Opel will die Märkte zurück erobern

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Einen Ausweg aus der Krise sucht der Rüsselsheimer Autohersteller Opel.

Rüsselsheim - Opel steht vor einer Mammutaufgabe: der Rückeroberung der Märkte. Doch Experten sagen

Mit Opel geht es seit Jahren bergab: Der Autobauer verliert massiv Marktanteile. Selbst die Abwrackprämien in ganz Europa sorgten nur für eine kleine Verschnaufpause. Autoexperte Dudenhöffer spricht von einer “Marke im Sinkflug“.

Die Hauptdarsteller im Opel-Drama

Mit dem Beschluss von General-Motors, Opel nun doch zu behalten, endet ein weiterer Akt in dem seit Monaten währenden Drama um 50.000 Arbeitsplätze in Europa, die Hälfte davon in Deutschland. Wir zeigen die Hauptdarsteller im Opel-Drama: © dpa
FRITZ HENDERSON: General-Motors-Chef Fritz Henderson gilt als erfahrener Sanierer. © dpa
Der 50-jährige Manager mit dem Spitznamen “Fix-it-Fritz“ (Bring-es-in-Ordnung-Fritz) übernahm den Chefposten bei dem angeschlagenen größten US-Autokonzern Anfang März, nachdem Rick Wagoner auf Druck von US-Präsident Barack Obama zurückgetreten war, und führte das Unternehmen dann erfolgreich durch die Insolvenz. © dpa
Der in der Autometropole Detroit geborene Henderson hat Erfahrung mit Opel. Als Europa-Chef von GM in den Jahren 2004 und 2005 hatte der hemdsärmelig auftretende Macher das unter Überkapazitäten leidende Europageschäft massiv umgebaut - die Streichung von 9.500 Stellen bei Opel eingeschlossen. © dpa
Henderson gilt als Befürworter des gescheiterten Planes, die Mehrheit von Opel an den kanadischen Zulieferer Magna und die russische Sberbank zu verkaufen. © dpa
In dem seit der Übernahme der Mehrheit bei GM durch die US-Regierung neu besetzten Veraltungsrat konnte er das nicht durchsetzen. © dpa
EDWARD E. WHITACRE jr.: GM-Verwaltungsratschef Edward E. Whitacre jr. gilt als Modernisierer und harter Sanierer. © dpa
Der Texaner, der am Mittwoch 68 Jahre als wurde, übernahm nicht zuletzt mit dem Segen der US-Regierung nach Abschluss des Insolvenzverfahrens die Aufsicht über den Autobauer. © dpa
Der Top-Manager stand seit den späten 1980er Jahren in führenden Positionen bei dem US-Telefongiganten AT&T. Dabei erledigte Whitacre weitgehend geräuschlos mehrere Fusionen und Übernahmen, aber auch Restrukturierungen mit erheblichem Arbeitsplatzabbau. © dpa
Whitacre beschränkt sich bei GM nicht auf die Beobachterrolle, sondern mischt sich aktiv ins Geschäft ein. Bei der ersten Sitzung im August beschloss der Verwaltungsrat unter seiner Führung, die Einführung mehrerer neuer Fahrzeugmodelle zu beschleunigen. © dpa
Whitacre gilt als Skeptiker des Magna-Deals. © dpa
CARL-PETER FORSTER: Carl-Peter Forster ist Aufsichtsratschef von Opel und Präsident von General Motors Europa. © dpa
Die Hauptdarsteller im Opel-Drama © dpa
Der diplomierte Volkswirt und Luft- und Raumfahrtingenieur Forster kam von BMW zu Opel. Bei BMW hatte er gut 14 Jahre lang vor allem in der Fahrzeugentwicklung gearbeitet. © dpa
Forster wurde im April 2001 Chef von Opel in Rüsselsheim. 2004 wechselte er in die GM-Europazentrale nach Zürich, zunächst als Stellvertreter von Fritz Henderson, nach dessen Rückkehr in die USA als Chef von GME. © dpa
Bei den Opelanern ist Forster nicht unumstritten: Sie machen ihn mitverantwortlich für die Verlegung von Teilen der Fertigung ins billigere und den Abbau von europaweit 12.000 Stellen. © dpa
In den Wirren um den Beinahe-Zusammenbruch des Mutterkonzerns sprach er sich zusammen mit Opel-Vorstandschef Hans Demant und dem Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz für eine Abkoppelung der europäischen Töchter von GM aus. © dpa
KLAUS FRANZ: Der Gesamtbetriebsratschef von Opel und der anderen europäischen GM-Werke, Klaus Franz, versteht sich nicht als Gegner der Unternehmensführung, sondern eher als Co-Manager. © dpa
Der 57-Jährige hat sich in fast 30 Jahren Betriebsratsarbeit eine einflussreiche Stellung aufgebaut. Franz, gelernter Drogist, fing bei Opel 1975 als Lackierer an. Seit 1981 sitzt er im Betriebsrat, nebenher studierte er und machte 1994 sein Diplom als Sozialabeiter. © dpa
Seit 2000 ist der Schnurrbartträger im schwarzen Rolli Vorsitzender des Opel-Betriebsrats in Rüsselsheim sowie des Gesamtbetriebsrats. © AP
Franz hat sich in den vergangenen Monaten zu einem scharfen Kritiker der Konzernmutter entwickelt. © dpa
GM verhindere Wachstum, da der Konzern den Export von Opel-Fahrzeugen kaum fördere, dafür aber Verluste nach Europa verschiebe, kritisierte er, und versuchte mit hohem Einsatz, die Ausgliederung von Opel und Vauxhall aus dem GM-Konzern zu erreichen. © dpa
Er hatte dabei klar auf eine Übernahme durch Magna gesetzt. © dpa
NEELIE KROES: Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes lieferte General Motors den Anlass, den erst im September beschlossenen Verkauf an Magna abzusagen. © dpa
Die Niederländerin forderte am 16. Oktober eine Zusicherung der Bundesregierung, dass sie die Zahlung staatlicher Beihilfen zur Rettung von Opel nicht vom Verkauf an Magna und Sberbank abhängig mache. General Motors müsse die Gelegenheit erhalten, den Verkauf an Magna zu überdenken, forderte Kroes. © dpa
Die 68-jährige Liberale profilierte sich damit erneut als harte Wettbewerbshüterin. Kroes vertritt die Überzeugung, dass die Rettung von Jobs mit Steuergeldern nur erlaubt sein sollte, wenn ein überzeugender Geschäftsplan dahintersteht. © dpa
Der Bundesregierung sei es aber vor allem darum gegangen, die Opel-Werke in Deutschland zu sichern, so Kroes' Vorwurf. Solche betriebsfremden Erwägungen verzerrten den Wettbewerb in Europa. © dpa
Die scheidende Kommissarin stand zudem unter erheblichem Druck. Die britische und die belgische Regierung protestierten aus Sorge um ihre eigenen GM-Standorte heftig gegen die von Deutschland zugesicherten Beihilfen. © dpa
Möglicherweise wollte sich Kroes mit ihrem Schreiben vom 16. Oktober nur rechtlich absichern - für Zehntausende Opel-Mitarbeiter aber wurde sie zur Femme fatale. © dpa

