Bei Tod eines Nutzers

Was passiert nach meinem Tod? So verwalten Sie den digitalen Nachlass bei Facebook

Menlo Park - Was passiert nach dem Tod eines Nutzers mit seinem Facebook-Konto? Das soziale Netzwerk bietet zwei Möglichkeiten, den digitalen Nachlass zu regeln.

Ungefähr alle drei Minuten stirbt in Deutschland ein Facebook-Nutzer. Deshalb stellt sich bei dem Tod eines geliebten Menschen inzwischen häufig die Frage, was mit Konten bei sozialen Netzwerken passieren soll.

Kürzlich erregte ein Fall das öffentliche Interesse, bei dem Eltern auf private Facebook-Daten ihrer verstorbenen Tochter zugreifen wollten. Sie erhofften sich dadurch Rückschlüsse auf die Todesursache des Mädchens: Die 15-Jährige war 2012 aus ungeklärten Gründen von einem Zug in einem Berliner U-Bahnhof getötet worden. Facebook verweigerte den Eltern allerdings den Zugriff und verwies als Begründung unter anderem auf die Privatsphäre der Nutzer, mit denen das Mädchen gechattet hatte. Die Eltern zogen vor Gericht, in erster Instanz bekamen Sie Recht. Die Richterin wollte den digitalen Nachlass nicht anders als den analogen Nachlass behandeln - und Tagebücher und Briefe sind ebenfalls unabhängig vom Inhalt vererblich. Das Urteil der zweiten Instanz, eines Berliner Kammergerichts, steht allerdings noch aus.

Der Streitfall verdeutlicht die Dringlichkeit, sich mit dem digitalen Nachlass zu beschäftigen. Facebook bietet zwei verschiedene Möglichkeiten, mit dem Konto eines Verstorbenen zu verfahren, an: Ein Facebook-Konto kann entweder gelöscht oder in den „Gedenkzustand“ versetzt werden.

Digitaler Nachlass: Was bedeutet es, ein Facebook-Konto nach dem Tod zu löschen?

Wird ein Facebook-Konto gelöscht, können die Inhalte nicht mehr wiederhergestellt werden. Das Konto lässt sich auch nicht mehr reaktivieren. Laut Facebook kann es bis zu 90 Tage dauern, bis alle geposteten Beiträge gelöscht sind. Andere Nutzer können nicht sehen, dass das Konto gelöscht worden ist. Unter Umständen können Freunde jedoch auch nach der Löschung zum Beispiel Nachrichten der verstorbenen Person sehen.

Digitaler Nachlass: Wer kann ein Facebook-Konto eines Verstorbenen löschen?

Jeder Nutzer kann schon jetzt entscheiden, wie mit seinem Account nach dem eigenen Tod verfahren werden soll. Möchte man, dass das Konto in einem solchen Fall gelöscht wird, kann man das folgendermaßen festlegen: Zunächst melden Sie sich bei Facebook an und klicken auf das kleine Dreieck rechts oben. Es öffnet sich ein Menü, in dem Sie links oben auf „Sicherheit“ drücken. Dann müssen Sie bei „Nachlasskontakt“ auf „Bearbeiten“ klicken und dem Link zu „Kontolöschung anfordern“ folgen. Dann bestätigen Sie Ihre Entscheidung, indem Sie auf „Nach dem Tod löschen“ klicken.

Nach dem Tod eines Nutzers können nur unmittelbare Familienmitglieder oder Nachlassverwalter die Entfernung von Konten beantragen.

Digitaler Nachlass: Wie wird ein Facebook-Konto nach dem Tod gelöscht?

Will man nach dem Tod das Facebook-Konto eines Verstorbenen löschen, müssen zunächst einige Nachweise erbracht werden, dass es sich bei dem Inhaber um einen unmittelbaren Familienangehörigen handelt. Facebook empfiehlt hierfür, einen Scan der Sterbeurkunde an das Unternehmen zu schicken. Als Berechtigungsnachweise werden darüber hinaus eine Vollmacht, Geburtsurkunden, Testamente und Nachlassbriefe akzeptiert.

