Facebook: Ist der "Like"-Button illegal?

Kiel - Datenschützer werfen Facebook Verstöße gegen Datenschutzgesetze vor und fordern die Anbieter von Webseiten auf, den “Gefällt-mir“-Button des Netzwerks zu entfernen.

Über diese Schaltfläche würden rechtswidrige Nutzerprofile erstellt, erklärte das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) am Freitag in Kiel. Wer den “Gefällt-mir“-Button anklickt oder eine Facebook-Fanseite aufruft, gibt nach Darstellung Weicherts automatisch seine Verkehrsdaten in die USA weiter - auch dann, wenn er oder sie nicht Mitglied bei Facebook ist. “Jeder Klick auf einer Seite, wie lange ich darauf bin, für was ich mich interessiere, kann Facebook nachvollziehen“, sagte Weichert. Den Nutzern bleibe dies verborgen. Facebook verwende die gesammelten Daten wahrscheinlich für Werbezwecke. Die Website-Betreiber wiederum erhielten von Facebook eine Analyse zur Nutzung ihres Angebots.

Das ULD sieht bei den Betreibern eine rechtliche Verantwortung und setzte den Anbietern in Schleswig-Holstein eine Frist bis Ende September, um die Datenweitergabe zu stoppen. Das Datenschutzzentrum drohte behördlichen wie privaten Anbietern mit Bußgeldverfahren - die maximale Bußgeldhöhe liege bei 50 000 Euro.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