Die Aussichten für Opel sind auf den ersten Blick wenig rosig. Denn bisher sind der Hersteller und die Schwestermarke Vauxhall fast ausschließlich in Europa aktiv - einem gesättigten und hartumkämpften Markt. Doch Firmen-Chef Nick Reilly ist kämpferisch. Er will die Wende schaffen. Und dafür nicht nur die Kosten senken, sondern vor allem mit besseren Modellen, alternativen Antriebstechnologien und dem Eintritt in neue Märkte Kunden (zurück-)gewinnen.

Opel Flextreme GT/E Concept

Opel Flextreme GT/E Concept
Elektro für die Zukunft: Das Konzeptfahrzeug Flextreme GT/E von Opel ist aerodynamisches ein Leichtgewicht. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
Laut Opel, schafft der Flextreme CT/E  die Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Auf Tempo 100 beschleunigt das Elektroauto in 9 Sekunden. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
Nach einer Aufladezeit von drei Stunden fährt der Wagen 60 Kilometer rein elektrisch. Wenn sich auf längeren Strecken die Ladung der Batterien dem Ende neigt... © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
...liefert ein kleiner Verbrennungsmotor als Generator den benötigten Strom. Das sogenannte  E-REV-System ermöglichst eine Reichweite von über 500 Kilometern. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
Im Sommer verdunkelt sich das Glasdach. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
Markantes Heck mit Pfeilförmigen LED-Leuchten. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
FlexDoors-Konzept mit hinten angeschlagenen Hecktüren für einen optimalen Einstieg ins Fahrzeug. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
Das fünftürige, viersitziges Coupé-Konzeptfahrzeug der oberen Mittelklasse ist 4,7 Meter lang. © Hersteller
Opel Flextreme GT/E Concept
In seiner Mitte trägt eine pfeilförmige, markante Chromleiste das große Opel-Emblem, hinter dem sich die Ladebuchse für die Batterien des Flextreme GT/E verbirgt. Auf dem 80. Genfer Automobilsalon (4. bis 14. März) zeigt Opel diesen Vorgeschmack auf die Zukunft der Marke. © Hersteller

