Manipulations-Verdacht: Google droht Milliardenstrafe

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Google droht eine Milliardenstrafe.

Brüssel - Der Verdacht erhärtet sich: Google manipuliert nach Ansicht der EU-Kommission bei der Online-Suche Ergebnisse - und benachteiligt Konkurrenten.

Im Verfahren um die Geschäftspraktiken des Suchmaschinen-Giganten Google zieht die EU-Kommission die Daumenschrauben an: Binnen Wochen muss Google Vorschläge präsentieren, wie das Unternehmen künftig bei der Online-Suche die Angebote von Konkurrenten fair anzeigen will. In einem Schreiben habe er den Google-Chef zu Zugeständnissen aufgefordert, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Montag in Brüssel: “Ich hoffe, Google wird diese Gelegenheit ergreifen, um unsere Bedenken auszuräumen.“ Der Vorwurf lautet, dass Google Ergebnisse manipuliert und Angebote anderer Suchdienste vorsätzlich in den unteren Rängen platziert hat.

Lenke Google ein, sei die Kommission bereit, das Verfahren einzustellen. Ansonsten drohen Google hohe Strafen von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Nach Ansicht der Brüsseler Wettbewerbshüter haben sich die Beschwerden von Mitbewerbern gegen den Marktführer erhärtet: “Wir sind besorgt, dass die Praxis Konkurrenten benachteiligt hat“, sagte Almunia.

