Sprachassistenten im Alltag

Amazons Alexa oder Googles Assistant: Wer schlägt sich besser?

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Mit den smarten Echo-Lautsprechern hat Amazon eine völlig neue Produktkategorie erfunden. 

Immer mehr Menschen verwenden zuhause einen intelligenten Sprachassistenten. Er spielt auf Wunsch Musik ab, gibt Auskunft auf Fragen nach dem Wetter, kann Termine und Einkaufslisten verwalten und Smart Home-Komponenten steuern. Doch wie sinnvoll ist das im Alltag?

Seit Amazon vor zwei Jahren mit dem Amazon Echo ein völlig neues Konzept für einen digitalen Assistenten vorgestellt hat, wächst der Hype um Sprachassistenten kontinuierlich. Inzwischen haben auch Apple und Google Lautsprecher vorgestellt, die über Mikros Sprachbefehle entgegennehmen und Fragen per Sprachausgabe beantworten.

Das erinnert nicht von ungefähr an die berühmte künstliche Intelligenz HAL aus Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. So intelligent wie das Film-Vorbild sind die heutigen Assistenten zwar noch nicht, aber sie stehen ja noch ganz am Anfang.

Immerhin klappt die Sprachverständlichkeit inzwischen erstaunlich gut – und zwar selbst dann, wenn im Raum Musik läuft. Die Lautsprecher lauschen ständig nach den Codewörtern „Alexa“, „Hey, Siri“ oder „Ok, Google“ und drehen dann automatisch die Musik leiser, um Sprachbefehle entgegenzunehmen.

Am meisten Sinn machen digitale Sprachassistenten zur Zeit tatsächlich für die Steuerung von Musik. Sprachbefehle wie „Spiele den neuesten Song von Shakira“, „Nächster Titel“ oder „Musik leiser“ funktionieren wirklich gut. Sinnvoll ist das vor allem, wenn man ein Abo zu einem Musik-Streaming-Dienst hat, sei es Spotify, Amazon Music oder im Fall von Apples Siri Apple Music. Der HomePod von Apple wird in Deutschland allerdings erst nächstes Jahr zu haben sein.

Smart-Home-Steuerung per Sprachbefehl

Aber die Sprachassistenen wollen mehr sein, als eine schnöde Hifi-Fernbedienung und bieten sich auch als Steuerzentrale für Smart-Home-Funktionen an. Entsprechend ausgestattet kann man dann in der Wohnung per Sprachbefehl die Lichter ein- und ausschalten oder die Jalousien herunterlassen. Auch eine Verkettung von mehreren Befehlen ist möglich, zumindest bei Alexa. So kann man auf den Befehl „Alexa, guten Abend“ zum Beispiel das Licht dimmen, die Gartenbeleuchtung einschalten, den Fernseher einschalten und die Haustür verriegeln – oder was auch immer einem einfällt.

Außerdem kann man den Sprachassistenten Fragen stellen, die sie dann mehr oder weniger gut beantworten. „Wie wird das Wetter?“ können alle Sprachassistenten zuverlässig beantworten, bei enzyklopädischen Fragen wie „Was ist die Hauptstadt von Moldawien“ hat der Assistant des Suchmaschinen-Giganten Google tatsächlich die Nase vorn.

Natürlich kennt der Sprachassistent auch den eigenen Terminkalender und kann Notizen und Einkaufslisten verwalten, die mit dem Smartphone synchronisiert werden. Problematisch wird es allerdings, wenn mehrere Personen in einem Haushalt leben. Denn zwar können die Sprachassistenten prinzipiell den Unterschied zwischen verschiedenen Stimmen wahrnehmen, diese aber jeweils eigenen Nutzerprofilen zuzuweisen ist noch Zukunftsmusik.

Aus noch einem weiteren Grund ist ein belebter Haushalt ein Problem: so gut die Sprachassistenten Sprachbefehle bei Hintergrundgeräuschen aufschnappen können, so schlecht klappt das, wenn im Hintergrund gesprochen wird. Dann kommt es regelmäßig zu Fehlinterpretationen. Hier müssen die virtuellen Assistenten noch kräftig hinzulernen.

