Standpunkt: Übernahme des Messengers durch Facebook

Der WhatsApp-Kauf: Das 19-Milliarden-Dollar-Geschäft

+

Vor weniger als einem Jahr wollte Google WhatsApp  für eine Milliarde Dollar kaufen - der Mitteilungsdienst lehnte ab. Gut gepokert! Nun geht WhatsApp für irrsinnige 19 Milliarden Dollar von Facebook über die Theke. Eine Summe, für die man den Berliner Flughafen gleich zweimal bauen könnte.

Noch nie wurde für ein mit Risikokapital finanziertes Start-up so viel Geld ausgegeben.

Über die gewaltige Investition kann man den Kopf schütteln. Über die Strategie hinter der Übernahme nicht: WhatsApp ist ein Senkrechtstarter. Ein Angebot, das ein junges Publikum anzieht - und das läuft Facebook davon.

Schon einmal hat Facebook deswegen zugeschlagen: das Fotonetzwerk Instagram kostete Mark Zuckerberg eine Milliarde Dollar. Ein Schnäppchen. Snapchat, eine weitere beliebte Messenger-Anwendung, lehnte dagegen erst vor kurzem ein Angebot von drei Milliarden Dollar ab.

Artikel zum Thema

HNA-Kommentar: Eine Wette auf die Zukunft

Facebook kauft WhatsApp - so lief der Deal

WhatsApp ist mit mittlerweile 450 Millionen Nutzern mehr als nur eine Konkurrenz für den hauseigenen Messenger von Facebook - obwohl auch der recht beliebt ist. Zwar hat WhatsApp mit großen Sicherheitslücken zu kämpfen, doch betonte Mitgründer Jan Koum erst im Januar noch, dass ihn die Daten seiner Nutzer nicht interessieren würden. Als ob die NSA nicht ohnehin schon mitlesen würde - was hierzulande im Großen und Ganzen allerdings die meisten Menschen seltsam unberührt lässt.

Bei WhatsApp fließen die gesendeten Informationen unsicher durchs Netz, zum Mitlesen wird quasi eingeladen. Erst jetzt aber, wo der Name Facebook im Spiel ist, haben plötzlich viele Nutzer damit ein Problem. So wirkt es zumindest, betrachtet man sich die Reaktionen auf die Übernahme im Netz.

Links zum Thema

Trotz schwerer Sicherheitslücken: WhatsApp zählt 400 Millionen Nutzer

WhatsApp-Alternativen – Ein Blick über den Tellerrand

WhatsApp-Verschlüsselung ruft Zweifel hervor

Wer sicher kommunizieren will, sollte also nach Alternativen suchen. Hangout ist eine, gehört aber zu Google. Skype ist eine, wurde aber 2011 für acht Miliarden von Microsoft geschluckt. Namen, die man kennt: Was die Datensicherheit anbetrifft, kann man dann auch gleich bei Facebook bleiben - und hat mit WhatsApp weiter das komfortabelste und am meisten verbreitete Angebot. Zumal Facebook das Problem der mangelhaften Verschlüsselung in den Griff bekommen sollte.

Die Messaging-Dienste Telegram oder Threema haben das bereits: Beide Angebote legen einen besonderen Fokus auf die Sicherheit und bieten eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Diese sorgt dafür, dass niemand außer dem vorgesehenen Empfänger eine Nachricht lesen kann. Das Problem: Beide haben keine 450 Millionen Nutzer. Threema beispielsweise erst 120.000.

Deshalb wird sich auch nicht viel ändern, das war schon bei Instagram so. Jetzt ist der Aufschrei über den WhatsApp-Deal zwar noch laut. Doch letztlich findet die Party immer da statt, wo die anderen sind. Deswegen könnte sich auch der gigantische Kaufpreis am Ende für Facebook lohnen.

Von Jens Nähler

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.