Google: So funktioniert der neue Musik-Dienst

Los Angeles - Der Internet-Konzern Google steigt in den Online-Verkauf von Musik ein und verschärft den Wettbewerb mit Apple: So funktioniert der neue Dienst.

Der Internet-Konzern stellte am Mittwoch in Los Angeles sein neues Angebot vor, das insgesamt 13 Millionen Titel umfasst. Drei der vier großen Plattenfirmen konnte Google für sich gewinnen, einzig Warner Music bleibt außen vor. Zunächst steht das neue Angebot nur den Kunden in den USA zur Verfügung. Später sollen jedoch rund 200 Millionen Android-Nutzer weltweit erreicht werden.

Für Deutschland sei noch kein Einführungstermin bekannt, twitterte ein Sprecher. Grund sei, dass noch keine Einigung mit der Musikverwertungsgesellschaft GEMA erzielt worden sei.

Einige Titel können kostenlos heruntergeladen werden, andere kosten 69 Cent, 99 Cent und 1,29 Dollar. Die Preise sind damit dieselben wie bei Apples iTunes. Die Kunden können ihre gekauften Lieder im sozialen Netzwerk Google Plus teilen; Titel von Freunden können kostenlos gehört werden. Wenn ein Nutzer einen Song kauft, kann er ihn herunterladen, und er wird automatisch auch online gespeichert. Der Titel kann dann über Computer und Mobiltelefone gestreamt werden. Das funktioniert auch über den Safari-Browser, der auf Apple-Produkten wie dem iPad läuft.

Speicherdienst kostenlos

Der zuständige Google-Direktor für digitale Inhalte für Android, Jamie Rosenberg, betonte, Googles Speicherdienst sei für bis zu 20.000 Songs kostenlos. “Andere Cloud-Musikdienste finden, dass Sie zahlen müssen, um Musik zu hören, die Ihnen bereits gehört“, erklärte er. “Wir finden das nicht.“ Die Äußerung war ein Seitenhieb auf Apple, dessen Speicherdienst iTunes Match 25 Dollar pro Jahr kostet.

Partner beim Start des Musikdienstes war T-Mobile USA. Das Unternehmen erklärte, es werde seinen Kunden kostenlose Titel anbieten und ihnen bald ermöglichen, ihre Songs mit der Telefonrechnung zu bezahlen. Google forderte unabhängige Künstler auf, ihre Titel und biografische Informationen gegen eine einmalige Gebühr von 25 Dollar einzustellen. Die Künstler können 70 Prozent der Einnahmen aus ihren Titeln behalten.

Google hatte den Musikdienst bereits im Mai als Beta-Version vorgestellt. Millionen Menschen in den USA beteiligten sich und luden ihre digitalen Songs hoch, um sie dann auf Computer und Android-Geräten abzuspielen. Der Test war ein Erfolg: Die Kunden streamten durchschnittlich 2,5 Stunden pro Tag Musik.

