Facebook stopft Datenleck erst nach vier Jahren

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Viele vertrauen dem Internet fälschlicherweise auch sehr private Informationen an

München - Über Jahre waren sensible Daten beim Internet-Netzwerk Facebook unzureichend geschützt. Das Datenleck ist zwar gestopft - doch Nutzer sollten dennoch reagieren.

Schon wieder eine Mega-Datenpanne im Internet – und nach den Kunden von Sony sind diesmal die Nutzer von Facebook betroffen. Bereits seit 2007 konnten Facebook-Werbekunden und andere Firmen ohne Genehmigung auf Facebook-Profile zugreifen, fremde Texte, Nachrichten, Fotos, Videos oder Chat-Protokolle abrufen – das fand jetzt die Sicherheitsfirma Symantec heraus. Sensible Daten von 600 Millionen Facebook-Mitgliedern weltweit und von fast 20 Millionen Nutzern in Deutschland waren also jahrelang unzureichend geschützt – wir verraten, was dahinter steckt, und was Sie jetzt tun sollten.

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Wie kam es zur Datenpanne?
Das Problem entstand an der Schnittstelle zwischen den Facebook-Profilen und den Anwendungen, die Facebook-Besucher nutzen können, den so genannten Facebook Apps. Meist sind das Spiele wie die erfolgreiche Bauernhof-Simulation Farmville. Wer solche Programme im sozialen Netzwerk nutzen will, erteilt dem Hersteller der Apps bestimmte Zugriffsrechte auf sein Facebook-Profil, zum Beispiel auf E-Mail-Adresse, Kontakte oder Pinnwand. Er gibt quasi einen Zweitschlüssel für sein Profil heraus, den die App braucht, um funktionieren zu können. Experten nennen diese Zugriffsberechtigung „Token“. Diese Zweitschlüssel übertrug Facebook offenbar ohne Absicht auch an Werbekunden des sozialen Netzwerks – und das bereits seit 2007, als die Apps eingeführt wurden. Die Firmen hatten durch dieses Sicherheitsleck Zugriff auf die Facebook-Profile und hätten dort „mitlesen“ können – zumindest theoretisch.

Der große Facebook-Knigge

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Der große Facebook Knigge
Der große Facebook-Knigge © Bild: dpa
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Welche Daten wurden gehackt? Nach Recherchen der Sicherheitsspezialisten von Symantec hätten Facebooks Werbepartner zwar problemlos auf Millionen von Datensätzen zugreifen können – nutzten die Sicherheitslücke aber offenbar nicht aus. „Glücklicherweise dürften sich die Drittanbieter dieser Möglichkeit, auf Informationen zuzugreifen, überhaupt nicht bewusst gewesen sein“, heißt es im Internetblog von Symantec.

Facebook beteuerte, dass es Werbepartnern oder App-Herstellern gar nicht gestattet sei, „sich persönliche Informationen von Facebook-Nutzern auf eine Weise zu beschaffen oder zu verbreiten, die unseren Vorgaben widerspricht“. Ob sich die Firmen daran auch tatsächlich gehalten haben, weiß aber noch niemand. Bereits Ende 2010 gab es Problemen mit Facebook-Apps, die Profildaten an Werbekunden weiterleiteten. Und einige Monate zuvor lagen Chat-Dateien von Facebook-Nutzern kurzzeitig offen.

Besteht die Sicherheitslücke immer noch? Das soziale Netzwerk hat nach eigenen Angaben bereits reagiert und die Lücke geschlossen. Damit soll es ab sofort nicht mehr möglich sein, dass Dritte unbefugt auf Profildaten zugreifen. Was sollte ich als Facebook-Nutzer jetzt tun? Die Sicherheitsexperten von Symantec raten beunruhigten Facebook-Nutzern, ihr Passwort für das soziale Netzwerk zu ändern. Dabei sollten Sie ein möglichst langes, kompliziertes und schwer zu knackendes Passwort verwenden, das Sie ausschließlich bei Facebook einsetzen. Denn: Wenn Ihr Facebook-Passwort beispielsweise auch bei Amazon oder Ebay funktioniert, ist die Gefahr groß, dass Sie bei einem möglichen Datendiebstahl gleich mehrfach geschädigt werden – die Cyberganoven könnten mit Ihrem Facebook-Passwort dann beispielsweise auch bei Amazon shoppen gehen.

