Ganzes Dorf wehrt sich gegen Google Street View

Google Street View: Solche Autos fotografieren bundesweit Städte, um sie ins Internet zu stellen.

Parum - Gerade erst feierte Google den Deutschland-Start seines umstrittenen Dienstes Street View groß in der Allgäuer Gemeinde Oberstaufen. Doch: Ein ganzes Dorf in Mecklenburg-Vorpommern will raus aus Street View.

Mit dem 70-Einwohner-Ort Parum bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern setzt sich erstmals ein ganzes Dorf gegen den umstrittenen Online-Straßenatlas Google Street View zur Wehr. Google- Sprecherin Lena Wagner bestätigte am Freitag entsprechende Medienberichte. Google reagiere auf die Parumer Aktion sehr ruhig: “Man muss das in Relation sehen. Die Unterschriften von 70 Leuten zusammenzubekommen ist eine andere Geschichte, als Unterschriften von Zehntausenden zu bekommen.“

Dass sich ein komplettes Dorf gegen Street View wehre, das habe aber Symbolcharakter, gestand sie ein. Der Initiator der Aktion in Parum, Wilhelm Meier, sagte, Google verfüge über umfangreiche Kenntnisse aus dem Privatleben vieler Menschen. Die Bewohner von Parum hätten die Sorge, dass mit Street View noch weit mehr auf die Bürger zukomme. “Diese Anmaßung, über unsere Daten zu verfügen, ist abenteuerlich“, meinte Meier. Er beklagte auch, dass der Staat und die Datenschutzbeauftragten nicht lebhaft gegen Google vorgingen, sondern diplomatisch verhandelten und sich darauf beschränkten, deren Konditionen an die Bürger weiterzugeben. “Das ist skandalös. Google hat zu fragen.“

So funktioniert Google Street View

Google Street View
Bei Google-Maps (Bitte den gefetteten Link in einem neuem Fenster öffnen: markieren, rechte Maustaste klicken, "Link in neuem Fenster öffnen" anklicken) den Ort oder die Sehenswürdigkeit eingeben, die Sie anschauen wollen. Beispielsweise den Eiffelturm in Paris: "Tour Eiffel, Paris". Der Standort des Eiffel-Turms wird auf Google-Map angezeigt. Das gelbe Männchen, links oben auf der Zoom-leiste (auf dem Screenshot:rot umrahmt) ist das Steetview-Männchen. Klicken Sie nun mit der linken Maustaste auf das gelbe Street-View-Männchen. Ziehen sie das gelbe Männchen mit der Maustaste auf die Stelle auf der Karte, von der Sie Ihren Street-View-Rundgang starten wollen. © Google
Google Street View
Nun öffnet sich ein neues Fenster (Bitte den gefetteten Link in einem neuem Fenster öffnen: markieren, rechte Maustaste klicken, "Link in neuem Fenster öffnen" anklicken)mit der Street-View-Ansicht und einem Foto vom Eiffel-Turm. Rechts unten ist in einer Karte der genaue Standort des gelben Männchen angezeigt, von dem aus diese Fotografie aufgenommen wurde. © Google
Google Street View
Um nun die Perspektive zum Eiffel-Turm zu ändern und andere Fotos zu sehen, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist, mit der Maus über das Foto zu fahren. Dabei zeigen sich verschiedene Punkte. Diese sind mit weiteren Fotos vom Eiffel-Turm verlinkt: Dadurch kommt man - je nach geklickten Punkt- näher oder höher an den Eiffelturm. Jeder Punkt steht für eine andere Perspektive. Drückt man die Pfeile unten am Bild kann man sich aus dem Bild heraus- und hineinzoomen. © Google
Google Street View
Der Betrachter rückt näher an den Eiffelturm mit dem Pfeil nach oben (Bitte den gefetteten Link in einem neuem Fenster öffnen: markieren, rechte Maustaste klicken, "Link in neuem Fenster öffnen" anklicken), mit dem Pfeil nach unten, rückt der Betrachter in die Ferne © Google
Google Street View
Eine weitere Möglichkeit, um den Eiffel-Turm zu spazieren ist, das gelbe Männchen auf der eingeblendeten Karte rechts unten zu bewegen. Mit einem Klick auf die linke Mausteste, lässt sich das gelbe Männchen auf eine andere Stelle auf der Karte verschieben. Wenn man das gelbe Männchen hin und herschiebt, zeigen sich überall blaue Punkte: Diese zeigen andere Standpunkte mit Ausblick auf den Eiffel-Turm an. © Google
Hat der Betrachter genug vom Eiffel-Turm gesehen, kann er auch eine virtuelle (Bitte den gefetteten Link in einem neuem Fenster öffnen: markieren, rechte Maustaste klicken, "Link in neuem Fenster öffnen" anklicken) Fahrt über die Straßen von Paris machen. Beispielsweise durch die berühmte Champs-Elysess. Dazu das gelbe Männchen auf eine Straße ziehen. Dann mit der Maus über das Foto fahren. Dadurch zeigen sich zwei Pfeile. Mit diesen kann man die Straße vor und zurückfahren. Links Oben ist ein weitere Navigationsbutton. Mit diesem kann man das Bild in alle Himmelsrichtungen und sich um seine eigene Achse drehen. © 

Die Aufregung in Parum sei nicht gerechtfertigt, betonte hingegen Google-Sprecherin Wagner. Es stelle sich derzeit gar nicht die Frage, ob Parum im Netz erscheint. “Das liegt in weiter Ferne“. Es gebe aber keinen prinzipiellen Ausschluss von kleinen Gemeinden. Wagner berichtete von Kommunen, die ihren Einwohnern mit dem Auslegen von Formularen Unterstützung geben. Google hatte Mitte Oktober mitgeteilt, dass gut 244 000 Haushalte Widerspruch gegen die Veröffentlichung ihrer Häuserfronten eingelegt hatten. Das sind knapp 3 Prozent der Betroffenen in den bereits für den Dienst erfassten 20 größten deutschen Städten. Google garantiert allen Bürgern ein Widerspruchsrecht.

Wenn sich ein komplettes Dorf wehrt, sei es für Google einfacher, damit umzugehen, sagte der Datenschutzbeauftragte von Mecklenburg- Vorpommern, Karsten Neumann. So gebe es bei Google Earth große Flächen, meist mit militärischer Nutzung, die auf dem Bildschirm grau erscheinen. “Das, was für das Militär gut ist, soll für die Privaten nur billig sein.“ Diese könnten sich auf den Schutz ihrer Privatsphäre als übergeordnetes Interesse berufen. Niemand hätte etwas dagegen, wenn touristisch interessante Ziele per Street View ins Netz gestellt werden. Neumann begrüßte es, dass sich Bürger mit dem Thema auseinandersetzen, denn Street View sei nur die Spitze eines Eisberges.

dpa

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