Millionengeschäft durch Videos im Internet

Das System Youtube: Mit Klicks zum Millionär

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Verbreite dich selbst: Mit dem YouTube-Motto „Broadcast Yourself“ haben mittlerweile einige Privatpersonen viel Geld verdient. Wie viel genau, das dürfen die YouTuber nicht sagen. Schätzungen zufolge sollen die bekannten deutschen YouTuber wie LeFloid einen sechsstelligen Betrag im Jahr bekommen. 

YouTube ist heute längst nicht mehr nur eine Plattform, um selbst gedrehte Amateurfilme im Internet zu veröffentlichen. 

Durch Werbung haben einige Nutzer das Videoportal als lohnenswerte Einnahmequelle für sich entdeckt. Wir erklären, wie das System YouTube funktioniert.

Sie heißen Y-Titty, LeFloid oder PewDiePie und produzieren Parodien, präsentieren skurrile Nachrichten oder kommentieren ihre Handlungen bei Videospielen. Ihre Plattform ist YouTube und ihr Medium sind Videos.

YouTuber sind gerade bei jungen Menschen voll im Trend: Bei einer Umfrage des US-Magazins „Variety“ unter 1500 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren belegen YouTube-Stars acht der ersten zehn Plätze auf der Beliebtheitsskala. Und nebenbei verdienen einige von ihnen viel Geld mit ihren Hobbyfilmen. So viel, dass sie innerhalb von einem Jahr zum Millionär aufgestiegen sind.

Das YouTube-Prinzip:

Nutzer erstellen ein Konto, laden ihre Videos hoch und können durch einen Google-AdSense-Account Werbung auf ihre Aufnahmen schalten. Doch wie funktioniert das? Wie viel Geld zahlt YouTube?

Aktualisiert um 12.11 Uhr.

YouTube selbst sowie das Mutterunternehmen Google sind mit Auskünften zurückhaltend und verweisen auf Informationen auf ihrer Webseite. „Mit der Einführung des Partnerprogramms 2007 ermöglicht YouTube Nutzern, ihre selbst erstellten Videos einem weltweiten Publikum zu präsentieren und sogleich Geld damit zu verdienen“, äußert sich eine Youtube-Sprecherin.

So funktioniert es:

Das als Grundlage notwendige YouTube-Konto sowie der Google-AdSense-Account sind kostenlos. AdSense ist ein Onlinedienst des Unternehmens, der Anzeigen für Internetauftritte anbietet.

Die Schritte zu einem gewinnbringenden Videoauftritt beschreibt YouTube so: Über die Kontoeinstellungen kann man den eigenen Account für die „Monetarisierung“ aktivieren, anschließend dann entscheiden, auf welche Videos Anzeigen geschaltet werden sollen und welche Form die Anzeigen haben sollen. Abschließend muss das Konto mit Google AdSense verbunden werden.

Die Bezahlung:

Um die Bezahlung der YouTuber macht Google ebenfalls ein Geheimnis: „Wie viel du verdienst, hängt von mehreren Faktoren ab. Die beiden wichtigsten sind der Anzeigentyp und die Preisgestaltung dieser“, heißt es bei YouTube. Der YouTuber Julez (Julian Weißbach) gibt an, dass es von Google aus verboten sei, über Einnahmen zu sprechen.

Wie wird gerechnet:

Über die Online-Statistikseite www.socialblade.com wurden die Einnahmen von YouTubern aber ausgewertet. Das Ergebnis: schätzungsweise zwischen 50 Cent und fünf Euro pro 1000 Klicks auf ein Video. Abhängig ist die Bezahlung auch davon, wie erfolgreich ein YouTube-Kanal ist. Ein besonders erfolgreicher YouTuber wird oft zusätzlich auch von externen Werbekunden angesprochen und kann dadurch den Verdienst noch steigern. Mittlerweile wird von YouTube sogar überprüft, wie lange Nutzer die Werbung anschauen. Die Werbeeinnahmen werden anschließend geteilt: 55 Prozent erhält der YouTuber, 45 Prozent Google.

Der Erfolgreichste:

Der erfolgreichste YouTuber ist der Schwede PewDiePie (Felix Arvid Ulf Kjellberg) mit fast 40 Millionen Abonnenten und über zehn Milliarden Aufrufen. YouTube trat er 2010 bei. Seine erste Million machte er drei Jahre später. Kjellberg kommentiert Videospiele und hat damit inzwischen geschätzt 15 Millionen Euro verdient.

Auch die HNA ist bei YouTube aktiv. Den Kanal findet man unter: zu.hna.de/youtube2809.

Hintergrund: Darf ich Videos runterladen?

Mithilfe verschiedener Converter ist es möglich, YouTube-Videos innerhalb von Sekunden in MP3-Dateien umzuwandeln. Die Frage, die sich dabei immer wieder stellt: Ist das erlaubt?

„Es kommt darauf an, was man damit macht“, antwortet Christian Mische, Fachanwalt aus Kassel für Urheber- und Medienrecht. „Es ist erlaubt, Videos für den privaten Gebrauch runterzuladen, wenn diese Videos nicht illegal online stehen. YouTube löscht in der Regel unrechtmäßige Videos innerhalb von 24 Stunden. Das, was länger online steht, darf man daher meistens auch runterladen“, sagt Mische.

Mit welchen Mitteln man die Videos downloade, mache dabei keinen Unterschied, und auch das Umwandeln in MP3-Format sei nicht verboten. „Wichtig ist, dass ich das, was ich runterlade, nicht öffentlich zugänglich mache oder weitergebe“, erklärt Mische. (mhb)

www.irights.info

Das sagt die Steuerbehörde:

Bevor man alles auf eine Karte setzt und versucht, seinen Lebensunterhalt mit YouTube-Videos zu bestreiten, sollte man bedenken, dass auch diese Einnahmen versteuert werden müssen. Die Oberfinanzdirektion Hessen gibt dazu Hinweise:

Selbstständigkeit

Die Frage der Selbstständigkeit ist in Paragraf 15 Absatz zwei des Einkommensteuergesetzes geregelt: Demnach ist ein Gewerbebetrieb eine selbstständige und nachhaltige Tätigkeit, die mit der Absicht unternommen wird, Gewinn zu erzielen, und eine Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt. Das bedeutet, dass nur die Absicht, mit YouTube-Videos Geld zu verdienen, vorhanden sein muss, auch wenn diese nur ein Nebenzweck der wirtschaftlichen Betätigung ist. Eine Mindesteinnahme oder ein Mindestgewinn ist nicht erforderlich. Ein Gewerbebetrieb kann also schon dann vorliegen, wenn noch überhaupt kein Geld verdient wird.

Abgaben

Es gelten die steuerlichen Regelungen wie für jeden Gewerbetreibenden: Der Gewerbebetrieb muss bei der Stadt oder Gemeinde und dem Finanzamt angemeldet werden. Auf die Umsätze ist - soweit die Leistung in Deutschland erbracht wird - grundsätzlich Umsatzsteuer zu zahlen und der Gewinn unterliegt der Einkommen- und Gewerbesteuer.

Präzedenzfälle

Der Hessischen Finanzverwaltung liegen bisher keine Fälle vor, bei denen YouTuber ihre erwirtschafteten Einnahmen nicht versteuert haben. 

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