Corona-Tests

Wann ein Antikörpertest sinnvoll ist und warum er keine absolute Sicherheit bringt

Ein Antikörpertest weist auf eine zurückliegende Infektion mit dem Coronavirus hin. Zwischen den ersten Symptomen und der Blutentnahme sollten mindestens zwei Wochen liegen.
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Ein Antikörpertest weist auf eine zurückliegende Infektion mit dem Coronavirus hin. Zwischen den ersten Symptomen und der Blutentnahme sollten mindestens zwei Wochen liegen.

Viele Menschen würden sich gern auf Antikörper testen lassen. Geht das so einfach? Unter welchen Bedingungen? Wann wird überhaupt auf das Virus getestet? Ein Überblick. 

Halsschmerzen, Husten, erhöhte Temperatur: Habe ich mir kurz vor Sommerbeginn noch eine Erkältung eingefangen oder doch das Coronavirus? Was war mit dem schweren Infekt, der mich im Februar geplagt und ans Bett gefesselt hat? War es am Ende Covid-19 und nicht die Grippe, wie damals vermutet? 

Es sind Fragen, die in diesen Wochen viele Menschen umtreiben, die sich krank fühlen oder es in letzter Zeit waren. Ein Test könnte Aufschluss geben. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Tests auf eine bestehende Infektion und Antikörpertests, die auf eine zurückliegende Infektion mit dem Coronavirus hinweisen.

Eine akute Infektion wird meist über einen Abstrich aus Mund, Nase oder Rachen festgestellt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt inzwischen, bei ausreichenden Kapazitäten alle Patienten mit Atemwegserkrankungen zu testen. Besonders dringlich ist ein Test, wenn jemand dazu noch in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu Infizierten hatte, einer Risikogruppe angehört oder im Krankenhaus oder einem Pflegeheim arbeitet.

Covid-19 oder Grippe? Zuerst mit Hausärztin oder Hausarzt klären

Wer unter den typischen grippalen Beschwerden wie Halsweh, Husten, Schnupfen, Fieber oder auch Geruchs- und Geschmacksverlust leidet, sollte zunächst am besten die Hausärztin oder den Hausarzt anrufen und die Symptome schildern; auf keinen Fall jedoch sollte man unangemeldet in der Praxis erscheinen. Gemeinsam wird dann am Telefon besprochen, ob ein Test sinnvoll ist und wo man ihn am besten machen lässt – das kann ein spezielles Zentrum, eine Klinik oder die Hausarztpraxis sein.

Alternativ kann man sich unter der Rufnummer 116 117 auch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Dort wird man unter anderem nach Vorerkrankungen, Alter und Beschwerden gefragt und erhält auf dieser Grundlage eine Einschätzung.

Test nach der PCR-Methode bei Verdacht auf Corona-Infektion das Mittel der Wahl 

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 wird in der Regel nach der PCR-Methode getestet. PCR ist die Abkürzung für die sogenannte Polymerasekettenreaktion, die das Erbgut des Coronavirus nachweist. Dafür wird ein Abstrich genommen, wobei das RKI zwei Proben empfiehlt: eine aus dem Rachen und eine aus der Nase. 

Die Proben werden anschließend in einem Labor untersucht. Meist dauert es ein, zwei Tage, bis ein Ergebnis da ist. In der Zwischenzeit sollten die Betroffenen sich in freiwillige Quarantäne begeben. Es gibt auch Schnelltests, bei denen bereits nach etwa zweieinhalb Stunden ein Ergebnis vorliegt. Sie sind jedoch teurer und gelten als etwas weniger zuverlässig.

Antigentests sind eine weitere – noch relativ neue – Methode, um eine Infektion nachzuweisen. Auch hier wird ein Abstrich aus dem Mund-Nasen-Rachenraum genommen. Ein Teststreifen zeigt innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis an. Getestet wird auf Eiweißbausteine des Erregers (Antigens) in der Probe. Bislang gelten Antigentests allerdings als weniger verlässlich als Tests mit der PCR-Methode.

