Mehrfachstecker und Fußballtickets: Die Online-Redaktion erzählt von ihren Gewinnspiel-Traumata

Was wirklich hinter Gewinnspiel-Portalen im Internet steckt

Und dann winkt das große Geld: Besonders beliebt sind Websites, auf denen man Sofortgewinne abräumen kann. Inzwischen gibt es viele Anbieter, bei denen man seine Daten hinterlässt und dann - teilweise sogar gratis - an Hunderten von Gewinnspielen automatisch teilnimmt.
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Und dann winken das große Geld und hochwertige Sachpreise: Inzwischen gibt es viele Anbieter, bei denen man seine Daten hinterlässt und dann - teilweise sogar gratis - an Hunderten von Gewinnspielen automatisch teilnimmt.

Gewinnspiele im Internet sind verlockend: Nicht ohne Grund gibt es viele Portale, die es Glücksrittern angeblich ganz einfach machen wollen, die größten Preise abzusahnen. Doch der Schein trügt.

Grundsätzlich steckt folgende Idee dahinter: Wer über ein Portal an Gewinnspielen teilnimmt, der kann am Ende seine Gewinnchance erhöhen. 

Statt also am Handy oder Laptop ein Formular auszufüllen, bei dem man im schlimmsten Fall viel Zeit investiert, um an nur einer Verlosung teilzunehmen, eröffnen solche Portale ganz neue Dimensionen. Wer sich dort einmal registriert, der hat die Möglichkeit, automatisiert an Hunderten von Verlosungen zu profitieren. Doch lohnt sich das wirklich?

Massenhaft Mails von Wintopia

Ein Beispiel aus der Praxis: Auf dem HNA-Angebot www.kassel-live.de hatten wir kürzlich ein Gewinnspiel für ein Essen in der Orangerie verlost. Ein köstliches 5-Gänge-Menü - zubereitet von Spitzenköchen - war der heiß begehrte Preis. Insgesamt wurden zweimal zwei Karten im Wert von je 89 Euro angeboten. 

Bei der Auswertung folgte schließlich die Überraschung. Statt - wie sonst - Hunderte Mails von Privatpersonen, erreichten uns nun insgesamt mehr als 1000 Mails, die von Wintopia stammten.* Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Gewinnspielportal, für das man sich als User registrieren muss. Die Hoffnung der Portal-Betreiber: Wenn man nur genug Mails rausschickt, landet am Ende bestimmt ein Wintopia-Mitglied auf der Gewinnerliste. Auf der Homepage gibt es sogar eine Anzeige, die stets die aktuelle Gewinnsumme aller Teilnehmer an prominenter Stelle präsentiert. Als wir zuletzt einen Blick darauf warfen, lag sie bei 396.118 Euro (Stand: 22. Februar 2019). 

*Solche Methoden werten wir übrigens als Spam. Unsere Technik kümmert sich nun darum, eine solche Schwemme von Zusendungen eines einzigen Anbieters zu unterbinden.

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Wie funktionieren Gewinnspielportale?

Es gibt Seiten, auf denen man sich kostenlos für die Chance aufs große Glück registrieren kann. Und nicht nur das: Auch die Teilnahme an dort angepriesenen Gewinnspielen kann tatsächlich kostenlos sein. Andere Portale nehmen wiederum Geld dafür. Man muss dann beispielsweise Credits kaufen, die man für die Teilnahme an Gewinnspielen einlöst, oder es gibt einen monatlichen Grundbetrag, der via Kreditkarte abgebucht wird.

Doch am Ende sind selbst die kostenfreien Angebote niemals umsonst. Denn die Portale kommen an etwas, das im Zweifelsfall deutlich wertvoller ist, als Geld: unsere Daten. Die lassen sich nämlich für alles mögliche nutzen und im schlimmsten Fall missbrauchen. 

Wer bereits an mehreren Gewinnspielen teilgenommen hat, der kennt das Phänomen vermutlich: Plötzlich findet sich im Mail-Postfach massenhaft Werbung von dubiosen Firmen. Viagra, Zahnaufhellung und Post von einem stinkreichen, aber vereinsamten Prinzen aus einem verlassenen Teil Westafrikas warten darauf, geöffnet und angeklickt zu werden. Wer das macht, läuft nicht nur Gefahr, seinen Rechner mit Viren zu verseuchen, sondern auch all sein Geld an einen fiktiven Adligen zu überweisen.

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Die Gewinner in der Online-Redaktion

Fast jeder Erwachsene hat irgendwann einmal an einem Gewinnspiel teilgenommen - auch die Online-Redakteure der HNA. Hier kommen die "großen" Gewinne der Kollegen in der Übersicht.

