Wegen mangelndem Interesse

Facebook: Nutzer verlieren Recht auf Abstimmung

+

Berlin - Seit 2009 konnten die Facebook-User bei Änderungen von Regeln mitwirken. Weil die Beteiligung sehr niedrig war, schaffte das Online-Netzwerk die Mitsprache-Möglichkeit jetzt ab.

Das Demokratie-Experiment bei Facebook mit einem Stimmrecht für die Mitglieder ist an dem mangelnden Interesse der Nutzer gescheitert. Facebook schaffte die Abstimmungen über wichtige Regel-Änderungen ab. Selbst an der letzten Abstimmung, in der es darum ging, ob diese einzigartige Mitsprache-Möglichkeit erhalten bleibt, nahmen nicht einmal 0,07 Prozent der Facebook-Mitglieder teil. Facebooks Datenschutzchefin Erin Egan verteidigte das Ende der Abstimmungen. Das bisherige Verfahren habe sein Ziel verfehlt, sagte sie am Dienstag.

"Der Grund, warum Mark Zuckerberg seinerzeit die Abstimmungen eingeführt hatte, war, dass wir großen Wert auf inhaltsvolle Nutzer-Reaktionen legen. Und es ist schade, dass die Abstimmungen kein solches Feedback lieferten", sagte Egan. Auch die geringe Nutzer-Beteiligung sei ein Indiz dafür. Im bisherigen System sei es um Masse statt Qualität gegangen. "Nutzer werden nun weitere Möglichkeiten bekommen, ihre Meinung auszudrücken." Und Facebook fühle sich verpflichtet, sie zu berücksichtigen. "Wir wollen, dass die Menschen unsere Plattform nutzen und wir sind ihnen Rechenschaft schuldig." Die Abstimmungen seien dafür aber kein unverzichtbares Element gewesen.

90 Prozent stimmten gegen Regel-Änderungen

Bei der am Montag beendeten Stimmabgabe sprach sich mit mehr als 589.000 Teilnehmern eine klare Mehrheit von fast 90 Prozent gegen die vorgeschlagenen Regel-Änderungen aus, mit denen unter anderem die Abstimmungen wegfallen sollen. Das ist jedoch bedeutungslos. Damit das Ergebnis einer Abstimmung für das Netzwerk bindend gewesen wäre, war eine Beteiligung von mindestens 30 Prozent erforderlich. Das wären aktuell rund 300 Millionen Mitglieder. Facebook setzte die neuen Regeln am Dienstag in Kraft.

Binnen einer Woche hatten sich insgesamt 668.872 Mitglieder an der Abstimmung beteiligt - weniger als 0,07 Prozent der Facebook-"Bevölkerung". An der vergangenen Abstimmung im Juni waren es sogar nur 0,04 Prozent. Facebook beschloss daraufhin, die Abstimmungen abzuschaffen. Stattdessen soll es zusätzliche Möglichkeiten geben, den Verantwortlichen für Datenschutz Fragen zu stellen.

Das sind die peinlichsten Facebook-Einträge der Welt!

Die lustigsten Facebook-Pannen der Welt

Das Online-Netzwerk, das oft von Datenschützern kritisiert wird, hatte die Abstimmungen immer wieder als einzigartiges Beispiel für Demokratie im Verhältnis zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden hervorgehoben. Das Verfahren war 2009 eingeführt worden, als Facebook noch rund 200 Millionen Nutzer hatte. Kritiker hielten Facebook vor, die Abstimmungen seien angesichts der unrealistisch hohen 30-Prozent-Hürde eine Farce gewesen. Facebook hatte diesmal jeden Nutzer per E-Mail auf die Möglichkeit zur Meinungsäußerung hingewiesen. Vergangenes Mal lautete ein Kritikpunkt, das Online-Netzwerk habe die Nutzer ungenügend informiert.

Mit den neuen Regeln behält sich Facebook auch das Recht vor, Nutzerdaten zwischen verschiedenen Unternehmen innerhalb des Konzernverbunds zu teilen. Das geht unter anderem auf die Übernahme der Foto-Plattform Instagram zurück. Außerdem argumentiert Facebook, das sei nötig, damit Nutzer etwa in Europa und den USA miteinander kommunizieren können, denn sie werden von unterschiedlichen Konzern-Einheiten betreut.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.