Raumfahrt

Raumschiff „CST-100 Starliner“ landet nach missglücktem Start 

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Eigentlich war die Rückkehr des „Starliner“ erst für den 28. Dezember geplant – doch nach Komplkationen landete das Raumschiff sechs Tage früher.

Das neue Raumschiff „CST-100 Starliner“ von Boeing soll in Zukunft Astronauten zur ISS transportieren. Nach einem missglückten Start ist es wieder gelandet. 

  • Das Raumschiff „CST-100 Starliner“ von Boeing startet zum unbemannten Testflug zur ISS
  • In Zukunft soll sie Astronauten transportieren - doch der Flug verläuft nicht glatt
  • Derzeit kreist „CST-100 Starliner“ um die Erde, 48 Stunden nach dem Start soll das Raumschiff landen

Update, 22.12.2019, 20.00 Uhr: Nach einer Panne zum Start ist das Raumschiff „Starliner“ am Sonntag früher gelandet als geplant. Es setzte rund eine Woche vor der ursprünglich vorgesehenen Rückkehr auf dem White Sands Space Harbor Runway auf, einem Testgelände zwischen zwischen Albuquerque und El Paso. Die Weltraumbehörde Nasa und Projektpartner Boeing übertrugen die Landung live im Internet. 

Mit dem – gemeinsam von Boeing und der Nasa entwickelten – „Starliner“ sollen künftig Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) gebracht werden. Ursprünglich hatte auch der unbemannte Testflug am Samstag dort andocken sollen. Nach dem Start einer Atlas-V-Rakete mit der Raumkapsel an Bord von dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral war es am Freitag aber zu einem Problem bei der automatischen Zündung der Antriebe gekommen. In der Folge hatte das Raumschiff so viel Treibstoff verbraucht, dass es nicht mehr in den geplanten Orbit und zur ISS gelangen konnte. Die Rückkehr auf die Erde war ursprünglich für den 28. Dezember geplant gewesen.

„CST-100 Starliner“ von Boeing mit Problemen - was man bisher weiß

Zusammenfassung der Situation (Stand 20.12., 16.20 Uhr): Der Start des „CST-100 Starliner“ an Bord einer „Atlas V“-Rakete um 12.36 Uhr ist gelungen und auch die anschließende Trennung von der Rakete ist reibungslos abgelaufen. Doch danach begannen die Probleme: Offenbar war die Uhr an Bord des Raumschiffs nicht richtig synchronisiert, wodurch das Timing von „CST-100 Starliner“ nicht korrekt war.

Das Raumschiff kam deshalb mit den Zeiten durcheinander und nutzte dadurch zu früh mehr Treibstoff als geplant. Dadurch war nicht mehr genug Treibstoff übrig, um die ISS anzusteuern. „CST-100 Starliner“ befindet sich jedoch in einem stabilen Orbit und wird 48 Stunden nach dem Start in White Sands, New Mexico landen.

Was die Probleme des „Starliner“ für die Zukunft bedeuten, ist offenbar noch unklar, so lange man nicht weiß, was die Ursache des Problems ist. Wird es einen weiteren unbemannten Testflug geben, der dieses Mal die ISS erreicht? Oder reicht der Nasa ein gelungener Start und eine Landung, die hoffentlich auch gelingen wird? Was auch immer passieren wird, es beeinflusst das „Commercial Crew Program“ der Nasa und könnte den Zeitplan noch einmal nach hinten verschieben.

„CST-100 Starliner“ von Boeing: Astronauten haben keine Sicherheitsbedenken

Update, 15.55 Uhr: Was die Ursache des Problems von „CST-100 Starliner“ ist, ist bisher nicht klar. Daher weiß Nasa-Chef Bridenstine nach eigenen Angaben auch noch nicht, wie es weitergeht: Wir ein weiterer unbemannter Testflug zur ISS benötigt oder werden beim nächsten Flug Astronauten an Bord sein?

Update, 15.53 Uhr: Die Astronauten, die als erste Menschen mit „Starliner“ fliegen sollen, verbreiten eine positive Stimmung: Sie hätten keine Sicherheitsbedenken, alle Mechanismen, die ihre Leben schützen sollten, hätten funktioniert, so Nicole Mann.

Update, 15.45 Uhr: Ein Vertreter von Boeing erklärt, dass „CST-100 Starliner“ „gesund“ sei. Im aktuellen Orbit kann das Raumschiff in 48 Stunden in White Sands, New Mexico, landen.

Update, 15.42 Uhr: „Es kann sein, dass die Situation anders gelaufen wäre, wenn Astronauten an Bord gewesen wären“, sagt Bridenstine. Das Problem habe auch mit der Automation zu tun. „Unsere Astronauten wären sicher gewesen.“

Update, 15.40 Uhr: „Viele Dinge sind heute richtig gelaufen“, so Nasa-Administrator Bridenstine. „Das ist der Grund, warum wir Tests durchführen“, erklärt Bridenstine bei einer Pressekonferenz zum Status von „CST-100 Starliner“. Das Timing des Raumschiffs sei nicht richtig gewesen, weshalb es zu früh zu viel Treibstoff verbraucht hat. Deshalb wird „CST-100 Starliner“ die ISS nicht erreichen.

