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Vom Fleischpudding zur Massenmail: So alt und gefährlich ist Spam

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Ursprünglich war "Spam" der Name für Dosenfleisch: Es steht für "Spiced Pork and Ham".

Unerwünschte Massenmails nerven Internetnutzer seit 40 Jahren. Woher kommt Spam eigentlich, woran erkennt man ihn und wann wird er gefährlich?

Heute schon in den Spam-Ordner geschaut? Sie könnten reich werden – richtig reich. Sie könnten einsame Frauen in Ihrer Nähe treffen. Eine Korrekturhilfe für den Großen Zeh gewinnen oder billige Potenzbillen „fur Sex“ kaufen. Die Versprechen kommen von Greta Lehmann oder Alexa höchstpersönlich. Fabian Simon hat sogar schon versucht, Sie anzurufen. „Jedoch ohne Erfolg.“

Insgesamt werden 200 Millionen Spam-Mails täglich in Deutschland verschickt, das ging aus einer Auswertung der Mail-Anbieter GMX und web.de von 2016 hervor. Im April 2018 waren laut Statista.com sogar 55 Prozent aller Mails in Unternehmen Spam-Nachrichten.

"Es ist sehr dringend" - Spamnachrichten wie diese haben viele Internetnutzer zuhauf in ihren Spam-Ordnern.

Internetnutzer werden heute von Massenmails überflutet. Neu ist das Phänomen allerdings nicht: Die erste Spamnachricht wurde bereits vor über 40 Jahren verschickt: im Mai 1978. Während sie an 593 Empfänger rausging, kam in Deutschland gerade das Disco-Fieber auf, der Mount Everest wurde zum ersten Mal ohne Sauerstoffmaske bestiegen und zu den beliebtesten Vornamen gehörten Claudia, Nicole, Stefan und Andreas. 

Mit dem Wort „Spam“ verbanden die Menschen damals noch eine Konserve Fleischpudding: Er war ein Markenname von Spiced Pork and Ham, das vor allem im Krieg häufig zum Einsatz kam. Durch einen Sketch der britischen Komikergruppe Monty Python, in dem „Spam“ über 120 Mal genannt wird, wurde Spam erst später zur Bezeichnung für unerwünschte Massenmails.

In der allerersten unerwünschten Massenmail der Welt wurden noch keine Reichtümer versprochen, niemand warb für Potenzpillen. Stattdessen war sie eine Einladung zu Verkaufspräsentationen von DEC-Computern. Absender Gary Thuerk verschickte sie im Arpanet, einem Vorläufer des Internets, in dem Universitäten, Netzwerk- und Computer-Experten verbunden waren. Von 593 Empfängern erhielten nur 320 die erste Spam-Mail – mehr Adressen konnte das Mailprogramm noch nicht verarbeiten.

Sofort habe es Beschwerden gegeben, sagte Thuerk später gegenüber der amerikanischen Zeitschrift Computerworld. Dennoch habe er Erfolg gehabt: Zu seinen Präsentationen kamen jeweils 20 Menschen, seine Verkäufe hatten seinen Angaben nach einen Wert von mehr als zwölf Millionen Dollar.

Geld ist auch heute noch das häufigste Motiv von Spam. Was haben die Absender eigentlich von Spam und wo lauern die größten Gefahren? 

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt:

Ist Spam gefährlich? Die unterschiedlichen Arten

Phishing-Mail: Laut der Verbraucherzentrale Hessen ist sie besonders hinterhältig und stark verbreitet. Unter falschem Namen, mit gefälschten Logos und Websites versucht der Absender an Passwörter, PINs, TANs und Kreditkartendaten zu kommen. Dafür gibt er sich häufig als Kreditinstitut aus. Gefährlich wird sie, sobald Sie hier persönliche Daten rausgeben.

Malware-Mails: Auch ihre Anzahl nimmt laut Verbraucherzentrale zu. Diese Mails tragen schädliche Software in ihrem Anhang: Viren, Würmer oder trojanische Pferde beispielsweise, die den Computer schädigen können. Sie werden gefährlich, sobald Sie den Anhang öffnen.

Dialer-Programme: Per Spam werden Kettenbriefe und Falschmeldungen, sogenannte Hoaxes, verschickt. Darin sind oft Warnungen oder Aufrufe enthalten, die zu massenhaftem Weiterleiten führen sollen. Eine Gefahr besteht hier nicht unbedingt für Sie persönlich – die Nachrichten belasten laut Verbraucherzentrale allerdings die elektronischen Postfächer und die Funktionsfähigkeit des Internets weltweit.

Spam Mail öffnen: Was tun, wenn ich die Nachricht angeklickt habe?

