Werbung macht's möglich

Facebook wächst dank Smartphones

New York - Früher galten Smartphones als die Achillesferse von Facebook, weil es das soziale Netzwerk nicht schaffte, dort Werbung unterzubringen. Das hat sich komplett geändert. Heute ist das mobile Geschäft der Wachstumsmotor.

Facebooks Vorstoß auf Smartphones zahlt sich aus. Immer mehr Kunden schalten ihre Werbeanzeigen auf den mobilen Geräten. Das treibt die Einnahmen des weltgrößten Online-Netzwerks in die Höhe. „Wir haben große Fortschritte gemacht in den ersten Monaten des Jahres“, erklärte Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg am Mittwoch am Sitz im kalifornischen Menlo Park.

Früher waren Smartphones die Achillesferse des Sozialen Netzwerks - und ein Hauptgrund für den Absturz der Aktie nach dem Börsengang im Mai. Nun kamen im ersten Quartal bereits 30 Prozent aller Werbeeinnahmen von den mobilen Geräten. Das ist ein rasanter Anstieg: Im Vorquartal waren es erst 23 Prozent und davor 14 Prozent. Insgesamt stiegen die Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent. Das sei ein schnelleres Wachstum als in jedem Quartal des Vorjahres, betonte Zuckerbergs rechte Hand Sheryl Sandberg.

Das Team um Zuckerberg hat neue Werbeformen für die kleinen Smartphone-Bildschirme eingeführt und den Werbekunden gleichzeitig bessere Instrumente zur Verfügung gestellt, um den Erfolg ihrer Anzeigenkampagnen zu messen. Mit „Facebook Home“ brachte das Unternehmen jüngst sogar eine eigene Benutzeroberfläche für bestimmte Android-Handys heraus - für Facebook eine gute Möglichkeit, in Zukunft noch mehr Werbung zu zeigen. „Das ist der erste Schritt auf einer langen Reise“, sagte Zuckerberg in einer Telefonkonferenz.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Die Anstrengungen schlagen sich direkt in den Geschäftszahlen nieder: Im ersten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro). Neben Werbung sind auch Einnahmen aus Online-Spielen wichtig. Und Facebook erwirtschaftet mittlerweile stabil gute Gewinne: Unterm Strich kamen 217 Millionen Dollar heraus, ein Plus von 58 Prozent.

Der Gewinn wäre noch kräftiger gestiegen, wenn Facebook nicht so massiv in neue Funktionen und Techniken investieren würde, vor allem im mobilen Geschäft. „Wir machen diese großen Investitionen, weil wir glauben, dass die Bereiche wichtig sind“, sagte Zuckerberg. So soll „Facebook Home“ für immer mehr Smartphone-Modelle verfügbar werden. Bislang sind es vor allem die Topmodelle von HTC und Samsung.

Drei von vier Facebook-Mitgliedern halten mittlerweile auch oder ausschließlich über ihr Smartphone Kontakt mit ihrem Freundeskreis. Der Anteil hat damit massiv zugenommen. „In den USA verbringen die Leute mehr Zeit bei Facebook als bei jeder anderen App auf ihrem Smartphone“, sagte Sandberg.

Insgesamt hat das weltgrößte Soziale Netzwerk nun 1,11 Milliarden aktive Nutzer im Monat. Ende Dezember waren es 1,06 Milliarden. Noch schneller legte die Zahl der Nutzer zu, die täglich vorbeischauen. Es sind mittlerweile 665 Millionen. Das dürfte auch mit der steigenden Verbreitung von Facebook auf Smartphones zusammenhängen - denn damit kann man sich von fast jedem Ort aus in das Netzwerk einklinken. „Manchmal erstaunt es mich, dass unsere Gemeinschaft weiter so schnell wachsen kann“, sagte Zuckerberg.

Die Facebook-Anleger waren zufrieden mit den Fortschritten. Vorbörslich legte die Aktie um 1,4 Prozent zu. Mit mittlerweile fast 28 Dollar ist das Papier wieder unterwegs zum Ausgabekurs von 38 Dollar beim Börsengang vor knapp einem Jahr. Als die Sorge um Facebooks mobiles Geschäft besonders groß war, war das Papier im Spätsommer vergangenen Jahres auf 17,55 Dollar abgesackt.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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