Mit einem Antikörpertest lässt sich zurückliegende Corona-Infektion nachweisen

Eine zurückliegende Infektion lässt sich mit einem Antikörpertest nachweisen. Dafür muss Blut entnommen werden. Antikörper sind Proteine, die das menschliche Immunsystem als maßgeschneiderte Abwehrreaktion bildet, wenn es Krankheitserreger im Körper entdeckt hat. 

Die Antikörper werden in Klassen unterteilt, die unterschiedliche Aufgaben haben und unterschiedlich schnell produziert werden. Besonders schnell tätig sind etwa die eher fürs „Grobe“ zuständigen IgM-Antikörper. Im weiteren Verlauf der Infektion gehen dann auch die IgG-Antikörper an den Start, die spezifischer wirken und länger im Blut verbleiben.

Der Nachweis von Antikörpern ist ein komplexes Verfahren, das mehrere Schritte erfordert. Zum Teil können Antikörpertests auch eine bestehende Covid-19-Erkrankung aufdecken. Allerdings vergehen nach der Ansteckung einige Tage bis zwei Wochen, bis das Immunsystem die verschiedenen Antikörper produziert hat. Deshalb schlagen die Tests in einem frühen Stadium der Erkrankung nicht an und sind als Nachweis einer aktuellen Infektion nicht geeignet.

Ein Corona-Antikörpertest gilt ab der dritten Woche als aussagekräftig

Ab der dritten Woche gilt ein Antikörpertest als aussagekräftig. Zwischen den ersten Symptomen (sie treten meist erst mehrere Tage nach der Ansteckung auf) und der Blutentnahme sollten deshalb mindestens zwei Wochen liegen. Als besonders genau gilt zudem ein Verfahren, bei dem zweimal im Abstand von sieben bis 14 Tagen Blut entnommen wird. Antikörpertests werden inzwischen von mehreren Herstellern weltweit angeboten, ihre Qualität ist unterschiedlich.

Doch Ungewissheiten bleiben: So lässt sich nicht hundertprozentig ausschließen, dass eine frühere Infektion mit einem der harmloseren Corona-Erkältungsviren zu einem falsch-positiven Ergebnis führen kann. Außerdem verschwinden Antikörper bei länger zurückliegenden Infektionen mit der Zeit aus dem Blut. Das muss nicht gleichzeitig ein Schwinden der Immunität bedeuten: Gedächtniszellen des Immunsystems können in der Lage sein, bei einem erneuten Kontakt mit einem Erreger die entsprechenden Antikörper schnell wieder zu bilden. Wie lange die Immunität im Fall von Sars-CoV-2 anhält, weiß man bislang aber nicht.

Positiver Antikörper-Nachweis könnte zu falscher Sorglosigkeit führen

Der Nutzen eines Antikörpertests für einen einzelnen Menschen ist aus all diesen Gründen eingeschränkt: Man weiß dann zwar mit einiger – wenn auch nicht absoluter – Sicherheit, ob man mit dem Coronavirus infiziert war und zumindest vorübergehend immun ist. 

Was das jedoch konkret bedeutet, wie lange man danach immun ist und sich nicht mehr neu anstecken kann, ist ungeklärt. Deshalb könnte ein positiver Antikörper-Nachweis zu falscher Sorglosigkeit verleiten.

Für die Wissenschaft sind Antikörpertests bei einer Vielzahl von Menschen gleichwohl sehr aufschlussreich. Denn sie geben einen Anhaltspunkt, wie groß der Anteil derjenigen in der Bevölkerung ist, die bereits mit Sars-CoV-2 in Berührung gekommen sind.

Experten raten von Corona-Selbsttests ab

Die Krankenkassen bezahlen Tests immer dann, wenn sie ärztlich verordnet wurden. Das gilt sowohl für Tests auf eine akute Infektion als auch für Corona-Antikörpertests. Im Internet werden vermehrt Tests für Selbstzahler angeboten, bei denen man selbst einen Rachenabstrich machen oder sich Blut aus dem Finger entnehmen und die Proben dann einschicken muss. 

Experten raten allerdings von solchen Selbsttests ab, da eine schlechte Qualität der selbst genommenen Probe oder unsachgemäßer Transport das Ergebnis verfälschen könnten.

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