Analyse: Microsoft kauft Skype – doch wer profitiert davon ?

Kostenlos telefonieren am Computer: Mit Skype ist dies möglich. Nun kauft der Software-Riese Microsoft diesen Dienst. Foto: dpa

New York / Berlin. Der Coup ist perfekt: Microsoft kauft für 8,5 Milliarden Dollar in bar (5,9 Mrd. Euro) den Telefondienst Skype für Gespräche im Internet. Skype ist der größte Profiteur in der Branche und deshalb begehrt.

Der Windows-Konzern zahlt Milliarden für das 2003 gegründete Unternehmen, das im Prinzip nur eines kann: günstigere Gespräche bieten, als sie übers klassische Telefon möglich sind. Und dies im Bild. Möglich machen dies Kameras in Laptops und Handys.

Über eine halbe Milliarde Nutzer hat Skype bereits überzeugt. Das weckt Begehrlichkeiten. Ursprünglich war geplant, Skype im Frühjahr an die Börse zu bringen. Unbekannte Investoren, die es von Ebay übernahmen, dürften sich die Hände reiben. 2005 hatte Ebay Skype für knapp zwei Milliarden Euro gekauft.

Heute hält Ebay noch 30 Prozent an Skype, die beiden Gründer – der Schwede Niklas Zennström und sein dänischer Kumpel Janus Friis – teilen sich weitere 14 Prozent. Die Investoren mussten handeln. Denn Skype ist an seine Wachstumsgrenzen gestoßen und braucht dringend einen finanzkräftigen Partner. Mobilfunkbetreiber wie die Deutsche Telekom und Vodafone wollen Verbindungen von einem Skype-Gerät zum nächsten sperren und für die Nutzung Zuschläge von monatlich bis zu 15 Euro verlangen. Damit wollen sie verhindern, dass ihnen Umsätze mit Gesprächen wegbrechen, wenn Kunden merken, dass sie mit einer herkömmlichen Flatrate kostenlos über Skype plaudern können.

Dass der Preis auf 8,5 Mrd. Dollar stieg, dürfte an den Gerüchten der vergangenen Tage liegen. Denn außer Microsoft, buhlten auch Google und Facebook um Skype. Profitiert hätten alle von einem Kauf – am stärksten aber Microsoft. Microsoft: Mit dem Zukauf will der Windows-Konzern seine Position im Internet-Geschäft und Mobilfunk verbessern. Mit Skype kann Microsoft sein Kommunikationsprogramm Outlook als Teil des Office-Pakets für Unternehmen für den Austausch in Echtzeit aufrüsten. Der Kundenstamm von Skype könnte dem „Windows Live Messenger“ zu Popularität verhelfen. Eine Integration bietet sich auch in das bislang erfolglose Engagement auf dem Markt der Betriebssysteme für Handys und Tablet-PCs an, wo Microsoft mit Nokia kooperiert. Skype kostet zwar viel Geld, Microsoft rüstet sich damit aber für die Zukunft, in der Mobilität und Kommunikation an Wert gewinnen.

Google: Mit „Google Voice“ hat der Suchmaschinenbetreiber zu Skype zwar eine Konkurrenz aufgebaut, kann aber nicht mit so vielen Nutzern glänzen. Eine Integration von Skype brächte Geschäftskunden. Denn Google bietet E-Mail, Kalender und Plattformen für Unternehmen an. Sie alle setzen auf Videokonferenzen. Mit Skype ließen sich dafür die Kosten drücken.

Facebook: Das soziale Netzwerk bringt zwar über eine halbe Milliarde Menschen auf der Welt zusammen, bietet aber nur Textnachrichten. Es fehlt die schon selbstverständliche Funktion, Gespräche auch mit Stimmen und Gesten anzubieten. (mwe/dapd)

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