Außerdem füllt man ein Formular von Facebook aus, bei dem man unter anderem den Namen des Verstorbenen sowie das Todesdatum angeben muss. Hat alles funktioniert, wird das Konto gelöscht.

Digitaler Nachlass: Was bedeutet es, ein Facebook-Konto nach dem Tod in den Gedenkzustand zu versetzen?

Eine Alternative zur Löschung ist die Versetzung eines Kontos in den sogenannten Gedenkzustand. Nach dem Tod des Inhabers wird dann neben dem Namen ein „In Erinnerung an“ angezeigt. Im Gegensatz zur Löschung bleiben geteilte Inhalte auf Facebook verfügbar. Je nach Privatsphäre-Einstellung können Freunde in der Chronik auch noch Erinnerungen teilen. Allerdings erscheinen Konten im Gedenkzustand nicht mehr öffentlich, zum Beispiel als Geburtstagserinnerung. Auch kann sich niemand mehr bei dem Konto anmelden.

Digitaler Nachlass: Wer kann ein Facebook-Konto eines Verstorbenen in den Gedenkzustand versetzen?

Ähnlich wie die Löschung kann auch das Versetzen in den Gedenkzustand bereits vor dem eigenen Ableben vorbereitet werden. Hierfür müssen Sie sich wieder zunächst bei Facebook anmelden und auf das kleine Dreieck rechts oben klicken. Dort wählen Sie „Einstellungen“ aus, woraufhin sich ein Menü öffnet. Hier klicken Sie links oben auf „Sicherheit“ und dann bei „Nachlasskontakt“ auf „Bearbeiten“. Dann kann ein Freund ausgewählt werden, der sich um das eigene Konto kümmert, wenn es in den Gedenkzustand versetzt wird.

Nachlasskontakte können nach dem Tod zum Beispiel einen fixierte Beiträge für das Profil erstellen, auf neue Freundschaftsanfragen reagieren und Profil- und Titelbild aktualisieren. Sie können sich jedoch nicht auf dem Profil anmelden und zum Beispiel deine Nachrichten lesen oder Freunde und Beiträge entfernen. Gibt man keinen Nachlasskontakt an, kann das Konto nach der Versetzung in den Gedenkzustand von niemandem mehr aktiv gepflegt werden.

Ist ein Facebook-Nutzer verstorben, können Familienmitglieder und Freunde dies dem sozialen Netzwerk melden.

Digitaler Nachlass: Wie wird ein Facebook-Konto in den Gedenkzustand versetzt?

Um ein Konto in den Gedenkzustand zu versetzen, müssen Freunde oder Familienmitglieder einen Antrag auf die Herstellung des Gedenkzustands stellen. Dazu stellt Facebook ein Formular bereit, in das der Name des Toten sowie das Todesdatum eingetragen werden muss.

Digitaler Nachlass: Das sollte man schon vor seinem Tod regeln

Abgesehen von der Entscheidung, was nach dem eigenen Tod mit dem Facebook-Konto passiert, sollten heutzutage noch einige andere Vorbereitungen vor dem Ableben getroffen werden. Denn nicht nur die Accounts bei sozialen Netzwerken, sondern auch Konten bei Online-Versandhäusern oder Online-Konten gehören zum digitalen Nachlass.

Problematisch für Angehörige: Oftmals ist nicht bekannt, über welche Online-Accounts der Verstorbene verfügt und wie die entsprechenden Passwörter lauten. „Man sollte den Hinterbliebenen den Zugriff auf die Daten und Passwörter ermöglichen, damit es zu keinen Problemen kommt,“ empfiehlt deshalb Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Man kann zum Beispiel eine Liste in einem Safe lagern oder verschlüsselte USB-Sticks nutzen, auf denen man Passwörter speichern kann. Weitere Tipps zum Umgang mit dem digitalen Nachlass finden Sie hier.

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Rubriklistenbild: © dpa

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