Mitglied kopiert 1,6 Mio. Datensätze - und gibt ein Interview

Neuer Skandal bei SchülerVZ

Berlin. Ein junger Wissenschaftler hat vermutlich mit gefälschten E-Mail-Adressen 1,6 Millionen Datensätze von Nutzern des Online-Netzwerks SchülerVZ kopiert. Die Daten sind netzpolitik.org zugespielt worden.

Betroffen seien etwa 30 Prozent aller Nutzerprofile, berichtete das Internet-Blog am Dienstag. Wie netzpolitik.org mitteilte, sollen Informationen gesammelt worden sein, die unter anderem den Namen der Nutzer, ihre Schule und den Link zu ihrem Profilbild enthalten. Gegenüber netzpolitik.org sagt der junge Wissenschaftler, warum er die Daten gesammelt hat.

Laut einer Stellungnahme von SchülerVZ handelt es sich dabei aber nicht um ein Datenleck, sondern um das Kopieren von öffentlich zugänglichen Daten ­ vergleichbar mit dem Kopieren von Informationen in einem Telefonbuch. Zu keinem Zeitpunkt seien die Privatsphäre- Einstellungen der SchülerVZ-Nutzer umgangen worden, betonten die Betreiber.

Nach ersten Erkenntnissen von SchülerVZ hat ein junger Wissenschaftler Hunderte von künstlichen E-Mail-Accounts eingerichtet und darüber den Kopierschutz umgangen. „Der Kopierschutz von öffentlich zugänglichen Daten wird immer ein Katz-und-Maus-Spiel bleiben“, sagte Clemens Riedl, Chef der VZ-Gruppe.

Der Datenabgriff sei ein Verstoß gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Problematisch ist der jüngste Fall nach Einschätzung von netzpolitik.org, da es sich überwiegend um Daten von minderjährigen Schülern handelt.

Die gesammelten Daten könnten für die Suche nach weiteren privaten Daten ausgenutzt werden. Im vergangenen Oktober hatte eine Datenpanne bei SchülerVZ Schlagzeilen gemacht.

Ein junger Mann hatte damals 1,6 Millionen Daten aus dem Netzwerk geklaut. Die Betreiber der VZ-Netzwerke hatten danach Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet und unter anderem ein TÜV- Prüfzeichen für Datensicherheit erhalten.

Zu seiner Motivation sagte der Wissenschaftler netzpolitik.org:"Die Motivation bestand darin, nach den zig Interviews und Statements von Seiten VZ zu zeigen, dass im Endeffekt nichts unternommen worden ist, um die Daten der Nutzer effektiv zu schützen. Auch wollte ich aufzeigen, dass der TÜV in diesem Fall ein Zertifikat ausgestellt hat, das zwar schön aussieht, aber im Endeffekt etwas bestätigt, was so nicht der Fall ist. Die Daten der Nutzer waren nie sicher und sind derzeit nicht sicher vor Crawlern." (dpa)

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