Der Verein Kabera berät Menschen mit Essstörungen – auch anonym mit dem Online-Angebot

Essstörungen: Schnelle Hilfe übers Internet

+
Hilfe nach Feierabend: Sozialpädagogin Kathrin Wagner (links) berät im Internet außerhalb der normalen Sprechzeiten. Praktikantin Rebecca Rigbers hilft ihr bei der Arbeit.

Wenn andere Menschen den Computer ausschalten und von der Arbeit nach Hause gehen, schaltet ihn Sozialpädagogin Kathrin Wagner ein. Für viele Menschen mit Essstörungen ist die Internetberatung von Kabera die erste Anlaufstelle.

„Hauptsächlich sind es Frauen zwischen 15 und 25 Jahren, die das Angebot nutzen“, sagt Kathrin Wagner. Die meisten kommen aus Kassel und der Region, aber auch aus ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland. Die Anonymität macht es den Menschen im Vergleich zur direkten Beratung einfacher, Kontakt aufzunehmen und ihre Geschichte zu erzählen.

Realistische Einschätzung

Häufig steht am Anfang die Frage: „Stimmt es, wenn Freunde und Eltern sagen, das ist nicht mehr normal? Ist da was dran, wenn andere sagen, dass ich zu dünn bin?“ Die 29-Jährige und ihre Kollegen helfen den Betroffenen bei einer realistischen Einschätzung ihrer Situation und können Kontakte zu Ärzten und Beratungsstellen vor Ort vermitteln.

„Wichtig ist der Erkenntnisprozess“, sagt Wagner. „Gemeinsam sprechen wir darüber, was die Essstörung verursacht, und wie sich das Leben damit verändert hat.“ Oft erhält sie mehrere seitenlange Lebensgeschichten. Wer in den Chat kommt, hat schon angefangen, über sein Essverhalten nachzudenken.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben etwa 300 Menschen das Angebot in Anspruch genommen. Darunter auch Lehrer und Angehörige von Essgestörten. Täglich zählen die Berater etwa 200 Seitenbesuche. Dennoch: Die Online-Beratung soll das persönliche Gespräch nicht ersetzen. Für viele ist der anonyme Internet-Kontakt der erste Schritt zum persönlichen Beratungsgespräch. Und so schaltet Kathrin Wagner auch weiterhin den Rechner ein, wenn andere Feierabend machen.

Eine E-Mail-Adresse können die Betroffenen bei der Registrierung angeben, müssen sie aber nicht. Ein Benutzername, der auch ein Fantasiename sein kann, und ein selbst gewähltes Passwort reichen aus.

Dann steht es den Rat- und Hilfesuchenden offen, ob sie per E-Mail mit den Beratern in Kontakt treten oder lieber an einem Einzel- oder Gruppenchat teilnehmen. Für die Chats, also den Echtzeit-Dialog über Textbeiträge im Netz, werden Termine vereinbart. Kathrin Wagner und zwei Kolleginnen moderieren diesen Austausch abwechselnd an zwei bis drei Abenden in der Woche.

Finanzierung für 15 Monate

Seit 2007 existiert das Angebot des Kasseler Vereins, der sich die Beratung und die Behandlung bei Essstörungen zur Aufgabe gemacht hat. Dank einer Spende des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen in Höhe von 10 000 Euro kann das Onlineangebot nun für weitere 15 Monate fortgesetzt werden.

Von Jan Baetz

Hintergrund: Beratung bei Kabera

Kabera (Kasseler Beratungsstelle) wurde 1987 als gemeinnütziger Verein gegründet. Schwerpunkt ist die persönliche Beratung und Behandlung bei Essstörungen. Zu Essstörungen zählen Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Heißhunger-Attacken ohne Erbrechen. Diese Formen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und ineinander übergehen. Kontakt: Kabera e. V. Goethestraße 31 34119 Kassel Tel.: 0561/7 01 33 10 Fax: 0561/7 01 33 22 E-Mail: kabera@t-online.de Internet: www.kabera.de

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.