Schon 2011 strebt der walische Manager ein ausgeglichenes Ergebnis an, 2012 soll Opel wieder Gewinne einfahren - und den Absatz in Europa von 1,2 Millionen Autos 2009 auf 1,7 Millionen erhöhen. Der Weg zurück auf die Erfolgsstraße wird zweifelsohne steinig. Doch die US-Mutter fährt nicht nur endlich wieder Gewinne ein, sie will diese nun sogar aktiv in Modelle und Strukturen bei der europäischen Tochter investieren, sagt Experte Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation: “Das gibt Anlass zur Hoffnung.“  Der neue GM-Boss Ed Whitacre, selbst kein altgedienter Automanager, habe die Bedeutung Opels für den Gesamtkonzern erkannt, sagt Becker. Und damit mehr Verstand bewiesen, als alle seine Vorgänger der letzten Jahrzehnte zusammen.

"GM hat sich einen Dreck gekümmert"

Immerhin Investitionen über 11 Milliarden Euro hat Reilly bis 2014 für neue Modelle und alternative Antriebstechnologien in Aussicht gestellt. Die Opelaner werfen den Managern in Detroit schon lange vor, über die Modellpolitik und das Design bei Opel zu entscheiden, dabei die Wünsche europäischer Kunden aber missachtet zu haben. “Seit 20 Jahren geht es mit Opel bergab. Aber das lag an der Mutter, die sich einen Dreck um Opel gekümmert hat“, schimpft Becker. IG-Metall-Chef Berthold Huber beschrieb die Modellpolitik der GM-Bosse einmal so: “Sie haben Automodelle mit dem Luftwiderstandswert eines Scheunentors und dem Leergewicht eines Mini-Panzers produziert.“

"Made in Europe" als Konzept

Diese Probleme dürften nun ein für alle Mal der Vergangenheit angehören, wenn man Reillys Versprechungen glauben darf. Denn Entscheidungen über neue Modelle und Forschungsschwerpunkte sollen künftig in Rüsselsheim getroffen werden, nicht in den Türmen im fernen Detroit. Mit Autos “Made in Europe“ will Opel sein angestaubtes Image verbessern, Marktanteile in Europa zurückgewinnen und neue Kunden in bisher brachliegenden Märkten etwa in Asien erschließen.

Ihre Modellpalette halten sie im Stammwerk Rüsselsheim jedenfalls für wettbewerbsfähig, zumal in diesem Jahr noch wichtige Fahrzeuge auf den Markt kommen. Der Astra-Kombi soll an den Erfolg des größeren Insignias anknüpfen, während der neue Mini-Van Meriva mit cleverem Innenraum sowohl junge Familien als auch ältere Stammkunden ansprechen könnte. Reilly hat zudem weitere neue Modelle wie einen Lifestyle-Mini und ein Cabrio angekündigt. “Opel hat durchaus einen Vorsprung bei der Entwicklung und dem kostengünstigen Bau von Kleinwagen“ sagt Wolfgang Meinig, Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW).

Vertrauensverlust ist das Problem

Das eigentliche Problem sei der Vertrauensverlust der Verbraucher, der mit der Ersparnis durch die nun abgesagten Staatsbürgschaften nie hätte aufgewogen werden können. Dies habe Reilly endlich erkannt und konzentriere sich nun auf Produktentwicklung und Effizienzsteigerung. “Opel muss jetzt hart arbeiten und Ruhe bewahren“, meint Meinig. Ein Pluspunkt seien die “tapferen“ Händler, die Opel die Treue hielten.

Der Auto-Professor Markus Voeth aus Hohenheim bei Stuttgart verwendet Opel als Paradebeispiel, wenn er seinen Studenten die Zerstörung einer Marke erklärt. Das Ende des Polit-Hick-Hack könne Opel nur nutzen. Das Unternehmen sei aber noch weit von seinem Ziel entfernt, beim Publikum als “grüner Volumenhersteller“ zu gelten, lautet seine Bestandsaufnahme.

Elektro-Autos Marke Opel

Weit vorn unter den deutschen Herstellern ist Opel im Verbund mit dem Mutterkonzern General Motors immerhin in Sachen Elektroauto. Der in Rüsselsheim entwickelte, aber zunächst nur in Detroit gebaute Opel Ampera kommt in Europa im kommenden Jahr in die Verkaufsräume, in den USA als Chevrolet Volt schon 2010. Im Unterschied zu anderen E- Konzepten ist der Elektro/Benzin-Hybrid durchaus alltagstauglich und legt kurze Strecken ausschließlich mit Strom zurück. Größere Verkaufszahlen erwartet aber nicht einmal Opel selbst.

Von Harald Schmidt und Christian Ebner, dpa

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