Vorsicht am Arbeitsplatz: Auch ihr Arbeitgeber könnte ihre Mails und Surfgewohnheiten mitlesen. Kommt es dann zu Differenzen, ziehen Sie schnell den Kürzeren. © dpa
Im Auto sorgt die Telemetrie dafür, dass Daten über das Fahrverhalten wie Geschwindigkeit, Verschleiß und Fahrzeiten aufgezeichnet werden. Versicherungen überlegen bereits, ihre Tarife an diesen Daten zu orientieren. © dpa
Die Black Box im Auto speichert genau wie die im Flugzeug Fahrzeugdaten und gibt Aufschluss über die Laufleistung und Ihre Fahrgewohnheiten. © dpa
Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen dienen in erster Linie dazu, Kriminalität zu verhindern. Dennoch sollten wir uns bewusst sein: Jeder Reisende wird aufgezeichnet und archiviert. © dpa
Inzwischen können Überwachungskameras dank moderner Software biometrische Daten lesen und sogar gesuchte Verbrecher erkennen. © dpa
Lesen bildet, das weiß jeder. Doch hätten Sie gedacht, dass die Liste der von Ihnen ausgeliehenen Bücher in Ihrer Bibliothek viel über Ihren Charakter verrät und gespeichert werden? © dpa
Wer online Bücher kauft, etwa bei Amazon, muss wissen: Das Unternehmen speichert alle Daten, inklusive Zahlungsmittel. Wie sonst könnte Sie die Website persönlich begrüßen und ihnen Lesevorschläge machen, die immer erstaunlich gut mit ihren Interessen übereinstimmen. © dpa
Auch im Supermarkt lauern jede Menge Überwachungssysteme: © dpa
Lebensmittel im Supermarkt, aber auch Kleidung sind bereits heute mit RFID-Chips ausgestattet. Darin gespeichert: Marke, Menge und Preis. Sie lösen die bisher üblichen Barcodes ab. Das Problem: Sie können überall ausgelesen werden. So erfährt jeder Supermarkt oder jedes Einkaufszentrum, das Lesegeräte für diese Etiketten besitzt, was Sie tragen und wieviel Geld Sie dafür ausgeben.  © dpa
Inzwischen sind sie alte Bekannte und jeder hat mindestens eine einstecken: Bonuskarten. Sie verraten dem Supermarkt, welche Produkte wir kaufen und ob wir potente Kunden sind. Ihr Bonuskarten-Anbieter weiß, wie viel Alkohol Sie beispielsweise trinken oder ob Sie schwanger sind. © dpa
Wer die Wahl zwischen der Bargeld- oder der Kartenzahlung hat, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die Zahlungsdaten bei Kartenzahlung gespeichert werden. © dpa
Digitales Fernsehen bietet uns jede Menge Vorzüge: Bessere Bildqualität, größere Senderauswahl und sogar Filme auf Bestellung. Und ganz nebenbei kann der Anbieter ein genaues Bild unserer Fernsehgewohnheiten erstellen. © dpa
Gut zu wissen: Wer ein Flugticket kauft und es mit Kreditkarte bezahlt, gibt viele persönliche Daten preis. Wer in die USA reist, muss wissen, dass EU-Staaten 40 Datensätze an die USA liefern, die 15 Jahre gespeichert werden dürfen. Dazu zählen, Name, Geburtstdatum, Alter, usw. © dpa
Unsere Reisepässe sind schon heute mit biometrischen Daten ausgestattet. Sie verraten bei Passkontrollen unsere persönlichen Daten. Stimmen unsere Reise-Gewohnheiten also mit denen eines Terroristen überein, gibt‘s Probleme. © dpa
Telefonieren Sie auch gern und ausführlich mit dem Handy? Vorsicht! Das Abhören der kleinen Alleskönner ist inzwischen kein Problem mehr. Die Mobilfunkanbieter sind zudem gesetzlich dazu verpflichtet, alle Verbinsdungsdaten zwei Jahre lang zu speichern. © dpa
Haustiere tragen häufig RFID-Chips im Körper, die ihre Indetifizierung erleichtern. Manchmal öffnen diese Chips sogar die Hundeklappe. Wenn Sie mit Ihrem Vierbeinder also gassigehen, hinterlassen Sie auch dabei Ihre Datenspur. Auch Menschen können sich RFID-Chips implantieren lassen. Vielleicht ersetzen sie bald den Schlüsselbund. © dpa
Die meisten Haus- und Wohnungstüren haben noch herkömliche Schlösser, doch so mancher Vermieter könnte auf die Idee kommen, sie gegen elektronische Schlösser auszutauschen. Dann weiß er auch gleich wann sie wie lange zu Hause waren. © dpa
Laserdrucker markieren ihre gedruckten Seiten mit einem kleinen Code, dann lassen sich die Dokumente dem Gerät zuordnen - und Ihr Chef weiß, was Sie am Arbeitsplatz ausdrucken. © dpa
Internet-Provider speichern ebenso wie Mobilfunkanbieter Verbindungsdaten zwei Jahre lang - sie wissen mit wem Sie Kontakt haben. © dpa
Spyware, die Hacker beispielsweise in Spam-E-Mails verschicken oder die auf infizierten Seiten lauert, installiert sich von selbst auf Ihrem Rechner und versendet unbemerkt persönliche Informationen wie Passwörter oder Bankdaten. © dpa

Facebook wies die Vorwürfe zurück: Das Unternehmen halte sich bei der Verwendung dieser “Social Plugins“ vollständig an die Datenschutzbestimmungen in Europa. In einer Mitteilung zu den Vorwürfen heißt es, dass Facebook bei der Verwendung des “Gefällt-mir“-Buttons zwar technische Daten wie die IP-Adresse sehen könne - unabhängig davon, ob ein Nutzer bei Facebook eingeloggt sei oder nicht. Aber “wir löschen diese technischen Daten innerhalb von 90 Tagen.“ Dies entspreche den üblichen Branchenstandards. Die Nutzer hätten “die volle Kontrolle über ihre Daten“, versicherte Facebook und verwies auf die veröffentlichten Informationen zur Verwendung von “sozialen Plugins“.

Facebook ist das weltgrößte Soziale Netzwerk mit rund 750 Millionen Mitgliedern, darunter 20 Millionen in Deutschland. Bei Datenschützern sorgte das Unternehmen immer wieder für Kritik, zuletzt wegen einer Funktion zur Gesichtserkennung.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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