Die Verbraucherzentrale rät dringend davon ab, Spam-Nachrichten zu öffnen. Außerdem sollte man die Vorschaufunktion des E-Mailprogramms deaktivieren und Absender und Betreff genau prüfen, bevor man eine Mail öffnet.

Sollte es doch einmal passiert sein: In den meisten Fällen besteht durch das bloße Öffnen der Mail noch keine Gefahr. Verschieben Sie sie einfach in den Papierkorb oder den Spam-Ordner. Gefährlich ist es allerdings, Anhänge zu öffnen oder mitgeschickte Links anzuklicken.

In einem Anhang kann – wie bei Malware-Mails häufig der Fall – ein Virus oder ein Trojanisches Pferd stecken. Um herauszufinden, ob Sie sich beim Öffnen etwas eingefangen haben, sollten Sie nun einen Suchlauf per Virenscanner durchführen.

Ein Link kann Ihnen ebenfalls einen Virus einhandeln. Es ist aber auch möglich, dass er auf eine Seite führt, auf der private Daten – Handynummern, Postadressen, Bankdaten etc. - abgefragt werden. Klicken Sie nicht darauf und geben Sie keinesfalls Ihre Daten ein. Häufig sind die Seiten allerdings gut getarnt und wirken auf den ersten Blick seriös. Hilfreich ist es, genau auf die URL zu achten und zu prüfen, ob Sie dieser Seite vertrauen können. Haben Sie Ihre Daten bereits ungewollt an Dritte rausgegeben, sollten Sie nun so schnell wie möglich Ihre Passwörter ändern und gegebenenfalls Ihre Bank informieren.

Manche Spam-Nachrichten wollen auch eine Antwort provozieren. Darauf sollten Sie sich nicht einlassen – vor allem ist es wichtig, in einer Antwort keine privaten Daten preiszugeben.

Woran erkenne ich Spam-Mails?

Achten Sie auf folgende Merkmale: 

  • Der Absender: Häufig geben sich Spammer laut Verbraucherzentrale als Freunde, Arbeitskollegen oder seriöse Unternehmen aus, die Namen weichen aber oft leicht davon ab. 
  • Der Betreff: Häufig passt er nicht zum Inhalt der Mail. Gern verwendet werden „Re: Ihre Anmeldung“, „Ihre Buchung“, „Unser Inkassoauftrag“ oder „Klassentreffen“ – bei Betreffzeilen wie diesen, sollten Sie hellhörig werden. 
  • Der Anhang: Häufig tragen sie Endungen wie .exe, .com, .pif oder .scr.

Wo finde ich den Spam-Ordner?

Hin und wieder kommt es vor, dass auch seriöse Nachrichten im Spam-Ordner landen. So finden Sie den Ordner:

Spamordner öffnen bei Googlemail 

  • Gmail öffnen 
  • Auf der Seite im Suchfeld auf den Pfeil nach unten klicken 
  • Im Drop-down-Menü neben "Suchen" die Option E-Mail, Spam und dann Papierkorb auswählen

Spamordner öffnen bei GMX 

  • GMX öffnen 
  • Auf „E-Mail“ klicken 
  • In der Seitenleiste auf „Spamverdacht“ klicken

1&1 Spamordner öffnen 

  • 1&1 öffnen 
  • In der Kopfleiste auf „E-Mail“ klicken 
  • Der Spamordner in der Seitenleiste heißt „Spamverdacht“

Spam-Mails blockieren: Was kann ich gegen die Nachrichten tun?

Sie können einzelne Absender blockieren. Hier drei Beispiele - so blockieren Sie Absender bei unterschiedlichen E-Mail-Anbietern:

  • Bei Googlemail müssen Sie die Nachricht öffnen, auf „Bearbeiten“ klicken und dann auf „Absender blockieren“. 
  • Bei GMX gehen Sie auf „Einstellungen“, wählen die Blacklist aus, tragen die gewünschte Mail-Adresse ein und speichern. 
  • Bei Outlook gehen Sie auf eine Nachricht des Absenders, klicken auf Registerkarte „Start“ auf „Junk E-Mail“ und dann auf „Absender sperren“.

Virenschutzprogramme, Anti-Spam-Filter und ein aktuell gehaltenes Betriebssystem beugen Spamnachrichten zudem vor. 

Weitere Tipps der Verbraucherzentrale:

  • Verwenden Sie bei der Wahl Ihrer E-Mail-Adresse keine vollständigen Namen 
  • Teilen Sie Ihre E-Mail-Adresse nur Personen mit, die Sie persönlich kennen 
  • Richten Sie sich für Rechtsgeschäfte im Internet eine zweite Adresse ein, die Sie gegebenenfalls wieder löschen können

Außerdem können Sie sich beim eco-Verband über Spam-Nachrichten beschweren.

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