Angeblicher Prostest gegen hohe Spritpreise

Dubioser Kettenbrief bei Whatsapp fordert Boykott von Tankstellen

+
So sieht die Nachricht aus, die aktuell die Runde macht: Dieser Kettenbrief erreichte nun auch die Online-Redaktion der HNA. Die Nachricht hat keinen Absender und enthält viele Fehler. Das einzige Ziel ist die Verbreitung des Kettenbriefes. Inzwischen gibt es diesen text auch auf Facebook - dort machen sich einige Nutzer über die Zeilen lustig.

Auf Whatsapp kursiert ein neuer Kettenbrief, der zum Boykott von Tankstellen wegen der hohen Spritpreise aufrufen soll. Autofahrer sollen laut dieser Nachricht am 26. November nicht tanken.

Aktualisiert am 23. November 2018 - In diesen Tagen erreichte auch die Online-Redaktion der HNA mehrfach dieser Kettenbrief-Text: "Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin und Dieselpreise Montag 26 November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags am 25. November noch machen. Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter,um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren." [sic!]

Woher stammt der Kettenbrief auf Whatsapp?

Wie bei den meisten Kettenbriefen fällt auf: ein Absender fehlt. Demnach ist und bleibt völlig unklar, wer genau zu dieser Protestaktion aufruft. Aber es wird darauf hingewiesen, dass der Text unbedingt an alle Kontakte weitergeschickt werden soll. Denn nur so bleibt ein Kettenbrief schließlich im Umlauf. Bisher gibt es auch nirgendwo eine Bestätigung, dass es tatsächlich einen solchen organisierten Protest an diesem Datum geben soll.

Bisher lässt sich nicht eindeutig klären, wo der Ursprung des Kettenbriefes liegt. Es gab beispielsweise Hinweise von diversen HNA-Lesern, die vermuteten, dass der Wordpress-Blog realerirrsinn.de Urheber sein könnte. Dabei handelt es sich um eine Seite, die sich angeblich der Aufdeckung des "Irrsinns aus Behörde und Politik" widmet. Eine seriöse Nachrichtenseite verbirgt sich nicht dahinter. Ob tatsächlich der Blog der Urheber des Aufrufes war oder sich im Nachhinein lediglich damit brüstet, ist unklar. Zu der Protestaktion steht im Blog: "In Frankreich hat man es vorgemacht, wie sowas geht. Da waren die Menschen zu Tausenden auf der Strasse und haben protestiert. Warum geht sowas in Deutschland nicht?"

Der Betreiber des Blogs heißt Kay Schlickeiser und kommt aus dem Kreis Hameln-Pyrmont (Niedersachsen). Über sich selbst schreibt Schlickeiser im Impressum er sei Unternehmer und verdiene mit der Seite kein Geld. Zudem sei er parteilos. Weiter heißt es: "Er ist weder Linker noch Rechter – sondern jemand, der stinksauer auf die Politiker-Kaste und deren Versagen ist. Dieses Unverständnis über das Treiben von Politik und Wirtschaft war die Inspiration zur Schaffung von der-reale-irrsinn.de. Er möchte seinem Ärger damit Luft machen und den Menschen da draußen die Fehler aufzeigen."

Einen solchen Kettenbrief kann übrigens jeder via Whatsapp starten. Nach einiger Zeit - der Text muss nur oft genug weitergeschickt worden sein - ist es prinzipiell unmöglich, den Urheber zu ermitteln. 

Whatsapp Kettenbrief voller Fehler

Sonderlich professionell wirkt der Aufruf bei näherer Betrachtung nicht. Denn der kurze Text strotzt vor Fehlern. Unter anderem ist die Zeichensetzung abenteuerlich und die Groß- und Kleinschreibung wird falsch eingesetzt. Da der Kettenbrief keinen Link enthält, ist er vorerst nicht gefährlich. Ein Klick auf einen solchen Link könnte beispielsweise einen Virus zur Folge haben. Doch Kriminelle wandeln solche Kettenbriefe erfahrungsgemäß gern ab, wenn sie erfolgreich sind. Möglich ist also, dass dieser Kettenbrief demnächst auch mit einem schadhaften Link versehen wird, was ihn dann zu einer Gefahr machen kann.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Einen ähnlichen Kettenbrief via SMS gab es vor rund zehn Jahren schon einmal. Damals blieb der Aufruf ohne nennenswerte Konsequenzen. 

Whatsapp Kettenbrief auch auf Facebook

Das Besondere an diesem Kettenbrief ist, dass er es tatsächlich raus aus dem Whatsapp-Kosmos in ein anderes Netzwerk geschafft hat. Denn bei Facebook wird der Text inzwischen auch von vielen gepostet und geteilt.

Da sich der Benzin-Kettenbrief offenbar wie ein Lauffeuer im Netz verbreitet, gibt es inzwischen die ersten Abwandlungen, die sich über den ursprünglichen Text lustig machen. Hier ein paar Varianten, die auf Facebook zu finden sind:

  • "Große Protestaktion gegen die steigenden Cocapreise: Am Montag, 26.11.2018, keinen Schnee kaufen. Wer ziehen muss, sollte das am Sonntag, 25.11.2018, noch machen. Teile diese Protestaktion an alle Deine Kontakte weiter, um ein Zeichen gegen die hohen Cokepreise zu setzen!"
  • "Große Protestaktion gegen die steigenden Intelligenz-Werte bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst. Montag 26 November nicht nachdenken, wer nachdenken muss sollte das Sonntags am 25.November noch machen."
  • "Große Protest-Fressaktion gegen den steigenden Gummibärchenpreis und die Damträgheit (Interpunktion absichtlich falsch übernommen, stört nur!!!) Montag 26 November keine Nahrung aufnehmen, wer Essen muss sollte das Sonntags am 25.November noch machen."

    Was soll die Boykott-Aktion bringen?

    Wenn man an dem Montag nicht tankt, aber am Sonntag zuvor dann hat man am Ende doch getankt. Selbst wenn sich viele Kettenbrief-Empfänger an den Boykott halten würden, wäre wohl keine Auswirkung spürbar. Auch das Drücken der Benzin- und Dieselpreise ist als Resultat äußerst unwahrscheinlich. Am Ende ist und bleibt die vermeintliche Protestaktion nichts, als ein simpler Kettenbrief.

Whatsapp Kettenbrief nicht verbreiten

Der aktuelle Kettenbrief ist zwar keine Gefahr, seine Verbreitung sollte aber trotzdem nicht unterstützt werden. Tipps zum Umgang mit dem Kettenbrief in der Übersicht:

  • der Freund, von dem man den betreffenden Kettenbrief erhalten hat, sollte darüber informiert werden, dass er unerwünschten Spam verbreitet 
  • es hilft auch, auch zu sagen, dass man solche Kettenbriefe nicht mehr von der Person bekommen will 
  • den Kettenbrief bitte nie an andere verschicken 
  • Kettenbrief löschen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein digitaler Kettenbrief für Verunsicherung sorgt. Erst Mitte Oktober gab es einen ziemlich skurrilen Fall: Auf Whatsapp erschien ein Esel mit Sonnenbrille.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.