dapd

Wecker, Festnetz, CD: 10 Dinge, die vom Aussterben bedroht sind

Computer und Smartphones den Alltag rasant. Im digitalen Zeitalter wird vieles schnell unmodern. Zehn (angeblich) unmoderne Dinge und Phänomene ... © dpa
HANDSCHRIFTLICHE BRIEFE: Na, leiden Sie auch unter Nostalgie beziehungsweise “Netzlos-talgie“? In Zeiten des Internets liegt kaum noch persönliche Post im Briefkasten - fast nur noch Rechnungen und Werbebroschüren. Selbst die Liebe wird oft nur noch in SMS und E- Mails bekundet. Menschen des 19. Jahrhunderts würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, dass ihr geliebter seitenlanger Brief im 21. Jahrhundert vom Aussterben bedroht ist. © dpa
2. POSTKARTEN: Früher war es Pflicht, aus dem Urlaub eine kitschige Ansichtskarte zu schicken. “Viele Grüße aus...“, “Das Wetter ist schön und wir unternehmen viel...“ - belanglose Zeilen dieser Art vermisst wohl niemand. Allerdings gibt es kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn ein lieber Mensch ihm eine Karte schreibt, statt nur mit einer Handy-Nachricht oder via Facebook über eine Reise zu berichten. © dpa
3. PAPIERFOTOS: Die vergilbten Kinderfotos aus den 60er und 70er Jahren, die Urlaubsfotos aus den 80ern (oder gar die Dias!) - früher konnte man Erinnerung in den Händen halten und betrachten. Etwa seit Mitte der Nullerjahre sind viele Reisen und private Ereignisse nur noch auf Chipkarten und in Computern gespeichert. Wehe den Babys, die 2010 geboren wurden - ist ihre Kindheit nach einem PC-Absturz komplett ausgelöscht? © dpa / Jens Schierenbeck
4. LEXIKA UND WÖRTERBÜCHER: Wissen hatte früher ein paar hundert Seiten und passte zwischen zwei Buchdeckel. Die Vokabeln und das Allgemeinwissen gingen von A bis Z. Nur manchmal wünscht man sich diese niedliche Welt zurück. Sonst ist es wunderbar, stets aktualisiertes Wissen im Web zu finden und zum Beispiel das französische Wort für “Pulverschnee“ nicht minutenlang erblättern zu müssen, sondern schnell getippt abzufragen. © dpa
5. DIE CD: Am schlimmsten waren in den 90ern diese unförmigen CD- Ständer, die Platz wegnahmen und suggerierten, ein cooler Staubfänger zu sein, jedoch einfach nur ein Staubfänger waren. In Zeiten von iTunes und MP3 kaufen immer weniger Menschen materielle Tonträger. Die Musik ist flüchtiger geworden und nimmt auch keinen Platz mehr weg in den Wohnungen. Ausgenommen vom Trend zur leeren Wohnung: Schallplatten-Fans... © dpa
6. 2D-FILME: Wenn die Kinowirtschaft nicht mehr weiterweiß, dann greift sie zu 3D. In den 50ern und 60ern gab es eine 3D-Welle, um die Leute weg vom Farbfernseher zu Hause in die Lichtspielhäuser zu locken, in den 80ern waren dann Videorekorder der Grund. Zurzeit geht es darum, die Menschen weg von den Raubkopien und Computerspielen ins Kino zu bewegen. Diesmal scheint sich der Trend zu verstetigen. Doch schlechte Storys sind auch in 3D nicht gut. © dpa
7. FESTNETZTELEFONATE: Immer mehr Menschen schaffen ihr Festnetztelefon ab, weil sie es neben dem Mobiltelefon zu teuer finden oder sowieso kaum daheim sind. Mancher fühlt sich von einem Anruf zu Hause mehr gestört als vom Handy, das zwar in der Tasche ein weit größerer Eingriff in die Privatsphäre ist, aber notfalls auch lautlos gestellt oder ausgeschaltet sein kann. Ein lautes Festnetztelefon in der Wohnung schreckt oft mehr auf. © dpa
8. DISKUSSIONEN: Früher gab es ausgiebige Debatten unter Freunden. Wie hieß nochmal der Laden in Paris mit den tollen Cocktails? Heute wird jedes aufkommende Gespräch weggegoogelt. Irgendjemand ist immer da, der sein Handy zückt und im Internet nachschaut. Keine Fachsimpeleien mehr, sondern mehr oder weniger gesicherte Fakten von Wikipedia. Alles wird geklärt, bevor die Unterhaltung anregend wird. Manchmal sitzen Menschen zusammen und starren lieber aufs Smartphone als Smalltalk zu betreiben. Die virtuelle Realität besiegt das echte Gegenüber. © dpa
9. WECKER: Wo früher der Wecker stand, liegt heutzutage das Handy mit Weckfunktion. Ein eigenes Gerät braucht man für den Start in den Tag nicht mehr. Aus dem Tiefschlaf lässt man sich moderner reißen. Besser wird der unangenehme Vorgang dadurch aber nicht. © dpa
10. ECHTE FREUNDE: Das Wort “Freund“ hat im Zeitalter sozialer Netzwerke eine schwächere Bedeutung bekommen. Freundschaft ist..., wenn man Kontakt miteinander aufnimmt. Ich klicke dich an, du klickst mich an. Kann man mehr als 150 Bekannte haben? Kritiker werfen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (neben datenschutzrechtlichen Problemen) vor, seine “süchtigen“ etwa 500 Millionen Nutzer in der Welt eines unbekümmerten Harvard-Studenten gefangen zu halten. © picture alliance / dpa-tmn
Ist das wirklich so? Jedenfalls sprechen die Angewohnheiten vieler Nutzer dafür: Sie laden möglichst nur “coole“ Interessen und Bilder hoch, machen eindeutige Beziehungsangaben und wenig komplexe Statusangaben und pflegen vor allem die Unsitte, jeden einmal Gesehenen zum “Freund“ zu verklären. © picture alliance / dpa-tmn

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