Spiele im Test

„Shadow of the Colossus“ im Test: Die ultimative Version eines Klassikers

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Allein in einer menschenleeren Welt, treten wir gegen die steinernen Giganten an.

Der Videospielklassiker „Shadow of the Colossus“ erlebt nun schon seine zweite Neuauflage. Lohnt sich der erneute Kauf? Alle Informationen im Test.

Die Modernisierung von Klassikern ist ein hochgefährliches Unterfangen. Man denke nur einmal an die zumeist grauenhaft verunglückten Versuche, Filme, die in ihrer Zeit absolut wegweisend waren, mit modernen Mitteln neu zu drehen. Das Problem: Die neuen Filme sind schicker, schneller, bunter und in der Regel viel, viel egaler als die Originale. Weil der Zauber, der davon ausgeht, wenn etwas zur genau richtigen Zeit passiert, wenn man Zeuge wird, wie neue Wege gegangen werden, sich nicht einfach beliebig oft wiederholen oder modernisieren lässt.

Ähnlich sieht die Sache auch bei Remasters von Spieleklassikern aus. Um es ganz ehrlich zu sagen: Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind die allesamt entweder nicht wirklich relevant oder schlimmstenfalls echt ärgerlich. Weil sie - deutlicher noch als viele Filme - Spiele, die wir als Klassiker im Herzen und in guter Erinnerung haben, entzaubern. Zeigen, wie sich Technik, aber auch Spielmechaniken und Erzähltechniken in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben.

Statt eines wohlig-nostalgischen Trips in die Vergangenheit erwartet den Spieler oftmals eine Enttäuschung. Was die Industrie freilig nicht davon abhält, munter weiter ein Remaster nach dem anderen zu veröffentlichen. Etliche davon sind mehr oder minder reine Geldschneiderei: Ein bisschen höher aufgelöste Texturen hier und alle DLCs mit auf die Disk und schon klingelt die Kasse.

Shadow of the Colossus macht alles anders

Und dann gibt es die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Shadow of the Colossus. Ein faszinierendes Spiel mit einer faszinierenden Geschichte. Der Nachfolger des zurecht ebenfalls bis heute verehrten "Ico" erschien am 14. Februar 2006 für die Playstation 2. Es war einer der letzten wirklich großen Titel für die Konsole. Und es war technisch derart ambitioniert mit seiner großen, leeren, traurigen Welt, die von mysteriösen Kolossen bevölkert war, dass es die Hardware nicht an ihre Grenzen führte, sondern bis weit darüber hinaus strapazierte.

Es war wunderschön, aber kaum spielbar. Insbesondere bei den Kämpfen gegen die Kolosse, die das zentrale Spielelement darstellen. Da sank die Framerate gern in den einstelligen Bereich. Shadow of the Colossus war zudem finanziell kein sonderlich großer Erfolg. Es war zu speziell, es war vielleicht zu sehr Kunst und zu wenig Spektakel, es verkaufte sich schleppend. 

Und wurde doch im Lauf der Jahre zu einem absoluten Klassiker. Jeder, der von sich behauptete, ein Gamer zu sein, sang ein Loblied auf den unendlich traurigen Klassiker über Liebe, Schuld und Verantwortung. Allein, es wurde immer schwieriger, diesen Klassiker überhaupt noch erleben zu können. Gebrauchte Exemplare des PS2-Klassikers wurden zwischenzeitlich im Internet für mehr als 100 Euro gehandelt, während andere PS2-Titel längst für einen Fünfer verramscht wurden.

Sony reagierte und brachte 2011 ein HD-Remaster für die PS3 - gemeinsam mit "Ico", das ebenfalls aufpoliert worden war. Es lief deutlich geschmeidiger, sah deutlich besser aus und ermöglichte es vielen Spielern, die die PS2-Ära verpasst hatten, diesen Ausnahmetitel nachzuholen. Umso überraschender war dann die Ankündigung im vergangenen Jahr, dass Sony an der ultimativen Variante für die PS4 arbeitete. Das hörte sich zunächst einmal nach einem weiteren Fall davon an, nostalgische Fans ein weiteres Mal abzukassieren. Ein Vorwurf, der sich in Luft auflöst, sobald man das Spiel zum ersten Mal startet.

Der neue Goldstandard für Remasters

Denn die PS4-Variante von "Shadow of the Colossus" ist weit mehr als ein schnell zusammengeschustertes Remaster. Es wurde von Grund auf neu gebaut und ist, soviel sei verraten, die ultimative Variante eines zeitlosen Klassikers, der in keiner ernsthaften Spielesammlung fehlen darf. An der Geschichte und den grundsätzlichen Spielmechaniken wurde nichts verändert. Wir steuern immer noch den kleinen Helden Wander, der mit seinem Pferd Agro durch ein menschenleeres, verlassenes Land streift. Er brachte das Mädchen Mono hierher, das Mädchen, mit dessem Tod er sich nicht abfinden will.

Um es wieder ins Leben zurück zu holen, folgt er den Befehlen einer mysteriösen Macht und macht Jagd auf die gigantischen Kolosse, die durch das Land streifen, die noch deutlich sichtbare Spuren von einer früheren Zivilisation tragen. Mit jedem Koloss, den er erlegt, kommt er näher an sein Ziel. Mit jedem Koloss, der stirbt, wachsen aber auch die Zweifel und das schlechte Gewissen beim Spieler. "Shadow of the Colossus" ist auch 12 Jahre nach seinem Erscheinen ein Spiel, das einen fesselt wie kaum ein anderes, in den Bann zieht und wie im Rausch durchgespielt werden will.

Ein Spiel wie ein trüber Herbsttag, melancholisch und düster. Und in der neuen Variante eines der schönsten Spiele, die es für die PS4 gibt. Mit hochauflösenden 4KGrafiken, die - insbesondere auf der PS4 Pro - butterweich über den Monitor flimmern, mit deutlich mehr Vegetation, einer höheren Weitsicht, besseren Animationen als man es bei diesem Spiel jemals erlebt hat. Eine Augenweide, ein technisches Kabinettstück mit einer unvergleichlich berührenden Musik und sparsam eingesetzten, aber wuchtigen Soundeffekten. 

Fazit

40 Euro kostet "Shadow of the Colossus" in der Remaster-Variante. Besser kann man sein Taschengeld nicht anlegen. Man soll die Klassiker eigentlich ruhen lassen. Außer, wenn man sie mit einer solchen Liebe, einem solchen Respekt erneuert und zum Strahlen bringt wie in dieser Variante.

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