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„Horizon Forbidden West“ im PS5-Test: Im Westen ist alles viel schöner

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Insbesondere auf der PS5 ist „Forbidden West“ eine Augenweide.
Insbesondere auf der PS5 ist „Forbidden West“ eine Augenweide. © Guerilla Games/ Sony

Wer eine PlayStation 5 ergattern konnte, ist zwar ein Glückspilz. Doch sonderlich viele Spiele, die die Power der PS5 auch wirklich ausreizen, gab es bislang nicht. Gelingt das dem neuen Exklusiv-Blockbuster „Horizon Forbidden West“?

Knapp fünf Jahre ist es her, dass „Horizon Zero Dawn“ erschienen ist und die Herzen der Spieler im Sturm eroberte. Im Test fragten wir damals „Ist Horizon das bisher beste PlayStation-Spiel?“*. Die Entwickler von Guerilla Games standen also vor schwierigen Aufgaben, als sie sich daran machten, den Nachfolger des PlayStation-Hits zu entwickeln. Denn sie mussten die Story einerseits sinnvoll und spannend weiterführen, sich andererseits ein paar neue Spielmechaniken einführen, um sich nicht zu wiederholen. Und zu guter Letzt sollten sie natürlich beweisen, was die PlayStation 5 zu leisten in der Lage ist.

„Horizon Forbidden West“ im Test: Atemberaubend schöne Augenweide

Um einen Teil des Fazits vorweg zu nehmen: Insbesondere im letzten Punkt haben die Entwickler die Erwartungen noch einmal übertroffen. „Horizon Forbidden West“ ist ohne Zweifel das schönste Spiel, das bislang für die neue Konsolengeneration erschienen ist. Guerilla gelang es, eine riesige, immens abwechslungsreiche offene Welt zu zaubern, bei deren Betrachtung einem ein ums andere Mal vor lauter Staunen der Mund offen stehen bleibt. Eine Welt voller sturmgepeitschter Wüstenlandschaften, üppiger Dschungelareale, eisigen Schneelandschaften und fiesen Sumpfgebieten.

Eine Welt, in der sich eindrucksvolle Roboter-Wesen tummeln, vollgestopft mit hochgradig detaillierten Charakteren, mit geschmeidigen Animationen, atemberaubenden Lichtstimmungen, wimmelnd vor Leben, Partikeln, Blütenblättern – unfassbar schön. Selbst wenn man mit „Horizon“ inhaltlich nicht viel anfangen kann (was ich nicht so recht verstehen könnte), sollte man den Titel nicht verpassen. Einfach um zu sehen, welche Grafikpracht uns in Zukunft noch erwarten wird.

Horizon Forbidden West: Kommt der PlayStation-Hit auch als PC-Version?

„Horizon Forbidden West“ im Test: Clever erzählte Fortsetzung

Doch ist „Forbidden West“ bloß ein Grafikblender? Auf gar keinen Fall: Hinter der strahlenden Hochglanzfassade verbirgt sich ein tolles Spiel. Auch die Story weiß zu begeistern – und das war so nicht unbedingt zu erwarten. Denn der Vorgänger war auch deswegen so gut, weil er eben nicht auf eine Fortsetzung schielte, sondern seine fesselnde und anrührende Geschichte wirklich bis zum Ende erzählte. Da war man fast enttäuscht, als in der Post-Credit-Szene dann doch noch eine Fortsetzung angeteasert wurde...

„Forbidden West“ macht am Ende das Beste draus und findet durchaus interessante Wege, die Geschichte fortzusetzen. Schon im Prolog spürt man, dass sich da mehrere Menschen viele Gedanken gemacht haben, um logisch zu begründen, warum man mit der Hauptdarstellerin Aloy de facto fast wieder bei null anfangen muss.

„Horizon Forbidden West“ im Test: Der heimliche Star sind die Nebenaufgaben

Die Gefahr, die am Ende von „Zero Dawn“ gebannt schien, ist nicht endgültig besiegt. Verrat und Hinterlist sorgen dafür, dass Aloy schon wieder die post-postapokalyptische Welt retten muss. Und die tapfere Nora-Kriegerin, die nun endlich weiß, woher sie kommt und warum sie auf der Welt ist, zögert keine Sekunde, schnallt sich den Bogen um und zieht in den verbotenen Westen, um ein für alle Mal für Frieden zu sorgen. Sie muss sich dabei zahlreichen neuen und alten Gefahren stellen, neue Freundschaften schließen und natürlich zahllose Abenteuer erleben. Das alles ist logisch, gut nachvollziehbar und sehr unterhaltsam erzählt, erreicht dennoch nur selten die Wucht und Spannung des ersten Teils. Was durchaus auch daran liegt, dass die Geschichte am Anfang eher langsam in die Gänge kommt.

