Und jetzt noch "den Rest der Welt"

Facebook wird 10 Jahre alt

+
Am 4. Februar 2004 ging Facebook an den Start.

Menlo Park - Zehn Jahre ist es am 4. Februar her, als Mark Zuckerberg Facebook startete. Heute ist es das größte soziale Netzwerk der Welt. Doch wie geht es weiter?

Als Mark Zuckerberg am 4. Februar 2004 die Webseite thefacebook.com startete, schwebte ihm zunächst eine Art digitales Jahrbuch der US-Eliteuni Harvard vor. Zehn Jahre später spannt sich das soziale Netzwerk mit seinen 1,2 Milliarden Nutzern über fünf Kontinente. Trotz immer wieder geäußerter Zweifel am Geschäftsmodell wächst das Unternehmen rasant und verbuchte im vergangenen Jahr einen Milliardengewinn. Der Preis des Erfolgs ist, dass Facebook an Popularität bei jungen Nutzern einzubüßen scheint. Welcher Teenager findet ein Online-Netzwerk cool, auf dem sich auch seine Eltern tummeln?

Facebook schon veraltet?

"Ich denke, es ist sogar nicht mehr nur die Mutter, sondern auch die Großmutter", kommentiert Lou Kerner, US-Experte für soziale Medien, die alternde Nutzerschaft. Sogar Facebook-Finanzchef David Ebersman räumte vor einigen Monaten ein, dass das soziale Netzwerk einen Rückgang bei "jüngeren Teenagern" verzeichne. Jugendliche bevorzugen offenbar Messenger-Dienste wie Snapchat oder WhatsApp, auch die Blogging-Plattform Tumblr und der Kurzbotschaftendienst Twitter sind beim Nachwuchs zunehmend beliebt.

Drei Millionen Teenager verloren

Dem Marktforschungsunternehmen iStrategyLabs zufolge haben seit 2011 rund drei Millionen Teenager Facebook den Rücken gekehrt. Die Konkurrenz von der Firma Socialbakers hält die Berichte über eine Abwanderungswelle dagegen für übertrieben, zumal sich Jugendliche auf gleich mehreren sozialen Netzwerken tummeln. Für Aufsehen sorgte eine Studie der Universität Princeton, die Facebook mit einer Epidemie im Endstadium vergleicht und einen Massenexodus bis 2017 prophezeit. Facebook konterte mit einer Untersuchung, die mit der gleichen Methode den Niedergang von Princeton voraussagt.

Zuckerberg will auch "den Rest der Welt"

"Wir freuen uns auf unser nächstes Jahrzehnt", erklärte Zuckerberg diese Woche bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen. Dann wolle Facebook dabei helfen, auch den "Rest der Welt" miteinander zu vernetzen. Das wirtschaftliche Fundament für dieses Vorhaben könnte derzeit kaum besser sein: Im Schlussquartal 2013 konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 523 Millionen Dollar (382 Millionen Euro) verachtfachen. Der Umsatz von Oktober bis Dezember betrug demnach 2,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 63 Prozent.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass sich Facebook-Kritiker in ihrer Skepsis bestätigt wähnten. Im Mai 2012 legte das soziale Netzwerk den größten Börsengang der Technologiebranche hin und wurde auf einen Schlag mit 104 Milliarden Dollar bewertet - mehr als der deutsche Elektronik-Riese Siemens.

Doch technische Pannen beim Börsendebüt und Fehleinschätzungen zur Nachfrage nach der Facebook-Aktie ließen den Kurs in den folgenden Monaten auf weniger als die Hälfte des Ausgabepreises von 38 Dollar abstürzen. Verunsichert fragten sich Investoren, ob der gewaltige Börsenwert für das junge Unternehmen gerechtfertigt sei. Facebook, das sich zu rund 90 Prozent über Werbung finanziert, fehlte zu diesem Zeitpunkt noch eine überzeugende Strategie für das wachsende Anzeigengeschäft auf Smartphones und Tabletcomputern.

Inzwischen hat das Unternehmen hier seine Hausaufgaben gemacht. Fast 80 Prozent der Nutzer, 945 Millionen Menschen, greifen nach den jüngsten Zahlen mobil auf Facebook zu. Im vergangenen Quartal stammte erstmals mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen von Anzeigen auf Smartphones und Tablets. "2013 war das Jahr, in dem wir unser Geschäft in ein mobiles Geschäft verwandelt haben", sagte Zuckerberg. An der Börse ist Facebook mittlerweile ein Liebling der Anleger: Der Aktienkurs knackte kürzlich die 60-Dollar-Marke.

So kämpft Facebook um die Spitze

Mit strategischen Zukäufen versucht Facebook, seine Spitzenposition unter den sozialen Netzwerken zu festigen. Im Frühjahr 2012 übernahm das Unternehmen das bei jungen Nutzern beliebte Foto-Netzwerk Instagram. Auch Snapchat erhielt vergangenes Jahr ein Kaufangebot, lehnte aber ab. Der Siegeszug von Facebook könnte allerdings bald die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. Der Internetkonzern Google und der Software-Gigant Microsoft haben bereits die Erfahrung gemacht, dass sich übermächtig erscheinende Technologiefirmen auf eine kartellrechtliche Überprüfung einstellen müssen.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.