„Brich der Schlampe das Genick“

Mitarbeiter-Handbuch enthüllt! Das sind Facebooks geheime Lösch-Regeln

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Geheime Handbücher zeigen, welche Inhalte Facebook wirklich löscht.

Hasskommentare und gewaltverherrlichende Videos sind auf Facebook stark verbreitet. Sätze wie „Ich hoffe, dich bringt jemand um.“ dürfen im Netz stehen bleiben. Das sagen die geheimen Handbücher der Mitarbeiter.

London - Nach welchen Kriterien löscht Facebook Hasskommentare und gewalttätige Inhalte? Immer wieder steht das soziale Netzwerk in der Kritik, weil die Frage unzureichend geklärt ist. Der Konzern betont, jede Meldung werde von einem Muttersprachler begutachtet und aufgrund der Gemeinschaftsrichtlinien entschieden, ob Inhalte aus Facebook gelöscht werden.

Drohungen, Hate Speech und Volksverhetzung - Was Facebook wirklich löscht

Der britischen Zeitung Guardian liegen nach eigenen Angaben geheime Handbücher der Facebook-Mitarbeiter vor, die Einblick in die Lösch-Regeln des Riesenkonzern geben. Über 100 Schulungsunterlagen, Präsentationen und Diagramme sollen vorliegen. Auch die Süddeutsche Zeitung durfte die internen Dokumente einsehen. Demnach befassen sich die Papiere mit Handlungsweisen und Löschregeln für Facebook-Mitarbeiter und definieren, wann etwas wirklich terroristisch, gewaltverherrlichend oder rassistisch ist. Und wie steht es um Pornografie, Suizid oder Kindermissbrauch? Bei der Auswertung stellte man fest: Im Regelwerk sind massig Grauzonen erlaubt.

Hasskommentare wie „Brich der Schlampe das Genick“ sind durchaus erlaubt, Sprüche dagegen wie „Jemand sollte Trump erschießen“ allerdings nicht. Die Begründung: Er ist Staatsoberhaupt und damit in einer Kategorie, die „geschützt“ werden muss. Andere Kommentare wie „Schlag die mit den roten Haaren“ seien dafür zu allgemein und damit keine glaubwürdige Bedrohung. Ähnlich ambivalent sind auch die folgenden Punkte aus dem Regelwerk, wie der Guardian berichtet:

  • Videos von gewalttätigen Morden werden nicht immer gelöscht, weil sie die Sensibilisierung für ein Thema wie solches erzeugen können.
  • Einige Fotos von nichtsexuellem Missbrauch und Mobbing von Kindern werden nicht als „störend“ empfunden, außer sie sind sadistisch oder verherrlichend.
  • Fotos von Tiermissbrauch dürfen geteilt werden: Sie werden nur in den wenigsten Fällen gelöscht, da sie „zu unaufgeregt“ sind. Man kann die Fotos allerdings als „störend“ markieren.
  • Handgemachte Sexvideos oder Videos, in denen Nacktheit vorkommt, sind erlaubt. Nur Digital erstellte Videos nicht.
  • Videos von Abtreibungen sind erlaubt - außer jemand ist darin nackt zu sehen.
  • Facebook will weiterhin Menschen erlauben, ihren Suizid live zu streamen. Der Social-Media-Konzern ist der Ansicht, dass die Inhalte nur als Hilfeschreie dienen. „Bei der Entfernung könnte verhindert werden, dass sie gehört werden“, zitiert die Süddeutsche Zeitung aus den Papieren. Erst wenn die Möglichkeit ausgeschlossen sei, der betroffenen Person zu helfen, werden die Aufnahmen gelöscht.

Das große Dilemma um die Sicherheit bei Facebook

Monika Bickert, Leiterin der globalen Politikverwaltung von Facebook, sagt selbst: „Wir fühlen uns verantwortlich für unsere Gemeinschaft, um sie sicher zu halten. Wir werden weiterhin investieren, um die Seite proaktiv zu halten, aber wollen auch die Menschen dazu ermächtigen, uns alle Inhalte zu melden, die unsere Standards verletzen.“

Doch vor allem wenn es um Hasskommentare geht, hat die Vergangenheit gezeigt, dass Facebook diese Tiraden gerne schön redet. Demnach beschwichtigt Facebook in den Handbüchern, dass „Menschen gewalttätige Sprache nutzen, um online ihre Frustration auszudrücken.“ Und den Menschen mangele es an Empathie durch die Art der Kommunikation über das Internet, der fehlenden Face-to-Face-Situation.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kritisiert schon seit langem die Leitfäden des Social-Media-Konzerns. Deshalb möchte er ein Hatespeech-Gesetz durchsetzen. Das sieht vor, dass Facebook beim Löschen von strafbaren Inhalten stärker in die Pflicht genommen werden soll. Damit soll sich Facebook endlich an die deutschen Gesetze halten, betonte Maas. Ob sich der Gesetzesentwurf wirklich durchsetzen wird und wie sich damit die Sicherheit bei Facebook verändert, bleibt abzuwarten.

nm

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