"TechCrunch"-Streit reißt Gräben zwischen alten und neuen Medien

Screenshot der Techcrunch-Webseite vom 11.9.2011

Berlin/New York. Es ist eine Frage, über die seit Jahren gestritten wird: Müssen für Blogs die gleichen Ethik-Richtlinien wie für traditionelle Medien gelten? Wie wäre es zum Beispiel, wenn man über Unternehmen schreibt, in die man selbst investiert hat?

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Arringtons Ultimatum

Blogpost von MG Siegler

Artikel „New York Times“

Arrington-Kritik bei „All Things Digital“

Der Gründer des populären Technologie-Blogs „TechCrunch“, Michael Arrington, treibt gerade die Verfechter der alten und neuen Medienwelt auf die Barrikaden. Arrington wollte als „TechCrunch“-Chefredakteur nebenbei einen millionenschweren Fonds auflegen - selbstverständlich für Investionen in Internet-Firmen.

Nach den klassischen Richtlinien des Mediengeschäfts wäre das ein Interessenkonflikt erster Güte. Können „TechCrunch“-Reporter objektiv bleiben, wenn sie über Firmen schreiben, an denen ihr Chef beteiligt ist? Oder über deren Konkurrenten?

Beim neuen „TechCrunch“-Eigentümer, dem Internet-Konzern AOL, an den Arrington sein Lebenswerk im vergangenen Jahr verkauft hatte, schrillten sofort die Alarmglocken. Die prominente Bloggerin Arianna Huffington, nach der Übernahme ihrer „Huffington Post“ oberste Herrscherin über alle AOL-Inhalte, sprach ein Machtwort: Arrington soll seinen Investitionsfonds haben - aber Chefredakteur von „TechCrunch“ bleiben könne er damit nicht.

Arrington, einst Anwalt, zog auf die Barrikaden und präsentierte ein Ultimatum: Entweder AOL garantiert „TechCrunch“ die beim Kauf versprochene redaktionelle Unabhängigkeit und lässt das Blog in Ruhe - oder es soll an ihn und andere Alt-Eigentümer zurückverkauft werden. Das Problem ist nur, dass AOL nicht verkaufen wolle, schrieb die gut vernetzte Arrington-Kritikerin Kara Swisher im „Wall Street Journal“-Blog „All Things Digital“.

Die „New York Times“, die selbst oft genug für Diskussionsstoff in der Debatte um alte und neue Formate im Journalismus sorgt, goss Öl ins Feuer. Medienkritiker David Carr zählte mehrere Fälle auf, in denen „TechCrunch“ mit freundlichen Worten über Start-Ups berichtete, in die Arrington in den vergangenen Monaten investiert hatte. Doch Arringtons Mitstreiter argumentieren, „TechCrunch“ sei eben kein Medium alten Schlages und deshalb hätten auch die klassischen Ethik-Regeln keinen Bestand. Die Autoren des Blogs agierten völlig unabhängig, ohne Redakteure, ohne Kontrolle, ohne Redaktionskonferenzen. Arrington sei nur eine Art Schirmherr, die diese Schreiber-Gemeinschaft versammelt habe.

„Wenn Mike versucht hätte, mich dazu zu bringen, einen ungerechtfertigten Beitrag über eine Firma zu schreiben, in die er investiert hat, würde ich ihn auslachen. Aber das würde er auch nie tun“, schrieb etwa MG Siegler, der zuletzt exklusiv Details über einen geplanten Tablet-Computer von Amazon ausgegraben hatte. Im Gegenteil hätten „TechCrunch“-Autoren schon oft genug Firmen mit Beteiligung ihres Chefs in die Pfanne gehauen, ohne dass er auch nur ein Wort gesagt habe.

Von Andrej Sokolow, dpa

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