20 Jahre Mobilfunk: Vom Knochen zum Smartphone

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Handys sind zum täglichen Begleiter geworden.

Düsseldorf - Die ersten Mobiltelefone wogen noch ein halbes Kilogramm. Vor 20 Jahren trat das Handy seinen Siegeszug an und eroberte den Massenmarkt. Heute ist es digitaler Alltagsbegleiter für Groß und Klein.

Es war der Beginn einer neuen Epoche im Kommunikationszeitalter: Der Start des digitalen Mobilfunks in Deutschland mit den beiden D-Netzen durch den damaligen Mannesmann-Konzern und die Deutsche Telekom am 30. Juni und 1. Juli 1992. Die ersten Netze waren gelegt, Funkmasten und Sender aufgebaut. GSM oder Global System for Mobile Communication nannte sich der erste Standard, der die Übertragung von Sprache und später auch von Textbotschaften möglich machte.

“Wir sind Handy“ - kein Satz versinnbildlicht die Beziehung der Deutschen zum Mobiltelefon vermutlich besser als dieser Werbespruch. Die Entwicklung des Geschäfts und das rasante Wachstum in den 90er Jahren raubte selbst den kühnsten Propheten und wagemutigsten Auguren den Atem. Im Mobilfunk ging die Post ab: Trotz anfänglicher hoher Preise für das mobile Telefonieren und für Geräte verfielen immer mehr Verbraucher dem Handy - eine Bezeichnung, die es nur in Deutschland gibt und keineswegs englischen Ursprungs ist. Über viele Jahre war das Handy das beliebteste Geschenk unter dem Weihnachtsbaum.

Schon früh nach dem Start des digitalen Mobilfunks setzte ein Preisverfall ein, wodurch der Wettbewerb weiter angeheizt wurde. Mit Minutenpreisen von knapp unter 2 D-Mark oder heute rund 1 Euro waren Telekom und Mannesmann an den Start gegangen. Die Grundgebühr lag bei mehr als 70 D-Mark. Doch dann ging es bei den Preisen steil bergab. Heute sind Pauschaltarife vorherrschend, so genannte Flatrates. Die Minutenpreise bei Mobilfunkdiscountern liegen heute bei unter zehn Cent.

Happy Birthday, Telefon!

2011 feierte das Telefon einen runden Geburtstag: Am 26. Oktober 1861 stellt Johann Philipp Reis sein "Telephon" erstmals der Öffentlichkeit vor. Als Prüfung der Übertragungsmöglichkeit der Sprache auf elektrischem Weg wählt er den Satz: "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat." © dpa
1876 meldet der Kanadier Alexander Graham Bell sein Telefon, eine Weiterentwicklung des Reis'schen Apparats, zum Patent an. In Deutschland wird 1877 das erste Gespräch mit einem Bell-Apparat geführt. Noch im selben Jahr produziert die Firma Siemens & Halske die ersten Telefone. © dpa
1887 werden in Deutschland erstmals Frauen für die Vermittlungstätigkeit eingestellt. Bald prägte der Begriff "Fräulein vom Amt" ein ganz neues Berufsbild. Das Bild zeigt ein Vermittlungsamt in Dortmund um 1901. © Museumsstiftung Post und Telekommunikation/telekom.com
Eine echte Vieltelefoniererin war offenbar Marlene Dietrich. In den 70er-Jahren brachte die Diva es laut ihres Enkels auf Telefonrechnnungen in Höhe von monatlich 300 Dollar. © dpa
Das "Rote Telefon" - hier hängt es im Künstlerhotel Louise in Berlin neben dem Fenster mit Reichstagsblick. Das Symbol für die direkte Kommunikation zwischen Moskau und Washington existierte so jedoch nicht. Um Fehler beim Simultandolmetschen zu vermeiden, war zwischen den Staatsoberhäuptern lediglich eine Fernschreiberverbindung installiert. © dpa
Knallgelb und aus Kunststoff: Lange Jahre war die Telefonzelle "TelH 78" in deutschen Städten zu finden. Die allererste Telefonozelle wurde im Jahr 1904 von Wilhelm Quante in Berlin gebaut. © dpa
Inwischen wurde die Telefonzelle durch die Telefonsäule ersetzt. Diese passt sich mit modernem Design dem heutigen Stadtbild vor allem in Großstädten besser an. © dpa
Mit dem A-Netz entstand die Möglichkeit, mobil zu telefonieren. Dieses Gerät gilt als das erste mobile Telefon und war fürs Auto gedacht. Es wog 16 Kilo und fand nur im Kofferraum des Autos Platz. Benutzt hat es zum Beispiel Konrad Adenauer. © dpa/Museumsstiftung Post und Telekommunikation
Das erste echte Handy: Das Motorola Dynatac 8000x, liebevoll "der Knochen" genannt, wog mit 800 Gramm etwa so viel wie eine Flasche Wasser und war länger als eine DIN -A4 Seite. Der Akku versagte bereits nach einer halben Stunde Sprechzeit. Es war ab 1983 für den stolzen Preis von 3.995,- US-Dollar zu haben. © dpa
Im 1992 nahm Mannesmann (heute Vodafone) sein D2-Netz in Betrieb. Der so genannte GSM-Standard (Global System for Mobile Communication) löste das analoge C-Netz ab. Damit begann die Ära der kleinen und leistungsstarken digitalen Mobiltelefone. Ein paar Tage nach Mannesmann folgte in Bonn die Deutsche Telekom mit ihrem D1-Netz. © dpa
Die weltweit erste SMS wurde am 3. Dezember 1992 verschickt. Seitdem steigt die Zahl der verschickten SMS stetig an. 2011 erwartet der Verband der Telekommunikations- und Mehrwertdiensten einen neuen Rekord: Schätzungen zufolge verschicken die Deutschen täglich 116,9 Millionen SMS . © dpa
Angela Merkel gestand 2004 in der Sendung " Johannes B. Kerner", SMS -Nachrichten nicht nur während Sitzungen, sondern auch zu Hause beim Kochen, zu schreiben. Die Handy-Mailbox dagegen lässt die Kanzlerin ausgeschaltet, da ihr das Abhören der Nachrichten zu lange dauere. © dpa
Die heutigen Handys sind weit mehr als Telefone zum Mitnehmen. Seit Steve Jobs sein "iPhone" auf den Markt gebracht hat, sind die sogenannten "Smartphones" als Lifestyle objekte und multimediale Alleskönner sehr beliebt. Der Vorteil: Egal ob man einen Film sehen, Musik hören, oder "mal kurz etwas googlen" möchte, man muss nur in die Hosentasche greifen. © dpa

