Nach etlichen Manipulationen 

Google will stärker gegen illegale Inhalte und Falschinformationen vorgehen

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Google versus Android. 

Angesichts mutmaßlicher russischer Manipulationsversuche im Internet zur Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 will Google besser gegen illegale Inhalte auf seinen Plattformen vorgehen.

Mountain View - "Wir haben Fortschritte gemacht, aber wir müssen offensichtlich noch mehr tun", sagte der Google-Chef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika, Matt Brittin, in Dublin. Unterdessen verlangte ein britischer Parlamentsausschuss vom Kurzbotschaftendienst Twitter eine Liste russischer Kontonutzer wegen möglicher "Einflussnahme". Brittin zufolge wurde umfassend untersucht, wie Anzeigen auf Google während der US-Präsidentschaftswahl genutzt wurden. Demnach hatten zwei mit Russland in Verbindung stehende Nutzerkonten zusammengerechnet 4700 Dollar (etwa 4050 Euro) für Anzeigen ausgegeben. "Das war relativ begrenzt", sagte Brittin. 

Der Konzern plant unter anderem, endlich den Weg zur verfeinerten Transparenz anzutreten

Die beiden Konten hätten nicht auf geografische oder demografische Merkmale abgezielt - wie es mit dem Ziel der US-Wahlbeeinflussung der Fall hätte sein können. Dennoch sei "jegliche Falschinformation schlecht", erklärte Brittin. Weiterhin wolle Google daher untersuchen, wie die diesbezüglichen Regeln sowie die Transparenz verbessert werden könnten. Der Ausschuss für Digitaltechnik, Kultur, Medien und Sport des britischen Unterhauses (DCMS) befürchtet derweil eine mögliche Einmischung in den "demokratischen Prozess" im Vereinten Königreich. Laut dem Ausschuss erwähnte Twitter am Rande einer Aussage des Chefs der Twitter-Rechtsabteilung vor dem US-Kongress in dieser Woche 2752 Konten, die mit der in St. Petersburg sitzenden Einrichtung Internet Research Agency in Verbindung stünden. 

Twitter-Botschaften zur aktiven Beeinflussung auf den Wahlkampf?

Diese wird beschuldigt, tausende Twitter-Botschaften zur Beeinflussung des US-Wahlkampfs gestreut zu haben. Inzwischen habe sich ergeben, dass einige dieser Konten offenbar auch Inhalte im Zusammenhang mit der britischen Politik enthielten, heißt es in einem Schreiben des konservativen DCMS-Vorsitzenden Damian Collins. Die mögliche Einflussnahme "ausländischer Akteure" sei ein schwerwiegender Vorfall. Ausschusschef Collins hatte bereits im Oktober eine ähnliche Forderung zur Unterrichtung über russische Konten an den Facebook-Chef Mark Zuckerberg gerichtet. Dabei geht es um Internet-Aktivitäten angesichts des Brexit-Referendums im Juni 2016 und der Parlamentswahl im Juni 2017. Der Ausschuss befasst sich unter anderem mit "fake news" im Internet. 

Vertreter der führenden US-Internetkonzerne Facebook, Google und Twitter waren in den vergangenen Tagen vom Kongress in Washington zur mutmaßlichen russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf befragt worden, die über die jeweiligen Plattformen erfolgt sein soll. Google hatte am Montag erstmals öffentlich erklärt, manipulative Inhalte auf seinen Plattformen entdeckt zu haben. Wie bei Facebook stünden auch diese mit der russischen Internet Research Agency in Verbindung. Dabei handele es sich aber um "begrenzte Aktivitäten". Auf der zu Google gehörenden Videoplattform YouTube wurden demnach 18 seither gesperrte Kanäle gefunden, die "wahrscheinlich" mit der russischen Kampagne verbunden seien. Insgesamt wurden dort rund 1100 englischsprachige Videos hochgeladen, die in den 18 Monaten vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten etwa 309.000 Mal angeklickt wurden. Facebook vermutet, dass zwischen 2015 und 2017 bis zu 126 Millionen Nutzer in den USA von russischen Quellen veröffentlichte Kommentare, Berichte und andere Inhalte erhielten. Moskau bestreitet derartige Manipulationsversuche.

AFP

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