Das sind die wichtigsten Google-Dienste

iGoogle: Damit können Sie die Google-Suchmaschinenseite auf Ihre Bedürfnisse zuschneiden und um zusätzliche Informationen erweitern. Zum Beispiel mit Wetterdaten, TV-Programm, Google-News, Börsendaten oder dem Posteingang Ihres Googlemail-Kontos. © 
Google-Logo zum Todestag von Freddie Mercury: Google ändert die Optik seines Logos hin und wieder für eine begrenzte Zeit, wenn es einen passenden Anlass gibt. © 
Googlemail: Googlemail ist ein kostenloser Webmaildienst mit vielen Funktionen und viel Speicherplatz. Doch Vorsicht: Google scannt Ihre Mails, um Ihnen passende Werbung präsentieren zu können. © 
Google Talk: Wer keine Lust auf ICQ, AIM, MSN Messenger oder die Chatfunktion von Facebook hat, der kann zum Instant Messenger von Google greifen. © 
Google +: Das soziale Netzwerk von Google. Mit Google + hat der Internetriese Facebook den Kampf angesagt.  © 
Google Voice- und Video-Chat: Mit dieser Software können Sie mit Familie und Freunden von Angesicht zu Angesicht sprechen. © 
e Blogger: Wenn Sie Ihre Gedanken jedermann zugänglich machen wollen, können Sie zu diesem Dienst greifen. Sie müssen dazu keine eigene Weblog-Software installieren, sondern benötigen nur einen Google-Account, geben Ihrem Blog einen Namen und wählen eine Vorlage aus. © 
Die Blog-Suche: Damit Ihnen nicht entgeht, was andere in ihr virtuelles Tagebuch schreiben. © 
Google Groups: In den Newsgroups von Google können Sie nach Diskussions-Themen suchen und mit anderen diskutieren. © 
Google Image Search: Mithilfe der Bildersuche können Sie Bilder, Fotos und Zeichnungen zu Ihrem Suchbegriff im Internet aufspüren. © 
Google News: Hiermit stellen Sie sich Ihren individuellen News-Überblick zusammen. Zu einem Suchbegriff finden Sie die neuesten Web-Einträge. © 
Google-Produktsuche: Damit können Sie online Produkte suchen, finden und Preise vergleichen. © 
Google Kalender: Damit verwalten Sie online Ihre Termine. © 
Google Mobile: Damit holen Sie sich Google-Suche, Google Maps, Google Mail und weitere Google-Angebote speziell aufbereitet auf Ihr Handy. © 
Google AdSense: Ein Werbetool für Webseiten-Betreiber. Hierbei verdienen Sie, indem Sie Google-Werbung auf Ihrer Website einblenden. Abgerechnet wird nach Klicks. © 
Google Online-Werbedienst: Adwords ist Googles Online-Werbedienst. Hier können Sie Werbung auf Google schalten. Abgerechnet wird ebenfalls nach Klicks. © 
Google Page Creator: Einfache Webseiten lassen sich damit ohne HTML-Kenntnisse erstellen. © 
Google Picasa: Ein Gratis-Tool, mit dem sich Bilder verwalten und bearbeiten lassen. Mit Google Hello können Sie die Bilder zusammen mit anderen via Internet betrachten. © 
Google Picasa Webalben: Damit können Sie online Ihre Foto-Alben führen und Ihren Bekannten zeigen. © 
Google Reader: Der Newsreader für die sogenannten RSS-Feeds - beispielsweise Blog-Beiträge, die so automatisch einlaufen. Mit wenigen Mausklicks können Sie Nachrichten-Feeds zu den von Ihnen gewünschten Themen abonnieren. Wenn Sie sich Ihr Paket nicht selbst zusammen stellen wollen, können Sie auch zu einem der fertig von Google geschnürten Paketen greifen. © 
Google Search Appliance: Eine hochpreisige Hardware-Lösung für Unternehmen, die eine eigene Suchmaschine z.B. für ihre internen Daten einrichten wollen, die etwa auf Intranetservern liegen. Als preiswertere Variante zur Search Appliance steht Google Mini  zur Verfügung. © 
Google-Sprachoptionen: Damit können Sie nach verwandten oder identischen Wortgruppen zu den Begriffen suchen, die Sie eingeben. Sie können auch ganze Sätze oder auch komplette Websites übersetzen lassen, wenn Sie die URL eingeben. © 
Google Übersetzer: Ist im Prinzip so etwas wie eine abgespeckte Variante der verschiedenen Sprachoptionen. Einfach in der Google-Startmaske bei „mehr“ Übersetzer eingeben, Wörter eintippen, Sprache wählen und Enter drücken. © 
Google Video: Mit dieser spezialisierten Suche finden Sie Videos im Internet. Hierzu greift Google auf Youtube zurück. © 
Google Youtube: Das Video-Portal ist einer der Senkrechtstarter unter den Web-2.0-Portalen. Die Macher konnten ihr 2005 gegründetes Portal bereits 2006 für rund 1,3 Milliarden Euro an Google verkaufen. © 
Google Bücher: Die Online-Büchersuche, von der sich so mancher Verleger und Autor bedroht fühlt. © 
Google Analytics: Ein Gratis-Tool für Besitzer von Websites, die die Besucherströme ihrer Seiten analysieren wollen. Sie können sich unter anderem anzeigen lassen, wie viele Besucher pro Tag auf ihren Seiten waren, wie lange sie auf welchen Unterseiten verweilten und von welchen Seiten sie kamen. © 
Google Docs: Googles Angriff auf das allgegenwärtige Microsoft Office heißt Docs & Spreadsheets, zu deutsch Texte und Tabellen. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm stehen komplett via Internet zur Verfügung. © 
Google Konten: Den Google Account braucht man für viele der Dienste des Internetriesens wie zum Beispiel für Google Mail oder Google Talk und andere. Für manche Dienste wie Suchmaschine oder Google Earth braucht man kein Passwort. © 
Google Maps: Macht einen Desktop-Routenplaner oft überflüssig. Damit orientieren Sie sich in Städten und können Ihre geplante Fahrroute zu Hause am PC zusammenstellen. Bei der Ansicht können Sie zwischen Kartenansicht, Satellitenansicht und Geländeansicht wählen. In die Karten lässt sich ein- und auszoomen. © 
Google Earth: Der Shootingstar der Google-Familie und der große Bruder von Google Maps. Anders als bei Maps müssen Sie bei Google Earth erst ein kleines Programm auf Ihren PC laden. Danach können Sie virtuell um die Erde düsen und unseren Planeten aus der Satellitenperspektive anschauen. Unser Ausschnitt zeigt Kassel. © 
Google Scholar: Die Suchfunktion speziell für wissenschaftliche Arbeiten. © 
Google Pack: Google Pack ist ein Software-Paket, das es Ihnen ermöglicht mehrere Google-Dienste auf einmal herunter zu laden. Die Bestandteile bekommen Sie aber auch einzeln. © 

Weltweit liegt der Konzern ganz vorne und hat nach früheren Angaben rund 85 Prozent Marktanteil bei Suchanfragen, in Deutschland und Europa sogar mehr als 90 Prozent. In der EU ist es verboten, dass Unternehmen, die einen großen Teil des Marktes kontrollieren, ihre Position zum Schaden von Verbrauchern und Konkurrenten ausnutzen. Feste Fristen gibt es für das Verfahren nicht.