Lernen muss man allerdings auch als Benutzer, zumindest wenn man Smart-Home-Funktionen benutzt. Hat man das Licht im Arbeitszimmer im Smart-Home-Setup entsprechend benannt, reagiert der Sprachassistent auch nur auf den Befehl „Arbeitszimmer“ nicht aber auf „Büro“. Das klingt banal, aber im Alltag benutzen wir synonyme Begriffe öfter als uns bewusst ist – und wundern uns dann, dass der virtuelle Assistent uns nicht versteht.

Big Brother lässt grüßen

Viele fühlen sich bei dem Gedanken an intelligente Roboterstimmen im Haus nicht nur an Kubricks HAL sondern auch an Orwells „Big Brother“ erinnert. Und es stimmt ja: mit solchen Sprachassistenten holt man sich im Prinzip eine Wanze ins Haus. Immerhin: Die Stiftung Warentest hat festgestellt, dass Amazons Alexa tatsächlich nur die Sprachbefehle an Amazons Server sendet, die man nach dem Codewort „Alexa“ gesprochen hat. Das ist nötig, da die Spracherkennung mangels Rechenkapazität nicht im Gerät selbst, sondern auf Amazons oder Googles Rechnern stattfindet. Aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis jemand die smarten Lautsprecher hackt und in fremde Wohnungen lauscht.

Vor allem aber beschleicht viele ein unangenehmes Gefühl, weil die Unternehmen über die Sprachassistenten noch mehr persönliche Informationen sammeln, als sie über das Einkaufsverhalten oder die Browser-Historie ohnehin schon tun. Vor allem Google entfaltet über seinen Assistant einen ungeheuren Datenhunger. Es sei nötig, dass der Assistant alles über einen wisse, sagt Google, nur dann könne er im Alltag ein echter Helfer werden.

Das mag so sein, unschön ist dabei nur, dass Google Geld mit Werbung verdient und das gesammelte Wissen über unsere Nutzerprofile an Werbetreibende verkauft. Nutzer der kostenlosen Google-Diensten sind als weniger Kunden als vielmehr selbst eine Ware. Da fühlt man sich prinzipiell beim großen Konkurrenten aus Cupertino besser aufgehoben: Apple verspricht, die gesammelten persönlichen Daten nicht anderweitig zu verwenden.

Sprachassistenten im Test

Die Tester von AllesBeste haben sich Alexa und den Google Assistant genauer angesehen. Für sie ist Amazons Alexa der beste Sprachassistent, da die Spracheingabe meist sehr gut klappt. Selbst bei Hintergrundgeräuschen nimmt Alexa die Befehle auf und setzt sie ordnungsgemäß um.

Am wohlsten fühlt sich Alexa, wenn es um Musik geht. Auf Amazon steht eine enorme Musikbibliothek zur Verfügung und Alexa kann sowohl nach Titeln und Interpreten suchen, als auch die Lautstärke durch einen Sprachbefehl regulieren.

Im Gegensatz zum Google Assistant ist sie allerdings noch nicht in der Lage, kontextbasierende Dialoge zu unterstützen. Das heißt, dass vorangegangene Fragen oder Befehle nicht aufgegriffen werden. Auch enzyklopädische Fragen beantwortet Googles Assistant meist besser als Alexa.

Die Bedienung von Smart-Home-Komponenten via Sprachbefehl ist sowohl mit dem Google Assistant, als auch mit Alexa möglich. Allerdings hat Amazon schon wesentlich mehr Anbieter an Bord und somit mehr Auswahl als Google.

Das könnte sich aber schnell ändern, denn Googles Assistant ist erst seit kurzem in Deutschland verfügbar, während Alexa schon seit einem Jahr auf dem Markt ist. Zur IFA haben eine ganze Reihe von Lautsprecher-Herstellern angekündigt, Modelle auf den Markt zu bringen, die Alexa oder Google Assitant unterstützen.

Amazon selbst ist zur Zeit mit drei smarten Lautsprechern auf dem Markt: dem günstigen Echo Dot (60 Euro), dem Echo (100 Euro) und dem Echo Plus (150 Euro), aber es gibt auch schon Angebote von Drittherstellern wie zum Beispiel Sonos mit dem hervorragend klingenden Sonos One (230 Euro) oder Ultimate Ears mit dem Blast und Megablast. Google bietet derzeit den Google Home (150 Euro) und den Google Home Mini (60 Euro) an, als erster Dritthersteller hat Sony soeben den LF-S5G (230 Euro) auf den Markt gebracht.

Welche smarte Lautsprecher empfehlenswert sind, lesen Sie im ausführlichen Testbericht von AllesBeste.

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