Update, 15.35 Uhr: Demnächst soll eine Pressekonferenz beginnen. Offenbar handelte es sich um einen Softwarefehler, der für Probleme von „CST-100 Starliner“ sorgte.

Probleme von „CST-100 Starliner“ von Boeing: Uhrzeit-Anomalie

Update, 14.50 Uhr: Nasa-Chef Bridenstine veröffentlicht auf Twitter eine erste Erklärung für die Probleme von „CST-100 Starliner“: Es habe eine Anomalie bei der „Mission Elapsed Time“ gegeben. Dadurch kam das Raumschiff offenbar mit den Zeiten durcheinander und nutzte mehr Treibstoff als geplant. „Das verhinderte ein Rendezvous mit der ISS“, so Bridenstine weiter. Nun sei man dabei, „CST-100 Starliner“ nach und nach anzuheben.

Update, 14.45 Uhr: Die Boeing-Pressekonferenz für 15 Uhr wurde abgesagt - dafür gibt es erste Informationen von Boeing: Man habe erfolgreich die Triebwerke gezündet und plane jetzt die nächsten Schritte.

Update, 14.20 Uhr: Während viele Raumfahrt-Interessierte auf Twitter auf weitere Nachrichten zum aktuellen Stand warten, gibt es mittlerweile zahlreiche Beschwerden, wie Boeing und die Nasa die Situation handeln: Intransparent und unsouverän. Informationen sind so gut wie keine verfügbar - obwohl es sich bei „CST-100 Starliner“ um ein Projekt handelt, das mit US-Steuergeldern finanziert wurde.

Die Raumkapsel „CST-100 Starliner“ von Boeing startet an Bord einer „Atlas V“-Rakete von Cape Canaveral. Nach der Trennung von der Rakete hat „CST-100 Starliner“ Probleme.

Update, 14.05 Uhr: Mittlerweile gibt es ein Mini-Update der Nasa, das jedoch nichts Neues verrät. „CST-100 Starliner“ ist nicht im geplanten Orbit. „Das Raumschif ist derzeit in einer stabilen Konfiguration“, heißt es bei der Nasa, Flugkontrolleure seien auf Fehlersuche.

Informationen über „CST-100 Starliner“ von Boeing in einer Pressekonferenz erwartet

Update, 13.45 Uhr: Mehr als eine Stunde nach dem Start des „Starliner“ weiß man noch nicht viel über seinen aktuellen Status. Der Nasa-Livestream ist mittlerweile beendet, Informationen soll es erst bei einer Pressekonferenz um 15 Uhr geben.

Update, 13.40 Uhr: Wie der Nasa-Chef Jim Bridenstine twittert, befindet sich „Starliner“ in einem stabilen Orbit. Allerdings sei die Zündung der Triebwerke, die für das Rendezvous mit der ISS benötigt werden, nicht erfolgt.

Update 13.23 Uhr: Bei der Nasa ist mittlerweile von einer „off nominal insertion“ die Rede, das bedeutet wohl, dass „Starliner“ in einer Umlaufbahn ist, allerdings gibt es bisher keine Details. Man habe die Kontrolle über das Raumschiff und plane die nächsten Schritte, heißt es bei der Nasa.

„CST-100 Starliner“ von Boeing hat Probleme beim Testflug - Details sind unbekannt

Update 13.16 Uhr: Eigentlich sollten die Triebwerke längst gezündet haben, um den „Starliner“ in die geplante Umlaufbahn zu bringen. Doch das ist noch nicht geschehen, weil das Raumschiff offenbar noch nicht die richtige Höhe hat.

Update, 20. Dezember 2019, 12.53 Uhr: Nach dem Start um 12.36 Uhr hat sich die Raumsonde „Starliner“ von der Rakete abgetrennt und fliegt alleine weiter. In knapp 15 Minuten folgt ein Schub der Triebwerke, mit dem „Starliner“ in die benötigte Umlaufbahn einschwenkt.

Erstmeldung vom 20. Dezember 2019: Als am 21. Juli 2011 das Space Shuttle „Atlantis“ auf der Landebahn des Kennedy Space Center aufsetzte, ging in den USA eine Ära zu Ende: Mit dem Ende des Space-Shuttle-Programms verloren die USA die Fähigkeit, Astronauten ins All zu bringen. Seitdem ist die stolze Raumfahrernation von den russischen Sojus-Raumkapseln abhängig, wenn es darum geht, US-Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS zu transportieren.

