Gericht rügt Datenschutzmängel in Facebooks App-Zentrum

+
Lieber genau hinschauen: Bei Facebook sollten Nutzer stehts auch das Kleingedruckte beachten. Foto: Jens Büttner

Berlin (dpa/tmn) - Startet man ein Spiel in Facebooks App-Zentrum, stimmt man automatisch der Weitergabe von Daten an Dritte zu. Das Berliner Landgericht hat dies für rechtswidrig erklärt. Kunden müssten explizit darauf hingewiesen werden, heißt es im Urteil.

Facebook muss möglicherweise sein App-Zentrum für Spiele neu gestalten. Laut einem Urteil des Landgerichts Berlin ( Az.: 19 O 60/13) ist die dort verwendete Lösung zur Einwilligung in die Datenweitergabe an Dritte rechtswidrig. Das Gericht schloss sich in seiner Entscheidung der Auffassung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) an. Dieser hatte geklagt, da Facebookkunden seiner Meinung nach nicht ausreichend darüber informiert würden, dass sie beim Start eines Spiels über Facebook einer umfangreichen Weitergabe persönlicher Daten an Dritte zustimmen.

Zu den Daten, die man als Nutzer der Facebook-Apps wie Farmville oder Crazy Penguin Wars mit einem Klick auf einen Button mit der Aufschrift "Jetzt spielen" möglicherweise an Dritte weitergibt, gehören persönliche Informationen und Angaben zu Freunden. Hinzu kommt das Recht, etwa im Namen des Nutzers Beiträge zu veröffentlichen. Nach deutschem Recht ist für eine solche Weitergabe aber die bewusste und informierte Zustimmung eines Nutzers nötig. Zwar listet Facebook unterhalb des "Jetzt spielen"-Knopfes auf, welche Daten möglicherweise weitergegeben werden, dies ging dem Gericht aber nicht weit genug. Es werde nur der Anschein einer Zustimmung erweckt, was irreführend und intransparent sei, heißt es im Urteil. Der Verbraucher könne die Folgen des Zustimmungsklicks nicht richtig abschätzen.

"Viele Verbraucher drücken auf "Jetzt spielen" und lesen das Kleingedruckte gar nicht", sagt Michaela Zinke vom vzbv. Dass sie damit auch einer Weitergabe von Daten zustimmen, realisierten viele nicht. Der vzbv wünscht sich von Facebook einen deutlicheren Hinweis darauf. Unmittelbare Folgen hat das Urteil für das soziale Netzwerk noch nicht. Beim vzbv rechnet man damit, dass Facebook Berufung einlegt. Facebook hat sich diesbezüglich noch nicht festgelegt. Eine Sprecherin konnte am Freitagnachmittag noch keine Stellungnahme zum Urteil abgeben.

Das Urteil des Landgerichts Berlin (pdf)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.