Facebook-Abstimmung  gescheitert

Berlin - Das Ergebnis einer Befragung von Facebook-Nutzern über die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des Online-Netzwerkes ist ungültig, weil sich zu wenige daran beteiligt haben.

Die Abstimmung ist am Freitag um 18.00 Uhr zu Ende gegangen. Damit das Ergebnis für das Netzwerk bindend wird, hätte sich ein Drittel der 900 Millionen Mitglieder beteiligen müssen - also 270 Millionen Menschen. Mitgemacht haben aber nur knapp 350.000 Menschen, etwa 0,04 Prozent der Facebook-Nutzer.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Sie konnten zwischen den bestehenden Nutzungsbedingungen und von Facebook vorgeschlagenen Änderungen wählen. Die im Internet veröffentlichten Gegenvorschläge standen allerdings nicht zur Wahl. „Uns hat überhaupt gewundert, dass sie die Abstimmung machen“, sagte Max Schrems von Europe v. Facebook der Nachrichtenagentur dapd. Er warf Facebook vor, Nutzer nicht ausreichend über die Abstimmung informiert zu haben. So erfuhren nur diejenigen davon, die eine bestimmte Facebook-Seite durch einen Klick auf den „Gefällt mir“-Knopf abonniert haben. „Es ist eine totale Farce, was da abgeht“, sagte Schrems.

Er wusste, dass das Quorum von 270 Millionen Nutzern kaum zu erreichen sein würde. „Uns geht es eher darum, aufzuzeigen, dass sie das nicht einfach machen können“, sagte Schrems in Bezug auf die Änderung der Nutzungsbedingungen. Er beanstandete bereits im August 2011 Verstöße von Facebook gegen europäische Datenschutzbestimmungen beim irischen Datenschutzbeauftragten. Facebook hat seinen europäischen Sitz in Irland. Daraufhin hatte das Unternehmen die neuen Richtlinien vorgestellt.

Facebook stellt Nutzerbeteiligung auf den Prüfstand

Dass bei über 900 Millionen Mitgliedern eine Beteiligung von 30 Prozent der Nutzer nicht mehr realistisch ist, bemerkt offenbar auch Facebook. Der 2009 eingeführte Abstimmungsprozess soll nun überarbeitet werden, kündigte der für Marketing zuständige Facebook-Manager Elliot Schrage an. Dabei soll geprüft werden, „ob dieser Prozess der Größe unserer Gemeinschaft und der Größe von Facebook insgesamt noch gerecht wird“. „Wir nehmen Ihre Einblicke und Sorgen ernst“, teilte Schrage den Nutzern mit.

dapd/dpa

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