Wie ändere ich mein Facebook-Passwort? Dazu melden Sie sich zunächst mit Ihrem aktuellen Passwort unter facebook.de im sozialen Netzwerk an. Dann klicken Sie oben rechts auf den Menüpunkt „Konto“, und dann auf „Kontoeinstellungen“. Dort wählen Sie unter dem Punkt „Passwort“ den Link „Ändern“ aus. Hier müssen Sie nochmals Ihr altes Passwort eingeben – und dann ein neues, das Sie aus Sicherheitsgründen zweimal eintragen müssen. Schließlich klicken Sie auf „Passwort ändern“ – und sind damit wieder ein Stück sicherer auf Facebook unterwegs.

Worauf muss ich noch achten? Vor allem sollten Sie nur so wenige Informationen wie nötig auf Facebook, in anderen Netzwerken oder generell im Internet preisgeben – niemand ist gezwungen, Beziehungsstatus, aktuellen Aufenthaltsort, Telefonnummern, Urlaubsfotos und vieles mehr auf Facebook zu veröffentlichen. Sie können das soziale Netzwerk auch zurückhaltend nutzen, und dabei Ihre Privatsphäre wahren. Denn: Daten, die Sie nicht ins Internet stellen, können auch nicht gestohlen werden! Und absolute Sicherheit können solche Websites ohnehin nie garantieren – das gibt sogar Facebook-Sicherheitschef Max Kelly zu: „Es wird immer Schwachstellen geben, egal, wie sehr wir uns anstrengen. Und bei dem Versuch, Löcher zu stopfen, produzieren wir auch wieder neue Lücken.“

Worauf sollte ich meine Kinder hinweisen? Erklären Sie Ihren Kindern unbedingt, dass im Internet nichts wirklich privat ist. Ganz egal, was Kids denken, Datenschutzeinstellungen sind nicht unfehlbar. Ihre Kinder müssen sich selbst schützen, indem sie gründlich nachdenken, bevor sie etwas veröffentlichen, das ihrer Reputation schaden oder von einer anderen Person verwendet werden könnte, um sie in Verlegenheit zu bringen oder ihnen zu schaden. Helfen Sie Ihren Kindern, langfristig zu denken! Alle Aktivitäten im Netz hinterlassen einen praktisch unlöschbaren digitalen Fußabdruck. Sobald etwas erstellt wurde, bleibt es vielleicht für immer erhalten. Was die Kids morgen nicht mehr im Internet sehen möchten, sollten sie heute gar nicht erst veröffentlichen.

