpunkt etwa 250 Kilometer von Grönlands Küste entfernt und verfügte über eine eigene nukleare Energieversorgung.

Tausende Liter Giftstoffe unter dem Eis

Bereits acht Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage verließ das US-Militär die Basis und hinterließ laut AGU neben den Resten des Lagers auch vergrabene Abfälle in dem Glauben, sie wären sicher im ewigen Eis begraben. Unter anderem sollen noch rund 200.000 Liter Dieselöl (genug, um mit einem Auto 80 Mal um die Welt zu fahren), 240.000 Liter leicht radioaktives Kühlwasser des Atomreaktors und möglicherweise große Mengen an für den Menschen giftigen PCB-Flüssigkeiten im Eis eingeschlossen sein. Das fanden Forscher in einer Studie der Geophysical Research Letters aus dem Jahr 2016 heraus. Demnach ist das Gebiet, unter dem der Müll des Camps lagert so groß wie 100 Fußballfelder.

Nasa-Karte zeigt Folgen der Erderwärmung

In der Studie versuchten die Wissenschaftler herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf die im Eis eingeschlossenen Schadstoffe auswirken könnte. Das erschreckende Ergebnis: Weil das Eis an den Rändern Grönlands abschmilzt, könnten die gesamten Abfälle schon 2090 an der Oberfläche liegen. Auch werden womöglich schon viel früher Giftstoffe über unterirdisches Schmelzwasser Richtung Ozean transportiert. Eine neue Karte der NASA zeigt mit schockierender Deutlichkeit, wie sehr die Region rund um das Camp Century von den Folgen der Erderwärmung betroffen ist. An der Küste wird das Eis in den 2090er Jahren demnach bis zu drei Meter pro Jahr an Eismasse verlieren.

Was ist nun zu tun?

William Colgan, der leitende Autor der Studie von 2016 warnt in dem Artikel der AGU, es sei viel zu teuer und technisch aufwändig, den Abfall jetzt schon auszugraben. Vielmehr müsse man abwarten, bis das Eis fast gänzlich abgeschmolzen sei. Jessica Green, Politologin an der New York University, wirft hingegen eine Frage auf, die dringend sofort beantwortet werden sollte: Wer muss sich am Ende um die Entsorgung des Mülls kümmern? Schließlich war das Camp Century eine US-amerikanische Militärbasis auf dänischem Boden. Mittlerweile wird Grönland allerdings autonom regiert, was die rechtliche Frage nicht unbedingt einfacher gestaltet. 

lg

Rubriklistenbild: © AFP/Symbolbild

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