Das macht aber nichts, weil die Welt derartig vollgestopft ist mit Nebenaufgaben, dass man sich ohnehin immer wieder dabei erwischt, dass man vor lauter Hilfsleistungen, Jagdaufgaben und Nebenquests fast vergessen hat, dass da auch noch eine Welt gerettet werden muss. Die aufwendig inszenierten Nebenquests sind das heimliche Highlight des Spieles. Weil sie Welt mit Leben und Geschichten füllen, die für zwei Spiele gereicht hätten.

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„Horizon Forbidden West“ im Test: Looten und Leveln sorgen für permanente Anreize

Protagonistin Aloy aus Horizon Forbidden West mit Tauchausrüstung unter Wasser
In „Horizon Forbidden West“ erkundet Protagonistin Aloy die Welt auch unter Wasser. © Guerilla Games/ Sony

Dazu kommt das motivierende Crafting- und Charakterentwicklungssystem, was dem Spieler immer wieder ein Möhrchen vor die Nase hält, dem er mit Freude hinterherrennt. Zahllose Waffen und Rüstungen verschiedener Gütegrade wollen errungen, erworben und aufgerüstet werden, die Lootspirale dreht sich, und ohne es zu merken, spielt man schon wieder viel länger, als man eigentlich vor hatte...

Passend dazu bekommt Aloy immer wieder neue Ausrüstungsgegenstände und Fähigkeiten, die erlernt und gemeistert werden wollen. So kann sie jetzt auch per (superfancy) Gleitschirm von großen Höhen sanft gen Boden segeln oder die ausgedehnten Unterwasserlandschaften tauchend erkunden. Immer auf der Suche nach Relikten aus heutigen Tagen, deren eigentlicher Einsatzzweck sich den Menschen aus ihrer Welt selten bis nie erschließt. Herrlich ist zum Beispiel die Debatte zwischen zwei Archäologen, die sich darüber streiten, ob die alte Festplatte, die sie ausgegraben haben, nun ein winziges Vorspeisentablett war oder nicht.

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„Horizon Forbidden West“ im Test: Bizarre Preispolitik ist der einzige Wermutstropfen

So fügt sich eines zum anderen und formt am Ende ein wunderschönes, fesselndes, durchaus anspruchsvolles, aber immer faires Spiel, das man keinesfalls verpassen sollte. Der einzige Wermutstropfen ist die – vorsichtig formuliert – bizarre Preispolitik, die Sony bei „Forbidden West“ an den Tag legt. Für PS5-Exklusivtitel werden neuerdings 80 Euro fällig. Das geht angesichts der gebotenen Qualität auch in Ordnung.

Doch Sony hat ein großes Problem: Selbst anderthalb Jahre nach der Premiere der neuen Konsole kann man nicht einfach so in den Laden gehen und sich eine PS5 kaufen, wenn man eine möchte. Das Ding ist einfach chronisch vergriffen. Deswegen erschien „Forbidden West“ auch für die PS4für zehn Euro weniger. Weil man diejenigen, die eigentlich auf der PS5 spielen wollten, aber noch keine ergattern konnten, nicht verärgern möchte, bietet Sony für alle, die eine PS4-Variante kaufen, eine kostenlose Upgrade-Möglichkeit auf die PS5-Version an. Was wiederum die PS5-Besitzer verärgert. Denn sie zahlen mehr für etwas, was die anderen umsonst bekommen. Also greifen viele zur PS4-Variante und laden sich danach die 100 GB große PS5-Variante gratis herunter. Ob das kundenfreundlich und im Sinne des Erfinders ist, lassen wir mal unkommentiert.

„Horizon Forbidden West“ im Test: Fazit

Das alles ändert aber nichts daran, dass „Horizon Forbidden West“ ein Pflichtkauf für alle PlayStation-Fans ist. Ein atemberaubend schönes Spiel mit einer spannenden Geschichte, tollen Charakteren und fesselnden Nebenaufgaben, das einen locker Dutzende Stunden lang beschäftigen wird. Und ein Blick in die Zukunft des PS5-Gamings. Wir können kaum erwarten, mehr so schöne Spiele auf dem großen Screen zu sehen!(st) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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