Finanziert von Lesern: Online-Magazin Krautreporter kann starten

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Sebastian Esser, Initiator des Web-Magazins "Krautreporter"

Der deutsche Online-Journalismus wird um ein Experiment bereichert: Das Projekt Krautreporter hat im Internet über 900.000 Euro von 15.000 Unterstützern eingesammelt. Damit können die Journalisten und Blogger ein Online-Magazin starten, das ohne Werbung auskommen soll.

Das Ende der Finanzierungskampagne war spannend, die letzten notwendigen Unterstützer kamen erst in einem Schlusssprint kurz vor Ablauf der Frist am Freitag zusammen.

Noch nie wurde in Deutschland ein so umfangreiches journalistisches Projekt allein von Unterstützern aus dem Netz finanziert. "Es war ein unglaubliches Erlebnis, so nah an seine Leser heranzukommen", sagt Herausgeber Sebastian Esser.

Dabei hatten einige Beobachter bezweifelt, dass die Krautreporter ihr eigenes Ziel erreichen würden. Dass sie es geschafft haben, verdanken sie auch der Rudolf-Augstein-Stiftung, die das Projekt mit 50.000 Euro unterstützte. Zwei weitere Unterstützer gaben 10.000 Euro, eine Frau 20.000 Euro, sagte Esser. "Aber der allergrößte Batzen sind die vielen Einzelmitgliedschaften."

Nun fängt die Arbeit für die Krautreporter erst an. Sie müssen zeigen, ob sie die hohen Erwartungen, die sie selbst gesteckt haben, erfüllen können. Denn das Projekt will nicht weniger als eine neue Art des Digitaljournalismus vorleben.

"Der Online-Journalismus ist kaputt", verkündeten die Krautreporter zu Beginn der Sammelaktion. Online-Medien, die sich über Werbung finanzieren, schielten zu sehr auf Klickzahlen. Dabei bleibe oft nicht genug Zeit für Recherche. Das sorgte für Diskussionen unter Journalisten. Der Blogger und PR-Berater Thomas Knüwer kritisierte "große Töne" beim Auftreten der Beteiligten und ein halbherziges Konzept.

Infos

Twitterprofil der Krautreporter

Webseite Krautreporter

Esser will beschwichtigen. "Wir haben über das Geschäftsmodell des Online-Journalismus gesprochen", sagt er. "Das funktioniert einfach nicht." Die Krautreporter haben nun Abonnements für ein Jahr verkauft. Ende September wollen sie erste Artikel veröffentlichen. Der Schwerpunkt liegt auf der Recherche vor Ort. "Wir wollen nicht vom Schreibtisch aus arbeiten, sondern von der Straße aus", sagt Esser.

Dabei haben sie einige Kritiker zu überzeugen. So sorgte die Zusammensetzung der Redaktion für Unmut: Unter 28 Redakteuren finden sich nur sechs Frauen. Daran wolle man aktiv arbeiten, verspricht Esser.

Bei Crowdfunding-Kampagnen bekommen die Unterstützer der ersten Stunde normalerweise Extras, etwa kleine Geschenke. Das bieten die Krautreporter nicht. Es soll allerdings einen direkten Draht zu den Journalisten geben, sagt Redaktionsmitglied Frederik Fischer. "Ich möchte Ansprechpartner sein für Wünsche aus der Leserschaft." Die Geldgeber sollen so mit zusätzlichen Informationen versorgt werden.

Der eigentliche Test steht dem Projekt noch bevor: Werden die Krautreporter ihre Leser für ein erneutes Abo begeistern können? "Wenn wir die Leser nicht überzeugen, werden die auch keine Unterstützer", sagt Fischer. "Dann wird es uns auch nicht mehr geben." Für ein Jahr ist das Projekt finanziert, dann laufen die Abos ab. Herausgeber Esser sagt: "Die eigentliche Frage ist, ob es in einem Jahr immer noch funktioniert."

Von Jessica Binsch, dpa

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