Bereits mehrfach hat die EU-Kommission hart gegen IT-Konzerne durchgegriffen. So musste Microsoft eine EU-Geldbuße von insgesamt 1,7 Milliarden Euro zahlen, weil es nach Ansicht der EU-Kommission seine Marktmacht bei Browsern ausgenutzt hatte.

Die zehn meist gesuchten Nachrichten

Die Internet-Suchmaschine Google hat eine Liste der Nachrichten veröffentlicht, die im vergangenen Jahr bei den Internet-Nutzern am beliebtesten waren. Auf Platz zehn landete „Opel“. © dpa
Auf Platz neun der „Eurovision Songcontest 2009“. © dpa
Auf Platz acht landete der Suchbegriff „Handball WM“ © dpa
Der Regierung sei Dank. Das Schlagwort „Abwrackprämie“ landete auf Platz sieben. © dpa
Apple wird‘s freuen: „Iphone“ landete auf dem sechsten Rang. © dpa
Daumen hoch: „DSDS“ belegt den fünften Platz der Top Ten. © dpa
Den Platz auf dem Treppchen hat „Windows 7“ auf Platz vier knapp verpasst. © dpa
„Lotto“ erhält die Google-Bronze-Medaille, Platz drei. © dpa
Der King of Pop ist bei Google nicht mehr top. Nur Platz zwei für das Stichwort „Michael Jackson“. © dpa
2009 war das Jahr der Schweinegrippe. Keine Nachricht wurde häufiger gegoogelt, Platz eins. © dpa

Ein Google-Sprecher sagte in Brüssel, man werde die Argumente der EU-Kommission prüfen. “Wir stimmen mit deren Schlussfolgerungen nicht überein, aber wir werden gerne über deren Bedenken diskutieren.“ Der Wettbewerb im Web habe in den vergangenen zwei Jahren - seit Beginn der EU-Untersuchung - stark zugenommen. “Der Wettbewerbsdruck, unter dem Google steht, ist enorm.“

Brüssel hatte das Verfahren im November 2010 eingeleitet. Vier Punkte umfassen die Vorwürfe: Der Suchmaschinenbetreiber habe - womöglich vorsätzlich - bei Produktanfragen eigene Dienste wie Preisvergleiche zu bestimmten Themenfeldern (Reisen oder Restaurants) prominent platziert. Die Seiten anderer Suchdienste seien bei den Ergebnissen weit unten erschienen. Zudem habe Google Inhalte von konkurrierenden Suchdiensten zu einem bestimmten Themenfeld kopiert und in seinen eigenen Angeboten benutzt, sagte der EU-Kommissar: “Diese Praxis könnte Reise-Webseiten oder Restaurantführern schaden.“

Zudem habe Google mit Vereinbarungen Werbepartner daran gehindert, auf ihren Webseiten Anzeigen von Konkurrenten zu schalten, so die EU-Kommission. Bei der Online-Werbung auf der Plattform AdWords habe Google Konkurrenten die Übertragbarkeit auf eigene Plattformen erschwert. Der Klage, der IT-Riese habe möglicherweise die Preise für Textanzeigen hoch getrieben, geht die EU-Kommission nicht nach. Die Untersuchungen in anderen Fragen - zum Beispiel dass Google Konkurrenten von Mobilfunk-System Android abgeschottet habe - laufen nach Almunias Worten weiter.

Mehrere Google-Konkurrenten, darunter die britische Preisvergleichs-Website Foundem, die Justizsuchmaschine ejustice.fr und das zu Microsoft gehörende deutsche Verbraucherportal Ciao, hatten sich bei der EU-Kommission beschwert. Ciao hatte zuvor auch beim Bundeskartellamt Beschwerde eingereicht.

Während der Druck aus Brüssel wächst, hat Google an anderer Stelle einen Erfolg errungen. Google darf Motorola übernehmen und damit seine Macht auf dem Smartphone-Markt ausbauen. Als letzte Instanz haben Chinas Wettbewerbshüter den Weg für den 12,5 Milliarden Dollar schweren Zukauf frei gemacht.

dpa

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