Höllentrip mit Sense und Kreuz

Redwood City - Ein Meisterwerk der Weltliteratur als Prügelorgie: Das ist Dante's Inferno. Der ausführlicher Test des Action Adventures von Electronic Arts samt Trailer und Screenshots.

Story

Kurze Nachhilfe in Sachen Kultur: Die "Göttliche Komödie" des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265 bis 1321) gilt als eines der größten Werke der Literaturgeschichte. Die Dichtung erzählt die Reise des Autoren hinunter in die Hölle, durchs Fegefeuer und hinauf Paradies. Diese Reise hört sich folgendermaßen an:

"Sieh dieses Thier, o sieh mich’s rückwärts jagen,

Berühmter Weiser, sei vor ihm mein Hort,

Es macht mir zitternd Puls’ und Adern schlagen."

Das Videospiel basiert dabei auf dem ersten Buch der Göttlichen Komödie, dem Inferno und führt die Hauptfigur durch die neun Höllenkreise Limbus, Wollust, Völlerei, Habgier, Zorn, Ketzerei, Gewalt, Heuchelei und Verrat. Das Spiel hat - um es vorwegzunehmen - mit dem gedämpften Tonfall der Götttlichen Komödie rein gar nichts am Hut. Dante's Inferno ist ein abgedrehtes und rasantes Hack 'n' Slay-Game vom Allerfeinsten.

Screenshots aus Dante's Inferno

Screenshots aus Dante's Inferno

Lesen Sie dazu:

Dante macht der Unterwelt die Hölle heiß

So viel sei ebenfalls vorweggenommen: Für Kinder ist dieser blutige Höllentrip absolut nicht geeignet. Neben drastischen aber auch völlig überzeichneten Gewaltdarstellungen gibt es in Dante's Inferno jede Menge nackter Körper zu sehen. Denn: In einem der Höllenkreise schmachten jene Sünder, die ihr verpfuschtes Leben der Wollust verschrieben haben.

Der Spieler übernimmt dabei die Kontrolle über Dante, mit dem er in der Third-Person-Perspektive zur Hölle fährt: Grund: Luzifer hat dessen Geliebte Beatrice entführt. Als gottesfürchtiger Krieger und als liebender Mann lässt Dante das natürlich nicht auf sich sitzen.

Anders als im literarischen Vorbild macht der virtuelle Dichter jede Menge Höllenbiester mit einer überdimensionalen Sense platt. Wie wir in der Eröffnungsszene erfahren, hat er dieses Werkzeug dem Tod höchstpersönlich entrissen. Außerdem trägt Dante noch ein geheiligtes Kreuz, mit dem er Lichtstrahlen verschießen kann, die Dämonen und sonstige Untiere versengen. Und nein: Diese Waffen kommen im literarischen Original nicht vor - um die zu erwartende Frage zu beantworten.

Ein Spiel, das die Leiden der Hölle thematisiert, kommt natürlich nicht ohne jede Menge brutaler Effekte aus. Dennoch ist das Spiel keine tumbe Gewaltorgie. Den Entwicklern von Visceral Games ist es gelungen, zentrale Handlungsstränge des literarischen Vorbilds im Spiel umzusetzen. Neben den Spielszenen wird die Geschichte des Inferno in Cutscenes und in Comic-Sequenzen erzählt. Ein cooler kreativer Mix!

Gameplay

Wer God of War gespielt hat, wird sich in Dantes Inferno schnell heimisch fühlen, so ähnlich ist das Gameplay. Das ist nicht unbedingt ein Manko. Allerdings haben die Entwickler das Rad des Action-Adventure-Genres auch nicht neu erfunden.

Im Laufe des Spiels kann Dante einigen verlorenen Seelen die Absolution erteilen, oder sie in die ewige Verdammnis entsenden. Unter anderem treffen wir in der Unterwelt auf Pontius Pilatus und auf den deutschen Kaiser Friedrich II. Ob wir diese endgültig plattmachen oder sie von ihren Ledien befreien, wirkt sich direkt auf unsere Waffen aus: Abhängig von unserer Entscheidung erhalten wir Heilig- oder Unheilig-Punkte, die entweder unser geheiligtes Kreuz oder unsere Sense stärker werden lassen.

In der Hölle wird übrigens nicht nur gekämpft, sondern auch geklettert und gesprungen, wobei unsere Sense unter anderem als Greifhaken zum Einsatz kommt. Kleinere Geschicklichkeitsprüfungen in Form von Sprungeinlagen und Rätsel runden das Spiel ab. Zwischendurch gilt es auch Denksportaufgaben zu lösen, die eine nette Abwechslung vom Dämonen-Gehäcksel bieten.

Selbstverständlich wartet am Ende eines jeden Höllenkreises ein überdimensionaler Endboss, der unseren Reflexen einiges abverlangt.

Fazit:

Dante's Inferno ist ein ausgezeichnetes Action-Adventure geworden. Die Entwikckler haben ihrer Fantasie bei der Gestaltung der Hölle freien Lauf gelassen. Herausgekommen ist alptraumhafte Umgebung, die grafisch höchst ansprechend umgesetzt wurde.  Das einzige Mankos ist das bekannte Gameplay. Was aber nichts daran ändert, dass Dantes Inferno aberwitzigen Spaß macht.

Genre: Action Adventure

Entwickler: Visceral Games

Verleger: Electronic Arts

Plattformen: Xbox 360, Playstation 3 und PSP

Erscheinungsdatum: 9. Februar 2010

Altersfreigabe: Ab 18 Jahren

fro

Rubriklistenbild: © Electronic Arts

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