„Wichtig sind Regeln“

Interview: Suchtberater Philipp Theis über World of Warcraft und Computerspiele

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Ein Spieler hat sich zur Premiere von „World of Warcraft: Cataclysm“ wie eine der Figuren des Computerspiels verkleidet.

Kassel. Die Spielefirma Activision Blizzard hat jetzt die dritte Erweiterung des Online-Rollenspiels World of Warcraft (WOW) veröffentlicht. Millionen Menschen verbringen täglich ihre Zeit mit WOW – doch auch andere Computerspiele fesseln Nutzer.

Welche Gefahren dahinterstecken, erklärt Philipp Theis (28), Suchtberater beim Diakonischen Werk Kassel.

Machen Computerspiele süchtig?

Philipp Theis: Pauschal kann man das nicht beantworten. Es gibt zu viele verschiedene Arten von Computerspielen.

Doch es gibt Spiele mit Suchtpotenzial?

Theis: Spiele, die es belohnen, wenn der Spieler viel Zeit investiert, schaffen es, Spieler stark an sich zu binden. Ein Beispiel aus den Online-Rollenspielen: Beim Besiegen eines schwierigen Gegners kann wertvolle Beute gemacht werden. Voraussetzung sind aber Übung und Training in einer Gruppe. Bei Gelingen winkt Beute und ein virtueller Rang – ein pures Erfolgserlebnis. Wer sonst eher in einer schwierigen Lage steckt und diese Welt entdeckt, stellt sich vielleicht nicht mehr den Problemen des Lebens und weicht in die virtuelle Welt aus.

Und was passiert dann?

Theis: Dadurch werden die Probleme im wahren Leben meist noch größer. Und das führt dazu, dass derjenige sich wieder teufelskreisartig ins Spiel flüchtet.

Wie viele Menschen in Deutschland sind von Computerspielsucht betroffen?

Theis: Wir reden nicht von Computerspielsucht, sondern von pathologischer, also krankhafter Mediennutzung. Denn ob es eine Sucht ist, ist nicht sicher, es kann auch sein, dass sich dahinter eine andere psychische Störung verbirgt. In Studien wird geschätzt, dass drei bis zwölf Prozent von pathologischer Nutzung betroffen sind. Das ist aber überschätzt. Ich tippe eher auf eine Quote von 0,5 bis 1,5 Prozent.

Wie sieht der pathologische Nutzer aus?

Theis: Solch einen typischen Nutzer gibt es nicht. Aber es sind eher Männer im Alter zwischen 16 und 25. Oft sind es schüchterne und unauffällige Menschen.

Was ist an einem Rollenspiel wie WOW so gefährlich?

Theis: WOW ist nicht gefährlicher als andere Spiele, es ist nur das bekannteste. Es gibt eine riesige Spielgemeinschaft. Diese und deren ständige Verfügbarkeit lassen den Spieler immer wieder Ziele erreichen und sich verbessern. Indem der Spieler dort seine eigene Welt gestaltet, kann er vom Alltag abschalten.

Was können Eltern machen, um ihre Kinder zu schützen?

Theis: Wichtig sind Regeln für die Nutzung. Mit Absprachen bietet man einen Rahmen. Ein Zwölfjähriger wird nicht von selbst sein Spielverhalten regulieren. • Für Betroffene: Diakonisches Werk - Beratungsprojekt „Real Life“, Kontakt: 0561/93895-0.

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