Ende der Roaming-Gebühren im Juni 2017 - Und bis dahin?

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Ab Mitte Juni 2017 gibt es in den EU-Mitgliedsstaaten keine Roaming-Gebühren mehr. In einem Zwischenschritt sollen am 30. April 2016 die Kosten für die Handynutzung im Ausland weiter sinken. Foto: Daniel Naupold

Zum nächsten Sommerurlaub werden die erlaubten Aufschläge fürs mobile Telefonieren im EU-Ausland noch einmal sinken. Ab Juni 2017 gibt es dann gar keine Roaming-Gebühren mehr in den EU-Mitgliedsstaaten. Und was passiert bis dahin und im Rest der Welt?

Straßburg (dpa/tmn) - Reisende müssen ab dem 15. Juni 2017 keine Extragebühren für die Handynutzung im EU-Ausland mehr zahlen. Das hat das Europaparlament in Straßburg beschlossen. Doch wie hoch sind die Roaming-Gebühren bis dahin und welche Alternativen gibt es?

Telefonieren in der EU: Aktuell ist der Höchstpreis für einen abgehenden Handyanruf auf rund 23 Cent pro Minute (Preise inklusive Mehrwertsteuer) festgelegt. Wer angerufen wird, zahlt höchstens etwa 6 Cent. Der Maximalpreis für eine SMS liegt bei rund 7 Cent, der Höchstpreis für ein Megabyte (MB) Daten bei ungefähr 24 Cent.

Am 30. April 2016 sollen die Roaming-Kosten in einem Zwischenschritt weiter fallen. Statt derzeit geltender Obergrenzen für den Endkunden-Preis (ohne Mehrwertsteuer) wird es maximale Aufschläge auf den Heimtarif geben. Dann dürfen Telefonate aus dem EU-Ausland nur noch 5 Cent pro Minute zusätzlich kosten, bei SMS sind es 2 Cent, und beim Surfen darf jedes Megabyte an Daten mit höchstens 5 Cent extra zu Buche schlagen. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer. Damit liegt der maximale Gesamtpreis nach früheren Angaben der EU-Kommission immer noch unter den derzeit geltenden Preis-Obergrenzen.

Geltungsbereich des Euro-Tarifs: Ob und welche Länder der Provider neben den 28 EU-Mitgliedsländern noch zum sogenannten Euro-Tarif anbietet, steht in der Preisliste. Etwa die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen oder Island können darunter sein, müssen es aber nicht.

Telefonieren außerhalb der EU:Hier können leicht mehrere Euro pro Minute oder Megabyte auflaufen. Vor der Reise lohnt es sich, beim eigenen Anbieter die Tarife der Netzbetreiber des Urlaubslandes zu erfragen, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Am Urlaubsort könne dann in den Handy-Einstellungen unter "Manuelle Netzwahl" der Provider mit dem besten Angebot eingestellt werden. Am günstigsten sind immer SMS. Bereits daheim sollte man die Mailbox ausschalten. Sonst drohen hohe Kosten, warnen die Experten.

Reisetarife:Provider dürfen ihren Kunden auch alternative Reisetarife für EU-Länder anbieten. Wenn man diese gebucht hat, gelten die Preisobergrenzen des Euro-Tarifs nicht mehr. Ob sich ein Spezialtarif rechnet, hängt vom persönlichen Telefonie- und Surfverhalten im Ausland ab. Tipp: Vor dem Urlaub nachfragen, welcher Tarif eingestellt ist. Eine Änderung ist kostenlos und immer möglich. Reisetarife und Datenpakete gibt es auch für Nicht-EU-Länder.

Inklusivtarife: Bei neueren Tarifen sind teilweise schon Telefonminuten und Datenvolumen für die EU enthalten. Wer sich nicht sicher ist, studiert die Leistungsbeschreibung seines Tarifs.

Roamingverzicht: Es gibt Provider, die innerhalb der EU schon jetzt auf die Extra-Gebühren verzichten: Dort gelten dann die gleichen Minutenpreise wie beim Telefonieren in Deutschland, erklärt das Telekommunikationsportal "Teltarif.de". "Jedoch müssen die Kunden auf Tarif-Optionen, die für die Nutzung innerhalb Deutschlands gebucht wurden, im Ausland verzichten, so die Experten. "Dafür ist der Empfang von Anrufen auch außerhalb Deutschlands kostenlos."

Kostenairbag beim Surfen:EU-Provider müssen Datenverbindungen in EU-Mitgliedsstaaten automatisch kappen, wenn beim Surfen knapp 60 Euro Kosten aufgelaufen sind. Bei 80 Prozent und kurz vor 100 Prozent dieser Summe erhält man SMS-Warnungen. Will der Kunde weitersurfen, muss er die Sperre beim Anbieter aufheben lassen. Der Kostenairbag gilt sogar weltweit - es sei denn, der Netzbetreiber im Urlaubsland übermittelt die Daten nicht in Echtzeit an den EU-Provider. Darüber muss der Kunde bei Grenzübertritt per SMS informiert werden.

Datenroaming deaktivieren: Dies ist der beste Kostenschutz für alle, die während der Reise ohnehin nicht übers Mobilfunknetz online gehen wollen - vor allem außerhalb der EU. Grundsätzlich sinnvoll ist die Einstellung, dass Updates nur per WLAN heruntergeladen werden dürfen.

Alternative WLAN: Um online zu gehen, sind WLAN-Hotspots immer eine gute Wahl. Dort kann man meist nicht nur schnell surfen, sondern etwa auch kostenlose oder günstige Telefonate mit Messenger-Apps führen.

Alternative Prepaid-SIM-Karte: Wer häufig das gleiche Reiseziel hat, viel im Land selbst telefoniert oder auch eine Surflösung für sein Tablet sucht, kann sich eine Prepaid-SIM-Karte mit einem günstigen Tarif eines Anbieters im Reiseland besorgen.

Sonderfall Kreuzfahrtschiff:Eurotarif oder Reisetarife gelten dort ebenso wenig wie der weltweite Kostenairbag beim Surfen, wenn die Kommunikation über die Satellitenverbindung des Schiffsnetzes läuft, warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Fällig werden dann die Roaming-Gebühren, die der eigene Anbieter mit dem Provider des Schiffsnetzes vereinbart hat.

Ein Handy-Telefonat könne pro Minute leicht mehr als 6 Euro kosten, eine SMS mehr als 1 Euro und ein Megabyte Daten sogar mehr als 20 Euro. Reisende sollten sich vor der Fahrt über die Konditionen informieren, die automatische Netzwahl deaktivieren und sich manuell in terrestrische Mobilfunknetze einwählen, wenn sie verfügbar sind, raten die Verbraucherschützer.

Liste der EU-Mitgliedsstaaten

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