"Gefällt mir, Amen!": Gottesdienst auf Facebook

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Der Heilige Geist weht auch im Internet.

Köln - Junge Menschen sind lieber im Internet als im Gotteshaus. Das hat ein katholischer Pfarrer erkannt - und passt sich an: Mit dem wohl ersten deutschen Facebook-Gottesdienst.

Wer Gott sucht, der geht in die Kirche? Das war einmal. Im Internetzeitalter liegt nicht nur die Lieblingsmusik, der richtige Lebenspartner oder der neue Gemüsehobel einen Mausklick entfernt, sondern auch der Allmächtige. Und das ist nun auch ganz offiziell: “Der Heilige Geist weht auch im Internet“, sagt der katholische Pfarrer Dietmar Heeg - und lud am Sonntag um 17.00 Uhr zu dem nach Kirchenangaben ersten deutschen Facebook-Gottesdienst.

Katholischer Gottesdienst , das klingt nach Weihrauch, etwas Latein und religiösem Singsang. Doch nicht dieser: “Interaktiv und multimedial“ solle die Andacht sein, sagte Pfarrer Heeg, der für die Deutsche Bischofskonferenz die Privatsender RTL, ProSieben und Sat.1 betreut. Er rief seine Gemeinde, nein: seine “Community“ dazu auf, per Twitter und Facebook ihre Anregungen und Fragen während des Gottesdienstes zu posten. Sie sollten unmittelbar in die Predigt eingebaut werden.

Die größten Facebook-Partys

2000 Menschen "feierten" in München im Dezember 2011 das neue Alkoholverbot in der S-Bahn. 50 Wagen nahmen Schaden. Es ist nicht die erste eskalierte Facebook-Party. © dpa
Hamburg, 1000 Menschen, September 2011: Deutlich gesitteter als in München verlief das Saufgelage in der Hamburger U-Bahn. Bis auf wenige Sachbeschädigungen blieb es ruhig. © dpa
Hamburg-Bramfeld, 1600 Menschen, Juni 2011: Die Geburtstagsfeier der 16-jährigen Thessa eskalierte – sie hatte die Privatfeier versehentlich auf Facebook veröffentlicht. Ein kompletter Straßenzug wurde verwüstet – 50 000 Euro Sachschaden. © dpa
Wuppertal, 800 Menschen, Juni 2011: Als die Polizei das Alter der Partygäste kontrollierte, eskalierte die Feier: Flaschen und Feuerwerkskörper flogen. Bilanz: 16 Verletzte, drei Festnahmen. © dpa
München, 700 Menschen, Mai 2011: Eigentlich sollten nur 30 Freunde kommen, bei der Party im Englischen Garten wurden es mehr als das 20-fache. Wegen Ruhestörung machte die Polizei dem Treiben ein Ende. © Symbolfoto: dpa
Sylt, 4500 Menschen, ­Juni 2009: Sie kamen zur spontanen Riesen-Strandparty, feierten und tranken. Ein sternhagelvoller Randalierer musste festgenommen werden. © Symbolfoto: dpa
Heusweiler, 2000 Menschen, Juli 2011: Die Privatparty eines 16-Jährigen im Saarland wurde zum Massenauflauf. Größere Gruppen zogen randalierend durchs Wohngebiet. Folge: mehrere Festnahmen und ein Gesamtschaden von 50 000 Euro. © Symbolfoto: AP
Cuxhaven, 400 Menschen, September 2011: Ein falsch gesetztes Häkchen auf Facebook – und die Party einer Schülerin kulminierte – Sachbeschädigungen und eine Festnahme. © Symbolfoto: dpa
Lörrach, 500 Menschen, Juni 2011: Per Facebook wurde zur Freiluft-Techno-Party in Lörrach (Baden-Württemberg) aufgerufen. Die Gäste verhielten sich friedlich, beschallten aber die ganze Stadt. © Symbolfoto: dpa
Hohenbrunn, 300 Menschen, November 2010: Hanna (18) hatte eigentlich nur mit ein paar Freunden gerechnet und ließ die ungebetenen Gäste nicht ins Haus. Die versuchten daraufhin, die Tür einzudrücken. Die Polizei machte dem Spuk ein Ende. © Symbolfoto: dpa
Hasenloh (Nähe Hamburg), 3500 Zusagen, 0 Gäste, August 2011: Ausgerechnet die Facebook-kritische CDU lud über das soziale Netzwerk zum Sommerfest. Das fanden mehr als 3500 Nutzer so lustig, dass sie prompt zusagten. Der CDU war das nicht geheuer, sie sagte die Feier ab. © Symbolfoto: dpa

Vielleicht verfolgten zu viele Zuschauer die 25-minütige Andacht aus dem Kölner Maternushaus, möglicherweise wehte der Heilige Geist auch einfach zu heftig durchs Internet - jedenfalls riss die Übertragung des Gottesdienstes mehrfach ab, und die Community der Gläubigen musste auf die liturgische Leitung verzichten.

Dabei darf man dem Lieben Gott auch eine gesunde Portion Humor unterstellen: Kaum war Pfarrer Heeg im “Vater Unser“ bei den Worten “Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns“ angelangt, verwandelte sich der Live-Stream abermals in ein Standbild.

Lief der Stream, so versorgte Heegs Assistentin Sarah Schortemeyer ihn regelmäßig per iPad mit frischen Updates aus der Community. Diese freute sich beispielsweise über “Verzeihung“ als Thema der Predigt, postete dutzendfach “Amen“ am Gebetsende oder wollte wissen, was denn jetzt Gott mit Fußball zu tun habe. Zuvor hatte Heeg die biblische Parallele von Jesus zu Nationaltorwart Manuel Neuer geschlagen, der nach seinem Wechsel von Schalke 04 zu Bayern München von vielen Fans “verbal gekreuzigt“ worden sei.

Die lustigsten Facebook-Pannen der Welt

 © riva Verlag
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Ob diese multimediale Form des Gottesdienstes eine Zukunft hat, darauf wollte sich Pfarrer Heeg nicht festlegen. Er könne sich vorstellen, das Angebot bei positiver Resonanz an großen kirchlichen Feiertagen zu wiederholen. Viele User hielten den Facebook- Gottesdienst in ihren Kommentaren jedenfalls für eine “interessante Idee“, an deren technischer Umsetzung noch gefeilt werden sollte.

Gottesdienste im Internet könnten jedoch nie den echten Kirchgang ersetzen, fügte Heeg hinzu. Für wahren Kontakt zwischen Pfarrer und Gemeinde brauche es das persönliche Gegenüber - das sehe er ganz klassisch: “Priorität hat immer noch Face-to-Face.“

dpa

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