Jörg Heinrich

Wecker, Festnetz, CD: 10 Dinge, die vom Aussterben bedroht sind

Computer und Smartphones den Alltag rasant. Im digitalen Zeitalter wird vieles schnell unmodern. Zehn (angeblich) unmoderne Dinge und Phänomene ... © dpa
HANDSCHRIFTLICHE BRIEFE: Na, leiden Sie auch unter Nostalgie beziehungsweise “Netzlos-talgie“? In Zeiten des Internets liegt kaum noch persönliche Post im Briefkasten - fast nur noch Rechnungen und Werbebroschüren. Selbst die Liebe wird oft nur noch in SMS und E- Mails bekundet. Menschen des 19. Jahrhunderts würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, dass ihr geliebter seitenlanger Brief im 21. Jahrhundert vom Aussterben bedroht ist. © dpa
2. POSTKARTEN: Früher war es Pflicht, aus dem Urlaub eine kitschige Ansichtskarte zu schicken. “Viele Grüße aus...“, “Das Wetter ist schön und wir unternehmen viel...“ - belanglose Zeilen dieser Art vermisst wohl niemand. Allerdings gibt es kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn ein lieber Mensch ihm eine Karte schreibt, statt nur mit einer Handy-Nachricht oder via Facebook über eine Reise zu berichten. © dpa
3. PAPIERFOTOS: Die vergilbten Kinderfotos aus den 60er und 70er Jahren, die Urlaubsfotos aus den 80ern (oder gar die Dias!) - früher konnte man Erinnerung in den Händen halten und betrachten. Etwa seit Mitte der Nullerjahre sind viele Reisen und private Ereignisse nur noch auf Chipkarten und in Computern gespeichert. Wehe den Babys, die 2010 geboren wurden - ist ihre Kindheit nach einem PC-Absturz komplett ausgelöscht? © dpa / Jens Schierenbeck
4. LEXIKA UND WÖRTERBÜCHER: Wissen hatte früher ein paar hundert Seiten und passte zwischen zwei Buchdeckel. Die Vokabeln und das Allgemeinwissen gingen von A bis Z. Nur manchmal wünscht man sich diese niedliche Welt zurück. Sonst ist es wunderbar, stets aktualisiertes Wissen im Web zu finden und zum Beispiel das französische Wort für “Pulverschnee“ nicht minutenlang erblättern zu müssen, sondern schnell getippt abzufragen. © dpa
5. DIE CD: Am schlimmsten waren in den 90ern diese unförmigen CD- Ständer, die Platz wegnahmen und suggerierten, ein cooler Staubfänger zu sein, jedoch einfach nur ein Staubfänger waren. In Zeiten von iTunes und MP3 kaufen immer weniger Menschen materielle Tonträger. Die Musik ist flüchtiger geworden und nimmt auch keinen Platz mehr weg in den Wohnungen. Ausgenommen vom Trend zur leeren Wohnung: Schallplatten-Fans... © dpa
6. 2D-FILME: Wenn die Kinowirtschaft nicht mehr weiterweiß, dann greift sie zu 3D. In den 50ern und 60ern gab es eine 3D-Welle, um die Leute weg vom Farbfernseher zu Hause in die Lichtspielhäuser zu locken, in den 80ern waren dann Videorekorder der Grund. Zurzeit geht es darum, die Menschen weg von den Raubkopien und Computerspielen ins Kino zu bewegen. Diesmal scheint sich der Trend zu verstetigen. Doch schlechte Storys sind auch in 3D nicht gut. © dpa
7. FESTNETZTELEFONATE: Immer mehr Menschen schaffen ihr Festnetztelefon ab, weil sie es neben dem Mobiltelefon zu teuer finden oder sowieso kaum daheim sind. Mancher fühlt sich von einem Anruf zu Hause mehr gestört als vom Handy, das zwar in der Tasche ein weit größerer Eingriff in die Privatsphäre ist, aber notfalls auch lautlos gestellt oder ausgeschaltet sein kann. Ein lautes Festnetztelefon in der Wohnung schreckt oft mehr auf. © dpa
8. DISKUSSIONEN: Früher gab es ausgiebige Debatten unter Freunden. Wie hieß nochmal der Laden in Paris mit den tollen Cocktails? Heute wird jedes aufkommende Gespräch weggegoogelt. Irgendjemand ist immer da, der sein Handy zückt und im Internet nachschaut. Keine Fachsimpeleien mehr, sondern mehr oder weniger gesicherte Fakten von Wikipedia. Alles wird geklärt, bevor die Unterhaltung anregend wird. Manchmal sitzen Menschen zusammen und starren lieber aufs Smartphone als Smalltalk zu betreiben. Die virtuelle Realität besiegt das echte Gegenüber. © dpa
9. WECKER: Wo früher der Wecker stand, liegt heutzutage das Handy mit Weckfunktion. Ein eigenes Gerät braucht man für den Start in den Tag nicht mehr. Aus dem Tiefschlaf lässt man sich moderner reißen. Besser wird der unangenehme Vorgang dadurch aber nicht. © dpa
10. ECHTE FREUNDE: Das Wort “Freund“ hat im Zeitalter sozialer Netzwerke eine schwächere Bedeutung bekommen. Freundschaft ist..., wenn man Kontakt miteinander aufnimmt. Ich klicke dich an, du klickst mich an. Kann man mehr als 150 Bekannte haben? Kritiker werfen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (neben datenschutzrechtlichen Problemen) vor, seine “süchtigen“ etwa 500 Millionen Nutzer in der Welt eines unbekümmerten Harvard-Studenten gefangen zu halten. © picture alliance / dpa-tmn
Ist das wirklich so? Jedenfalls sprechen die Angewohnheiten vieler Nutzer dafür: Sie laden möglichst nur “coole“ Interessen und Bilder hoch, machen eindeutige Beziehungsangaben und wenig komplexe Statusangaben und pflegen vor allem die Unsitte, jeden einmal Gesehenen zum “Freund“ zu verklären. © picture alliance / dpa-tmn

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