Für Frachttransporte gibt es mittlerweile andere Lösungen: Neben der russischen Sojus bringt unter anderem der unbemannte Frachter „Dragon“ von SpaceX Transportgüter zur ISS. Für den Transport von Astronauten gibt es eine solche Lösung bisher nicht - sie ist allerdings bereits seit 2014 in Arbeit. Boeing und SpaceX haben damals milliardenschwere Verträge mit der US-Raumfahrtorganisation Nasa abgeschlossen. Die Aufgabe: Raumkapseln entwickeln, mit denen künftig Astronauten von US-amerikanischem Boden ins All aufbrechen können.

Unbemannte Generalprobe: „Starliner“ von Boeing startet zur ISS

Und wie es scheint, gehen beide Unternehmen mit ihren Crew-Kapseln Ende 2020 auf die Zielgerade: Am 20. Dezember 2019 um 12.36 Uhr deutscher Zeit soll „CST-100 Starliner“ von Boeing zum so genannten „Orbital Flight Test“ (OFT) starten. Dabei handelt es sich um nicht anderes als eine unbemannte Generalprobe: Die Raumkapsel wird mit Hilfe einer „Atlas V“-Rakete der United Launch Alliance (ein Joint Venture von Boeing und Lockheed Martin) in Cape Canaveral abheben.

Nach etwa einem Tag in einer Umlaufbahn um die Erde soll der „CST-100 Starliner“ die ISS erreichen und dort automatisch andocken. Die sechs Astronauten, die sich derzeit auf der ISS aufhalten, müssen nichts tun - sie können auch gar nicht eingreifen. Das Andock-Manöver ist eine der Funktionen, die von der Erde aus ganz genau beobachtet werden dürften, denn es ist essentiell für das Gelingen der Generalprobe.

Boeing-„Starliner“ soll eine Woche an der ISS angedockt bleiben

Der „Starliner“ soll etwa eine Woche an die ISS angedockt bleiben, bevor er sich auf den Rückweg zur Erde macht. Am 28. Dezember soll sich die Raumkapsel von der ISS abtrennen und zur Erde zurückkehren. Das wird - im Gegensatz zum Hinflug - nur etwa 45 Minuten dauern. Zurück auf der Erde angekommen, wird die Raumkapsel genau untersucht werden, zudem werden sämtliche Daten analysiert, die beim Testflug angefallen sind.

„Dieser Testflug wird uns wertvolle Daten über die Leistung der Raumkapsel in seiner tatsächlichen Umgebung geben“, freut sich Trip Healey, der die Mission für die Nasa betreut. „Es ist wirklich aufregend, an der Schwelle dieses großen Moments in der Geschichte zu stehen“, so Healey weiter.

Ist der Test gelungen, werden beim nächsten Mal die Nasa-Astronauten Michael Fincke und Nicole Mann sowie Boeing-Astronaut Chris Ferguson an Bord des „CST-100 Starliner“ sein. Sie sind die Besatzung für den so genannten „Crew Flight Test“, den ersten bemannten Testflug zur ISS. Wann der stattfindet, steht noch nicht fest.

„Crew Dragon“: Auch SpaceX arbeitet an einer bemannten Kapsel

Neben Boeing arbeitet auch SpaceX derzeit im Auftrag der Nasa an einer Raumkapsel, die Astronauten zur ISS transportieren kann. Die Raumsonde „Crew Dragon“ hat ihren unbemannten Testflug zur ISS bereits im März 2019 absolviert*. Im April explodierte dann beim Test der Abbruchvorrichtung eine unbemannte „Crew Dragon“ - was den Zeitplan verzögerte. Als nächstes steht für SpaceX ein weiterer Test des Notfallabbruch-Systems an, ohne den die Raumkapsel keine Astronauten transportieren darf. Diesen Test hat der „Starliner“ bereits hinter sich.

SpaceX und Boeing sollten eigentlich 2017 erstmals Astronauten zur ISS bringen. Doch technische Probleme und Verspätungen führten bei beiden Unternehmen zu Verzögerungen*. Welches Unternehmen die ersten Astronauten seit 2011 von US-amerikanischem Boden ins All schicken darf, ist noch nicht bekannt.

Nasa kauft derzeit Sitze für Astronauten in der russischen Sojus

Fest steht jedoch, dass es im ersten Halbjahr 2020 soweit sein dürfte, wenn nichts mehr schiefgeht. Es wird auch höchste Zeit: Die Nasa kauft für ihre Astronauten derzeit Sitze in der russischen Sojus-Raumkapsel - mit etwa 81 Millionen Dollar pro Person eine teure Angelegenheit.

Der letzte Sojus-Flug, für den die Nasa Sitze gekauft hat, soll im April 2020 zur ISS starten. Danach - so hofft man zumindest in den USA - ist man wieder in der Lage, US-Astronauten selbst ins All zu schicken. Trotzdem verhandelt die Nasa jedoch mit Russland, um zwei weitere Sitze zu kaufen - sicher ist sicher.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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