Mit massiven Subventionen für die damals noch sehr teuren Handys gelang es den Anbietern, attraktive Angebote für die Kunden zu schnüren. Als die Betreiber dann 1994 den Kurznachrichtendienst SMS einführten, war die junge Kundschaft für den Mobilfunk endgültig elektrifiziert: “Simsen“ wurde zu einem neuen Begriff. Binnen weniger Jahre entwickelte sich SMS zu einem der beliebtesten Handy-Dienste. Hinzu kamen die Guthabenkarten, die eine bessere Kostenkontrolle ermöglichten.

Die Netzanbieter Telekom (D1) und damals Mannesmann Mobilfunk (D2) lieferten sich einen Kampf um die Gunst der Kunden und die Marktführerschaft. Im Jahresrhythmus legten sie atemberaubende Zuwachsraten hin. Der Mobilfunk entwickelte sich für die Betreiber zu einer wahren Goldgrube. Allein im Jahre 1999 verdoppelte sich die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland auf 48 Millionen. Der Erfolg kostetete Mannesmann schließlich die Eigenständigkeit: Der britische Riese Vodafone übernahm die Düsseldorfer im Jahr 2000 nach einem mehrmonatigen Abwehrkampf zum heute fast unvorstellbaren Preis von 190 Milliarden Euro.

114 Millionen Handys für 80 Millionen Deutsche

Mitte der 90er Jahre wurden zwei weitere Mobilfunklizenzen in Deutschland vergeben - es entstanden die E-Netze mit den heutigen Anbietern E-Plus und Telefónica O2. Die Nachzügler schafften es zwar bis heute nicht, bei den Kundenzahlen auch nur annähernd zu den Branchenführern aufzuschließen, doch sie eroberten Marktanteile auch in einem gesättigten Markt. Rund 114 Millionen Handyanschlüsse gibt es heute in Deutschland, bei 80 Millionen Einwohnern. Durch den digitalen Mobilfunk, schätzen Experten, seien 100 000 Arbeitsplätze in geschaffen worden.

Derzeit errichten die Netzanbieter den Standard der vierten Generation (LTE) und machen sich damit fit für den enorm gestiegenen Datenhunger der Kunden. Die ersten LTE-Handys sind auf dem Markt. Kaum vorstellbar, dass das erste GSM-fähige Mobiltelefon, das Motorola International 3200, einmal 33,4 Zentimeter maß und mehr als ein halbes Kilogramm auf die Waage brachte. Das iPhone von Apple misst gerade einmal 11,5 Zentimeter und wiegt 145 Gramm - abgesehen von den Funktionen wie E-Mail, Kalender, Wecker, Internet oder Apps für alle Lebenslagen - vor 20 Jahren noch unvorstellbar.

dpa

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