  • Sina Beutner kam unverhofft zu einem Snowboard - Ich habe nur ein einziges Mal etwas gewonnen. Eine Mineralwassermarke hatte auf dem Etikett der Flaschen ganz klein ein Gewinnspiel angekündigt, bei dem ich mitgemacht habe. Als Wochen später ein riesiges Paket geliefert wurde, hatte ich längst vergessen, dass ich teilgenommen hatte. Im Paket war ein Snowboard – mit einem überdimensionierten Aufdruck der Mineralwassermarke. Wer jetzt denkt, das war der Beginn einer großen Snowboardkarriere, der irrt: Ich hab das Board meinem damaligen Freund geschenkt. Der Freund ist weg – ob es das Snowboard noch gibt, weiß ich nicht.
  • Dorothea Backovic und die Geschichte der Steckdose - Viele Jahre meiner Studienzeit verfolgte ich ein deprimierendes Hobby. Ich investierte mindestens 30 Euro pro Monat in den Kauf von Rätselzeitschriften. Hinzu kamen Blanko-Postkarten und stapelweise Briefmarken. Damals war das Internet via Modem in meinen Augen noch langsamer als die Post, allein deswegen lohnte sich der analoge Weg der Datenübermittlung. Innerhalb von zwei bis drei Jahren lachte Fortuna nur müde über meine Bemühungen. Denn ich gewann nichts. Rein gar nichts. Doch dann wendete sich das Blatt. Mit einer kleinen Truppe von Freunden besuchte ich damals ein Fest in Melsungen. Dort gab es eine Tombola. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nie wieder Geld in Glücksspiel zu investieren. Doch der Hauptgewinn war einfach zu verlockend: ein neuer Fernseher. Mein Herz schlug sofort höher, denn als TV-Junkie malte ich mir schon aus, dass ich beim Abräumen dieses Hauptgewinns allein bei der Anlieferung die neidischen Blicke meiner Nachbarschaft spüren würde. Also investierte ich gönnerhaft gleich zehn Euro in Lose. Eins kostete einen Euro. Uns siehe da - endlich ein Gewinn! Zwischen neun Nieten hatte sich eine Losnummer eingenistet. Mit stolz geschwellter Brust marschierte ich zur Abholung. Dort kramte der Herr unter einem Tisch - es hätte mir schon dabei dämmern sollen, dass sich dort kein riesiger Fernseher verbirgt. Stattdessen zog der Mann eine braune Mehrfachsteckdose hervor. "Das ist nichts dran, die ist ganz neu", versicherte er. Das Ding ist übrigens nach ein paar Jahren in meinem Arbeitszimmer durchgebrannt.
  • Philipp David Pries über sein Gewinnspiel-Trauma - Mal eine Hängematte gewonnen, mal ein Einrad: Meine Schwester hatte irgendwie schon immer ein Gewinnspiel-Gen. Ich als größerer Bruder hingegen bin jedes Mal leer ausgegangen. Habe es wieder versucht, habe nicht gewonnen, habe es wieder versucht, habe wieder verloren. Am schlimmsten aber war der gescheiterte Versuch, einen lange angeschmachteten gelben Spielzeug-Bagger zu gewinnen. Es hat nicht sollen sein. Diesem Kindheitstrauma bin ich jahrzehntelang entflohen, in dem ich einfach an keinem einzigen Gewinnspiel mehr teilgenommen habe. Motto: Wer nicht mitmacht, kann auch nicht verlieren. So bin ich sehr gut durchs Leben gegangen - bis ich vor einiger Zeit dann doch einmal schwach geworden bin. Am Ende habe ich bei einer Lotterie glatt ein nigelnagelneues iPhone abgestaubt. Das Smartphone kann zwar lange nicht so gut Sand abtransportieren wie der damals erträumte Bagger. Als kleine Genugtuung nach all den Jahren taugt es bis heute ganz wunderbar.
  • Björn Friedrichs ist vom Glück verfolgt - Mein Gewinnspielglück begann 2008. Beim Public Viewing zur Fußball-EM gab es ein Tippspiel, wer wohl Europameister werde (von der Sparkasse). Alle Freunde tippten Deutschland oder die Niederlande, mich trieb irgendetwas zu Spanien. Tatsächlich tippten nur 36 der Teilnehmer auf Spanien und ich wurde als Gewinner eines 100-Euro-Gutscheins eines Sportgeschäfts ausgelost. Auch das Abonnement des Fußball-Magazins 11 Freunde hat sich schon gelohnt. Bei deren Gewinnspielen sprangen das Videospiel FIFA 18, ein Buch von und über Bayern-Spieler Thomas Müller sowie die Autobiografie von Lukas Podolski als Hörbuch (leider nicht von ihm selbst gelesen) für mich heraus.
  • Leona Lammel hat ein T-Shirt mehr - Vor einigen Jahren fand in dem Autohaus, wo ich mein Auto gekauft hatte, eine Verlosung statt. Der Hauptgewinn war eine Reise nach Afrika, weiterhin gab es mehrere Flachbildfernseher und viel Zubehör fürs Auto. Also, Karte mit den Daten ausgefüllt, in den Lostopf und warten. Einige Wochen später kam dann ein Paket. Für einen Fernseher war es zu klein, aber vielleicht ja groß genug für Tickets nach Afrika? Weit gefehlt. Das Paket enthielt das damalige Heimtrikot des SC Freiburg. Für mich, die damals keine Emotionen Fußball gegenüber hegte, eine herbe Enttäuschung. Getragen habe ich es aber doch, wenn ich zuhause war. Und wenn es nicht weggeworfen wurde, liegt es noch immer in meinem alten Kleiderschrank in meinem Elternhaus.
  • Sebastian Lammel hat nur Pech im Spiel - Ich bin optimistischer Lottospieler und Gewinnspielteilnehmer - und weiß gar nicht so recht, warum. Gewonnen habe ich jedenfalls noch nichts. Wobei - bei einem Rubbellos habe ich einmal ein weiteres Los gewonnen. Das war dann aber wieder eine Niete. Im Lotto bin ich schon mit zwei Richtigen glücklich. Dafür gibt’s zwar nicht einmal einen Trostpreis, aber man hat eben das Gefühl, ganz nah an der Gewinnzone gewesen zu sein. Leben am Glückspiellimit. Vielleicht sollte ich es einfach gut sein lassen und auf die Lebenserfahrung meiner Eltern setzen, die stets betonen: Pech im Spiel, Glück in der Liebe.

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Dieses Video stammt nicht von der HNA. Es ist Bestandteil der unabhängigen Videoplattform Glomex.

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