"Musikvernichtung durch YouTube"

Klavierkonzert wegen Handyfilmer abgebrochen

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Pianist Krystian Zimerman

Essen - Der renommierte Pianist Krystian Zimerman hat in Nordrhein-Westfalen ein Klassikkonzert wegen eines illegalen Video-Mitschnitts unterbrochen und wütend die Bühne verlassen.

Der Essener Zuhörer hatte bei dem Konzert des Klavierfestivals Ruhr am Montagabend auf der Empore zunächst unbemerkt mit einem Smartphone mitgefilmt. Dann fiel er Zimerman auf. „Würden Sie das bitte lassen“, forderte der Pianist den Zuhörer auf. Zimerman spielte zunächst weiter, konnte sich aber nicht mehr konzentrieren und verließ sichtlich verärgert nach kurzer Zeit mitten im Stück die Bühne.

Er habe schon viele Plattenprojekte und Kontakte verloren, weil man ihm sagte: „Entschuldigung, das ist schon auf YouTube“, sagte er nach seiner Rückkehr wenige Minuten später zur Erklärung. „Die Vernichtung der Musik ist enorm durch YouTube.“ Auf eine Zugabe verzichtete er aber trotz des lauten Beifalls. Auch den Empfang nach dem Konzert sagte er ab. „Es ist Diebstahl, was da passiert“, sagte der Intendant des Festivals, Franz Xaver Ohnesorg. Das sitze tief, vor allem bei einem sensiblen Künstler.

Wegen der guten Qualität moderner Handykameras sei das Mitfilmen zum großen Problem geworden, bestätigte die Sprecherin der Verwertungsgesellschaft Gema, Ursula Goebel. Raubkopierer hätten oft kein Unrechtsbewusstsein und sollten auch nicht voreilig kriminalisiert werden. Viele nutzten die Aufnahmen ja auch nur für den Privatgebrauch. Wenn die Filme ins Netz gestellt würden, verlören die Künstler aber vielfach Aufträge, Plattenverträge oder sonstige Einnahmen. „Komponisten fahren Taxi, weil sie nicht mehr gebucht werden.“

Zimerman, der schon 1975 den Grand Prix des Warschauer Chopin-Wettbewerbs gewonnen hatte, gilt als einer der weltweit wichtigen Pianisten. Der Sohn einer polnischen Musikerfamilie gibt pro Saison nur etwa 50 Konzerte, die er mit Akripie vorbereitet. So nimmt er zu den Tourneen in aller Welt seinen eigenen Flügel mit.

dpa

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