Spieletest

„Shadow of the Tomb Raider“ (PS 4) im Test: Weltuntergang mit Lara Croft

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In solchen Höhlen lauert selten etwas angenehmes...

Lara, das Postergirl der IT-Branche, war schon einmal am Ende, legte dann aber in den vergangenen Jahren mit der neuen „Tomb Raider“-Trilogie ein fulminantes Comeback hin. Nun endet die neue Reihe vorerst mit  „Shadow of the Tomb Raider“. Braucht Lady Croft wieder eine kreative Pause? Wir haben den Bogen gespannt und schleichen für euch durch finstere Gräber.

Trinity, die fiese Geheimorganisation, lässt Lara keine Ruhe. Seit mittlerweile zwei Serienteilen und Dutzenden Spielstunden sind wir immer noch unterwegs, um den Mördern von Lord Croft das Handwerk zu legen. Lara Croft, die Tomb Raiderin, im ersten Teil ein verunsichertes Mädchen, das Schiffbruch erlitten hatte und sich auf einer Insel in einem grausamen Überlebenskampf wiederfand, ist in „Shadow of the Tomb Raider“ endgültig zur Getriebenen geworden. Getrieben vom Drang, Trinity endgültig auszumerzen, Rache zu nehmen für den Tod des Vaters, für all das Leid, dass die - nebenbei stinkreiche und privilegierte - Adelige erdulden musste.

So zögert sie auch zu Beginn des neuen Spiels keine Sekunde, als es darum geht, Trinity ein wertvolles Artefakt vor der Nase wegzuschnappen. Dumm nur, dass sie dadurch versehentlich die Apokalypse auslöst. Was folgt, ist eine der beeindruckendsten Actionszenen der Spielgeschichte und ein Schlag in die Magengrube des Spielers. Das mexikanische Dorf, durch das wir gerade noch am „Tag der Toten“ geschlichen sind, wird von einem Tsunami ausgelöscht, so gerade eben überlebt Lara die Katastrophe. Hat sie sich, haben wir uns damit auch instrumentalisieren lassen vom Wunsch nach Rache, haben jedes Maß verloren im Kampf gegen Trinity?

Perfektionierter Dreiklang aus Töten, Klettern und Rätseln

Es wäre ein interessanter Gedanke gewesen, diese Debatte im Spiel auszuführen. Doch dafür bleibt - abgesehen von ein paar Krokodilstränen, die Lara mit Blick auf den massenhaften Tod Unschuldiger vergießt, den sie verursacht hat - keine Zeit. Die Welt muss gerettet werden. Und das kann - natürlich - nur Lady Croft. Weiter geht es in den lateinamerikanischen Dschungel, zu den Ruinen der auch heute noch rätselhaften Maya-Kultur. Weiter geht es im mittlerweile perfektionierten „Tomb Raider“-Dreiklang aus Töten, Klettern und Rätseln.

Auch zahlreiche Wasser- und Unterwasserpassagen müssen gemeistert werden.

Das mag man schade finden, weil es wieder eine verpasste Gelegenheit ist, Videospiele zu mehr zu machen als nur seichter Unterhaltung. Man muss es aber auch konsequent finden, denn „Shadow of the Tomb Raider“ ist - abseits aller erzählerischen Mängel und Logiklöcher - ein fantastisches und extrem unterhaltsames Spiel. Ein Spiel, das den Spieler wieder in den Bann zieht, ihn immer weiter machen lässt. Noch eine Storymission, noch eines der wunderbaren Rätsel-Herausforderungsgräber, noch schnell dieses eine Outfit herstellen, noch schnell einen Weg finden, dieses verdammte Goldlager mitten in der mysteriösen Stadt „Paititi“ zu öffnen.

Wunderschöner Dschungel wird auf dem Bildschirm lebendig

Spielmechanisch ist „Shadow of the Tomb Raider“ nahezu perfekt. Es steuert sich hervorragend, die einzelnen Elemente greifen wunderbar ineinander. Das rollenspielartige Erfahrungssystem, mit dem man immer neue Fähigkeiten freischaltet, ist ausgewogen, stets hat der Spieler das Gefühl, voranzukommen. Zudem kann man sich sein „Tomb Raider“ so schneidern, wie man es möchte: Kämpfe, Rätsel und Klettern können jeweils mit einem eigenen Schwierigkeitsgrad versehen werden. Wer also ballern nicht mag und lieber grübeln möchte, schaltet die Kämpfe (von denen es diesmal weniger gibt als in den Teilen zuvor) auf leicht und die Rätsel auf schwer.

Das ist alles ziemlich fantastisch - genau wie die Grafik. Was Entwickler „Crystal Dynamics“ im Auftrag von Publisher „Square Enix“ da mit einer PS4 Pro auf den 4K-Fernseher zaubert, ist über weite Teile atemberaubend schick. Der Dschungel dampft, in den Wasserfällen bricht sich das Licht und zaubert zarte Regenbögen in die Gischt, alles wimmelt vor Leben. Der Sound tut sein übriges, um die heimische Zockerhöhle in eine Filiale des südamerikanischen Urwalds zu verwandeln.

Fazit

„Tomb Raider“ ist weit vom Burnout entfernt, der die Serie vor mehr als zehn Jahren zu ruinieren drohte. „Shadow of the Tomb Raider“ ist eine konsequente Fortsetzung, die auf die Stärken der letzten Teile setzt und diese konsequent weiterentwickelt. Ein Spiel, das optisch, akustisch und spielmechanisch zum Besten gehört, was man derzeit auf Konsolen bekommen kann. Allerdings ist es auch ein nahezu komplett ironiefreies Vergnügen, in dem Lara nach meinem Geschmack immer noch zu viel und viel zu beiläufig tötet, um ihre Ziele durchzusetzen. Aber das mögen auch die Zeichen der Zeit sein. Erwachsene Grabräuber sollten sich diesen Titel auf keinen Fall entgehen lassen.

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