IFA präsentiert Digitalradio der zweiten Generation

Berlin. Zur Funkausstellung IFA in Berlin unternehmen Programmanbieter und Gerätehersteller einen neuen Anlauf, digitales Radio in Deutschland zu etablieren.

Diesmal sollen nicht technische Standards im Vordergrund stehen, sondern neue Inhaltsangebote.

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„Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“ Diese Frage beschäftigt nicht nur Philosophen, sondern beschreibt auch anschaulich die Herausforderung bei der Einführung neuer Technologien wie dem Digitalradio. Seit über zehn Jahren versuchen Politiker, Radiosender und die Unterhaltungselektronik mit bislang bescheidenem Erfolg, die Digitalisierung der Hörfunkprogramme voranzutreiben. Beim Digitalradio fehlten Henne und Ei, ein breites Programmangebot und attraktive Endgeräte. Doch zur IFA 2011 scheinen die Voraussetzungen für einen Durchbruch des Digitalradios beim Massenpublikum so günstig wie noch nie zuvor.

Bei den ersten Digitalisierungsversuchen des Hörfunks wurden vor allem technische Aspekte in den Vordergrund gestellt und das neue Angebot als „Radio in CD-Qualität“ beworben. Da im DAB-Radio aber in der Regel nur die Sender zu hören waren, die man bislang schon in ordentlicher Qualität über UKW empfangen konnte, konnten die Elektronik-Händler auch nur eine bescheidene Anzahl von Geräten absetzen. Das Digitalradio dümpelte vor sich hin. Vor diesem Hintergrund zog die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vor zwei Jahren die Notbremse und machte die Freigabe weiterer Finanzmittel für das Digitalradio von einer neuen Initiative zur Durchsetzung der neuen Technologie anhängig.

Der Durchbruch in den Gesprächen zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern, dem Netzbetreiber Media Broadcast sowie sechs Privatradios gelang im vergangenen Dezember. Über die verbesserte Technologie DAB+ werden nun 14 digitale Programme bundesweit einheitlich ausgestrahlt: Lounge FM, Absolut Radio, Radio Energy, der Fußball-Kanal 90elf, der neue Rocksender Radio Bob, Klassik Radio, Kiss FM, die christlichen Sender Radio Horeb und ERF Radio sowie demnächst ERF Pop und Sunshine live. Von Anfang an dabei sind zudem die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und D-Radio Wissen.

Die neue Generation des Digitalradios ist aber nicht an den terrestischen Übertragungsstandard DAB+ gebunden, sondern bedient sich auch des Internets. So sind praktisch alle Hörfunk-Programme der ARD-Anstalten über Digitaladio-Applikationen für Smartphones zu empfangen: „Der Verbreitungsweg ist nicht entscheidend: Es geht vielmehr um vertiefende Texte zum aktuellen Programm, Audio- Angebote zum Nachhören unterwegs oder elektronische Programmführer“, sagt Joachim Kraus, ARD-Koordinator Digitalradio.

Mit dem Digitalradio werden etwa Slideshows gesendet, die zum Beispiel das CD-Cover zum laufenden Musiktitel oder die Blitztabelle zur Fußballreportage zeigen. „Diese Zusatzdienste bieten für die Hörer einen echten Mehrwert im Vergleich zum analogen Hörfunk“, sagt Olaf Korte, Experte für Digitalradio am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. „Denn sie liefern viele zusätzliche Informationen direkt an das Gerät, die heute bislang meist nur über das Internet übertragen werden und daher gerade bei mobiler Nutzung nicht immer zur Verfügung stehen.“

Beim Digitalradio auf dem Smartphone läuft derzeit die Übertragung aber zumeist über das Internet: Vorreiter innerhalb der ARD war dabei der SWR mit seiner iPhone-App „Elchradio“: Darüber kann man nicht nur den Live-Stream von SWR3 hören, sondern u.a. auch aktuelle Nachrichten zu jedem beliebigen Zeitpunkt „on demand“ abrufen.

Auf die Vielfalt der Übertragungswege hat sich die Geräteindustrie längst eingestellt. So präsentieren auf der IFA mehrere Hersteller ihre Radios, die DAB+ und UKW unterstützen und gleichzeitig Sendungen oder Podcasts aus dem Internet empfangen können. „Die Programmverbreitung ist so hybrid angelegt, wie es auch die heutigen Empfangsgeräte sind, in denen zunehmend klassischer Rundfunkempfang und Internet-Technik unbemerkt ineinander übergehen“, betont ARD-Mann Kraus. (dpa)

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